Technologie-Werte sind wieder "in"
Finanzwerte heben Dax über 3 000 Punkte

Spektakuläre Kursgewinne bei Finanz- und Technologiewerten haben die deutschen Aktienmärkte in die Höhe schießen lassen und den Blue-Chip-Index Dax über die Marke von 3000 Punkten gehoben.

Reuters FRANKFURT. Deutschlands wichtigster Börsenindex schloss knapp 7 % höher bei 3 048 Punkten. "Hier wird eine regelrechte Party gefeiert", sagte Aktienhändler Norbert Empting vom Handelshaus Schnigge. Von einer Trendwende wollte er indes noch nicht sprechen. "Fundamental hat sich nicht viel geändert, geschweige denn verbessert", ergänzte Empting mit Blick auf die von der Regierung geplante generelle Besteuerung von Aktiengewinnen und überraschend schlechte Konjunkturaussichten für Deutschland.

Aktienstrategen sprachen von einer Erholung, die sich zwar fortsetzen könne, in erster Linie aber eine Reaktion auf die Verluste der Vormonate sei. Dementsprechend zählten in Frankfurt erneut die Titel der Finanz- und Technologiebranche zu den stärksten Kursgewinnern. Diese hatten in der vorherigen Abwärtsbewegung am meisten gelitten.

In den USA notierten die Märkte zum Handelsschluss in Deutschland deutlich im Plus. Der Dow-Jones-Index der führenden Standardwerte legte 3,9 % und die Technologiebörse Nasdaq 4,4 % zu.

Tech-Wert weit oben auf den Kauflisten

Im Frankfurter Handel erfreuten sich die Anteilsscheine der Finanzbranche besonderer Beliebtheit. MLP-Aktien stiegen um knapp 29 % auf 9,25 Euro. Auch die Anteilsscheine von Münchener Rück verteuerten sich um mehr als 13 %. Börsianer sprachen von einer überfälligen Erholung und neuer Zuversicht der Anleger.

Zudem waren die deutschen Banken im Dax gefragt, die zwischen sieben und mehr als zwölf Prozent zulegten. "Die Zahlen der Citigroup helfen dem Sektor", sagte ein Börsianer. Der größte US-Bankkonzern hat seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal um fast ein Viertel gesteigert und damit die Erwartungen der Analysten leicht übertroffen.

Nicht minder stark zogen die Aktien der Technologiebranche an. Die Papiere von Infineon, Siemens und SAP verteuerten sich zwischen acht und elf Prozent. "Einige Investoren kommen offenbar zu der Einschätzung, dass das Schlimmste bei den Technologiewerten vorbei ist", sagte Peter Lüdke, Händler bei Merck Finck. Am Dienstag hatte unter anderem Europas größter Unterhaltungselektronikkonzern Philips für das abgelaufene Quartal einen deutlich reduzierten Verlust ausgewiesen und damit die Marktprognosen geschlagen.

Mobilcom setzt Höhenflug fort

Am Neuen Markt setzten die Titel des Mobilfunkunternehmens Mobilcom ihren Höhenflug fort und gewannen fast 32 % auf 3,95 Euro. Börsianer begründeten den rasanten Kursanstieg des finanziell angeschlagenen Konzerns mit einem erneuten Zahlungsaufschub durch die Banken und Spekulationen über eine Einigung mit dem Großaktionär France Telecom.

Insgesamt legte der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax 50 12,42 % auf 398 Zähler zu.

Im Nebenwerte-Index MDax, der 4,26 % höher bei 3004 Punkten schloss, ragten die Aktien von Koenig & Bauer heraus. Diese legten um 19,3 % auf 13,97 Euro zu. Zuvor hatte der Druckmaschinen-Hersteller mitgeteilt, einen Großauftrag im "oberen zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich" erhalten zu haben.

Experten: Dax fundamental unterbewertet



Analysten sagten, es sei zwar noch verfrüht, von einer Trendwende am Aktienmarkt zu sprechen. Fundamental sei der Dax aber deutlich unterbewertet, was für weitere Kursgewinne spreche. "Innerhalb der nächsten zwölf Monate kann der Dax bis auf 4 500 Punkte steigen", sagte Gertrud Traud, Aktienstrategin bei der Bankgesellschaft Berlin. Der Markt habe zuletzt einfach massiv nach unten übertrieben, förmlich einen Weltuntergang und eine Deflation befürchtet. "So schlimm wird es aber nicht kommen, weswegen sich jetzt die Kurse erholen", ergänzte Traud. Für die USA und Europa sei eine Wachstumsdelle, aber keine erneute Rezession zu erwarten. Deswegen habe der Dax allein seit Mittwoch rund 20 % an Wert zugelegt.

Momentan neige der Markt auch dazu, schlechte konjunkturelle Daten zu ignorieren. Am Dienstag hatte der Bundesverband des deutschen Groß- und Außenhandels seine Prognose zum Exportwachstum in diesem Jahr drastisch gekürzt. Auch die vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung ermittelten Konjunkturaussichten für Deutschland hatten sich überraschend deutlich verschlechtert.

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