Technologie-Know-how ist gefragt
Kleine Revolutionen: Technik statt Tamtam

"Zurück ins Glied" lautet die Devise für IT-Manager. Zwar ist das Interesse an E-Business noch vorhanden. Aber der Wandel geht weiter. Pech für Kreativ-Agenturen - nun sind Systemhäuser gefragt.

HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. "Milliardenbeträge", so das Urteil an den Stammtischen, haben die Unternehmen mit E-Business und dem Internet "versenkt". Die Realität sieht etwas anders aus. Nachdem sich der Pulverdampf um den Zauberlehrling "Internet" endgültig verzogen hat, bleiben zwei Gruppen von Investoren: Verlierer, die der Täuschung erlegen sind, dass das Internet die Wirtschaft neu erfindet. Dazu gehören neben manchen Dotcom-Firmen und deren Finanziers auch die Medienbranche. Weit weniger wahrgenommen werden dagegen die Gewinner - all jene Unternehmen, die Internet-Technologie dazu nutzen, um ihre bisherigen Geschäftsprozesse zu verbessern und zu beschleunigen. Die Vernichtung von Milliarden an Börsenkapitalisierung findet eben mehr Aufmerksamkeit als die Kosteneinsparungen in der Einkaufsabteilung eines Automobilzulieferers.

Doch genau dort spielen sich derzeit die kleinen Revolutionen ab. Vor allem die Finanzbranche, aber auch die anfangs so zögerliche Industrie, scheinen beim Thema E-Business einen längeren Atem zu haben als der Handel und die Dienstleistungsbranche. So krempeln vor allen Dingen Großkonzerne ihre Geschäftsabläufe um. Das oberste Ziel: Kosten sparen.

Millionenbeträge für elektronische Geschäftsprozesse

"Wir haben bisher mit keinem unserer globalen E-Business-Projekte Geld verloren", sagt Oliver Liebig, der beim Versicherungsriesen Allianz Gruppe für E-Business-Projekte verantwortlich ist. Immerhin investiert die Allianz pro Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag in elektronische Geschäftsprozesse. "Allerdings standen bei der Allianz von Anfang an der Aufbau einer funktionierenden IT-Infrastruktur und die Vernetzung der Back-End-Systeme im Vordergrund", sagt eine Unternehmenssprecherin. Nun kann die Allianz die Früchte ernten. "Wir haben inzwischen weltweit 230 Tochtergesellschaften online", sagt Liebig. Die Integration weiterer Töchter ist nun vergleichsweise einfach. Mit hoher Priorität trieb die Allianz parallel auch den Aufbau eines weltweiten Intranets voran, über das alle Mitarbeiter in allen Tochtergesellschaften vernetzt sind. Eine gute Grundlage für grenzüberschreitendes Geschäft in Europa.

Aber auch Industriebranchen wie Automobil oder Chemie und der Pharmasektor arbeiten weiterhin an der konsequenten Integration von E-Business-Projekten in die alltäglichen Prozesse.

Umfrage des Internet-Forschungsinstituts Dialego

Das belegt auch eine Umfrage des Internet-Forschungsinstituts Dialego im Auftrag des Handelsblatts. So gaben von 250 befragten IT-Entscheidern 64 % an, dass innerhalb der vergangenen 12 Monate das Budget für E-Business-Projekte entweder gleich geblieben oder sogar gestiegen ist. Doch die Befragung ergab in den Branchen ein recht unterschiedliches Bild. Rund 70 % der Budgetkürzungen fanden demnach in Handels- und Dienstleistungsunternehmen statt. Bei Banken und Versicherungen sowie den traditionellen Industriebranchen gaben weniger als 10 % der Befragten an, dass die Budgets gekürzt wurden.

Überall dort, wo durch den Einsatz von E-Business kurzfristig Geld eingespart werden kann, wird weiter investiert. "Es wird heute kein E-Business-Projekt mehr genehmigt, bei dem nicht haargenau vorgerechnet wurde, dass sich die Investion innerhalb von zwölf Monaten rechnet", sagt ein Projektmanager eines großen Energieversorgers. So hat allein der Automobilhersteller Audi 20 verschiedenen E-Business-Projekte angeschoben, die innerbetriebliche Prozesse optimieren sollen. Ähnlich die Strategie des Chemiekonzerns Bayer, bei dem der Schwerpunkt der E-Business-Aktivitäten auf der "Effizienzsteigerung interner Prozesse" liegt.

Pech für die einstigen Internetgurus

Pech nur für die einstigen Internetgurus in den Multimediaagenturen: Ihr Know-How ist heute kaum mehr gefragt. "Wenn wir mit externen Dienstleistern zusammenarbeiten, geht es meistens um konkrete technische Lösungen", sagt die Allianzsprecherin. Die Strategie dagegen wird im eigenen Haus entwickelt. Auch die Dialego-Umfrage ergab, dass nur noch sieben Prozent der befragten Manager für ihre Internetprojekte auf Werbeagenturen zurückgreifen. Zumindest für sie ist der Multimedia-Traum somit verflogen. Für die Agentur Publicis Erlangen ist daher jetzt der Offline-Markt ein Ausweg aus der Online-Falle. "Wir verspüren einen starken Anstieg bei Aufträgen zur Entwicklung von CD Rom als Verkaufshilfen", so Fritz Schneider, der als Agentur-Geschäftsführer Kunden wie Siemens und Frankenbrunnen betreut.

Das einstige Flaggschiff der Multimedia-Branche, die Agentur Pixelpark, will mit "l? art pour l? art" im Internet nichts mehr zu tun haben. Die Bertelsmann-Tochter beschäftigt mittlerweile rund 250 IT-Experten von insgesamt 500 Mitarbeitern. Im Jahr 2000 hatte das Berliner Unternehmen noch 1200 Multimedia-Freaks unter Vertrag. "Die Aufgabenstellung an eine Multimedia-Agentur ist immer komplexer geworden", erklärt Philipp Stradtmann, Leiter des Hamburger Pixelpark-Büros. Allerdings komme es seiner Erfahrung nach nicht nur darauf an, technisch perfekte Lösungen zu liefern. Auch kreative Einfälle seien wichtig, um beispielsweise den Nutzer schnell über eine Website zu leiten.

Den kreativen Teil überlässt das Systemhaus GFT ohnehin Subunternehmern. Da Aufträge für komplett neue Internet-Auftritte so gut wie nicht mehr vorkommen, hat sich GFT, an der Deutsche Bank und Deutsche Post beteiligt sind, auf die Konsolidierung der vielen hundert Websites von Großunternehmen und die Integration von Software spezialisiert. "Die effiziente Gestaltung von Internet-Prozessen ist ein Wachstumsmarkt", ist sich GFT-Chef Ulrich Dietz sicher. Ob der Kuchen aber für alle Internet-Dienstleister reicht, bezweifelt er. Zu Recht, denn der Preiskampf in der Branche nimmt zu.

Quelle: Handelsblatt

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