Technologie- und konjunkturabhängige Unternehmen im Fokus
US-Strategen schwenken auf Zykliker um

Trotz schlechter Quartalszahlen der meisten High-Tech-Unternehmen empfehlen Händler und Analysten, wieder mehr auf US-Wachstumsfirmen zu setzen.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Aktien-Positionen in konjunktur-unabhängigen Werten spielen in der Strategie der Investoren weiterhin eine wichtige Rolle. Doch Marktstrategen bereiten sich inzwischen verstärkt auf eine Konjunkturerholung vor. Diese dürfte ungeachtet der Terroranschläge von den USA angeführt werden. Händler und Analysten sind sich einig, dass weltweit verstärkt in US-Werte investiert wird. "Die Anleger achten auf Notenbanken wie die Fed, die aggressiv die Konjunktur anzukurbeln versuchen", meint Steven Engländer von der Citibank.

Nach Veröffentlichung der ersten Berichte für das dritte Quartal ist es nach Meinung von Analysten wichtiger denn je, auf den Ausblick für das nächste Jahr zu schauen. "Intel und IBM haben mit ihren positiven Perspektiven für eine sehr gute Grundstimmung gesorgt", sagt Chefhändler Art Hogan vom Brokerhaus Jefferies & Co. in Boston. IBM ist einer der wenigen Technologiekonzerne, der trotz der weltweiten Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung nach den Anschlägen vom 11. September nicht vor kurzfristig möglichen Gewinneinbrüchen warnte.

Die am Dienstag nach Börsenschluss vorgelegten Zahlen werden verhalten positiv eingeschätzt. Die Umsätze gingen zwar um 20 % zurück, doch der Markt hatte mit noch größeren Einbußen gerechnet. "Wir haben nicht allzuviel, worüber man sich beschweren könnte", meint Daniel Kunstler von JP Morgan. Chefhändler Hogan glaubt, dass der Technologie-Sektor inzwischen eine ganze Reihe von Kaufgelegenheiten biete, darunter Sun Microsystems, Intel und EMC. Der weltgrößte Anbieter von Datensichersystemen EMC wies gestern erstmals seit mehr als zwölf Jahren einen Quartalsverlust aus und verfehlte die Prognosen der Analysten bei weitem. Der Konzern reagiert mit dem Abbau von 4 000 Arbeitsplätzen. Dennoch gab der EMC-Kurs kaum nach. "Anleger haben den Prognosen ohnehin nicht getraut, und die schlechteren Erwartungen sind bereits im Kurs eingepreist", meint Klaus Lüpertz von HSBC Trinkaus. EMC-Titel verloren seit dem Hoch im September 2000 fast 90 % an Wert.

"Analysten halten Lucent Technologies für zu teuer"



Lucent ist dagegen nach Meinung des Chefhändlers Hogan trotz des Kursverfalls von ebenfalls rund 90 % immer noch zu teuer. Der größte Telekommunikationsausrüster leidet unter einer hohen Verschuldung und dem drastischen Verlust von Marktanteilen. Außerhalb des Technologie-Sektors empfiehlt der Händler Werte aus dem Einzelhandel und die Aktie des Konzerns Loews Corp. Das Unternehmen bietet von Versicherungen über Hotelketten und Ölbohr-Gesellschaften einen weitgehend konjunkturabhängigen "Gemischtwarenladen" an. Hogan glaubt, dass Investoren spätestens bis zum ersten Quartal 2002 in konjunktursensible Werte einsteigen sollten. "Die Stimmung hier wird jetzt patriotischer, je mehr sich herausstellt, dass die USA sich wehren können, umso größer wird auch wieder das Vertrauen in die Märkte", glaubt er.

Auch Parketthändler Ted Weisberg vom Brokerhaus Seaport Securities hält es für sinnvoll, sich nach zyklischen Werten umzuschauen. "Wer auf die ersten Zeichen einer Belebung wartet, kommt zu spät", warnt er. Die Stimmung auf dem Parkett sei jetzt schon ein ganzes Stück besser als in der Woche vom 17. September. "Rückblickend kann man sagen, dass in der ersten Woche nach den Attacken die Aktien extrem billig waren. So günstig werden sie wohl eine ganze Zeit lang nicht mehr zu haben sein". Weisberg achtet vor allem auch auf Finanzwerte: "Sie deuten als erste auf eine Konjunkturbelebung hin". Niedrigere Zinsen und Ölpreise könnten bald für eine breitere Belebung sorgen, sofern es zu keinen weiteren Katastrophen komme.

Doch ungeachtet der vorsichtigen Verlagerung auf Technologie- und konjunkturabhängige Werte werden nach wie vor auch Aktien der traditionellen und konjunkturresistenten Wirtschaft empfohlen. Dazu gehört beispielsweise trotz der Kurssteigerung von fast 200 % seit Anfang des vergangenen Jahres Philip Morris. Quartal für Quartal erfüllt oder übertrifft der Tabak- und Konsumgüterkonzern die Prognosen der Analysten - zuletzt gestern. Die Dividendenrendite von über 3 % hält den Wert auch in "stürmischen Zeiten" stabil. Prudential Securities beispielsweise rät zum "Kauf" und erwartet, dass im November die Zigarettenpreise in den USA steigen.

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