Technologie-Riesen geraten ins Wanken
Nasdaq: Die Ampeln stehen noch auf Rot

Dell, Nortel, Lucent, Cisco - wer ist der nächste? Kaum ein Tag ohne neue Hiobsbotschaften aus dem Technologiesektor. Der Star-Analyst Ralph Acampora rät weiter zur Vorsicht.

rje/wsj NEW YORK. Die Entlassungswelle bei den großen Hightech-Firmen geht weiter, an der Wall Street treffen die Gewinnwarnungen fast stündlich ein. Am Donnerstagabend kündigte die Nortel Networks Corp. den Abbau von 10 000 Stellen an. Gleichzeitig reduzierte der weltgrößte Hersteller von Glasfaserkomponenten für die Telekommunikationsbranche seine Umsatzrwartungen für das laufende Jahr drastisch.

Wegen der schwachen US-Konjunktur werde für das erste Quartal 2001 ein Verlust 4 Cent pro Aktie anfallen, warnte das Unternehmen mit Sitz in Kanada. Nortel erwartet für das erste Quartal einen Umsatz von 6,3 Mrd. $. Analysten hatten mit rund 7.2 Mrd. $ Umsatz und einem Gewinn von 16 Cents pro Aktie gerechnet.

Für das gesamte Jahr rechnet das Unternehmen nun mit einem Umsatzwachstum von 15 %. Noch im Januar hatte Nortel die Wachstumserwartungen mit rund 30 % angesetzt. "Wir erwarten, dass unsere Kunden ihre Bestellungen zunächst zurückhalten, bis klar wird, wie sich die aktuelle Konjunkturschwäche auf die Märkte auswirkt", sagte Nortel-Chef John Roth.

Für die USA rechnet Roth mit eine schwachen Entwicklung des Geschäfts bis in das 4. Quartal, das nur durch ein stärkeres Wachstum in Europa und Asien aufgefangen werden könne. Um die Auswirkungen der Wachstumsschwäche auf den Ertrag des Unternehmens zu mildern, sollen die Belegschaft nun insgesamt um 10 000 Mitarbeiter reduziert werden. 6 000 Stellen wurden bereits gestrichen. Das Unternehmen will versuchen den Stellenabbau möglichst ohne Entlassungen durchzufuehren.

Aktien auf 52-Woche-Tief

Im Verlauf der Woche markierten die Aktien mit ein neues 52-Wochen-Tief. Am Donnerstag stieg die Aktie an der New Yorker Börse nur leicht auf 29,75 $. Noch im Juli vergangenen Jahres wurde der Wert mit 86 $ gehandelt.

Mit der Nortel-Gewinnwarnung erhielten die Anleger in Technologietiteln innerhalb von wenigen Tagen gleich mehrere Tiefschläge. Auch der weltweit zweitgrößte Computerkonzern Dell hat seine Gewinnziele nicht erreicht, wie gestern bekannt wurde. Im vierten Quartal 2000 wurde der Gewinn zwar um 16 % gesteigert, die Erwartungen der Analysten aber verfehlt. Der Reingewinn vor Einmalbelastungen habe auf 508 Mill. (Vorjahresperiode: 436 Mill.) $ oder 18 (16) Cents je Aktie zugelegt, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss mit.

Analysten hatten zuletzt einer Umfrage von First Call/Thomson Financial einen höheren Gewinn von 19 Cents je Aktie vorausgesagt. Der Umsatz legte den weiteren Angaben zufolge im Berichtszeitraum um 28 % auf 8,7 Mrd. $ zu.

Dell will vier Prozent seiner Stellen streichen

Der Computerhersteller hatte zuvor bereits mitgeteilt, etwa 1 700 seiner insgesamt 40 200 Vollzeit-Stellen abbauen. Damit werde die Belegschaft um 4 % reduziert, teilte der in Round Rock ansässige US-Konzern weiter mit. Vor zwei Tagen hatte bereits JDS, ein weiterer großer Hersteller von Glasfaserkomponenten, ebenfalls eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Der mit dem ehemaligen Konkurrenten SDL fusionierte Konzern werde im dritten Quartal einen Umsatz in Höhe von 1 Mrd. $ und einen Gewinn von 17 Cents pro Aktie erzielen, hiess es am Dienstag.

Die durchschnittlichen Analystenschätzungen liegen bei 21 Cents. Für das Fiskaljahr, das am 30. Juni endet, rechnet der Konzern mit einem Umsatz von 3,9 Milliarden $ und einem 74 Cents Ertrag pro Aktie. Der Gewinn verfehlt die Schätzungen damit um 8 Cents.

Prudential Securities: Acampora sieht rot fuer die Nasdaq

An der Wall Street gebe es zur Zeit zwei Trends - einen Bullenmarkt bei Werten wie Philip Morris und einen Bärenmarkt bei Aktien wie Cisco Systems, meint der der Spezialist für die technische Aktien-Analyse, Ralph Acampora vom Brokerhaus Prudential Securities. "Die Abwärtsbewegung im Nasdaq Index hat zwischen Oktober und Dezember letzten Jahres begonnen und durch den sogenannten Januar-Effect nur pausiert", glaubt Acampora.

Der Nasdaq-Index kletterte im Januar um 19 %, konnte jedoch nicht wirklich nach oben ausbrechen. Anschlusskäufe waren Mangelware. Eine wirkliche Enttäuschung, die die Nasdaq erneut in die Kapitulationsphase versetzt hat. "Wir nähern uns mit dem 27. März dem einjährigen Geburtstag des Bärenmarktes, und doch ist das Ende noch nicht in Sicht", so Acampora weiter, "die wirkliche Frage ist nicht, wann der Bärenmarkt beendet ist, sondern ob die Tiefstände vom vergangenen Dezember halten werden. Die Nasdaq befindet sich nun in der Endphase der Konsolidierung. Eine Phase, die ausgesprochen emotional verläuft und durch weitere Kursverluste schmerzhaft sein kann."

Ende vergangener Woche lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis S&P 500 Index bei 22 und im Nasdaq 100 bei stolzen 57. Die Spanne sei historisch betrachtet noch immer sehr hoch.

So notierte das KGV 1996 im S&P bei 16 und beim Nasdaq 100 im unteren 20-Punkte-Bereich. Investoren sollten bei Werten wie Cisco, Oracle, JDS Uniphase, Sun Micro und Corning also noch immer Vorsicht walten lassen.

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