Technologieabkommen unterzeichnet
Clinton ruft Vietnam zu wirtschaftlicher Öffnung auf

Beim ersten Besuch eines amerikanischen Regierungschefs seit dem Vietnamkrieg vor 25 Jahren sprach sich Clinton am Freitag vor allem für einen Abbau von Handelsschranken aus.

ap HANOI. US-Präsident Bill Clinton hat die vietnamesische Regierung zu mehr Freiheiten für das südostasiatische Land aufrufen. Beim ersten Besuch eines amerikanischen Regierungschefs seit dem Vietnamkrieg vor 25 Jahren sprach sich Clinton am Freitag vor allem für einen Abbau von Handelsschranken aus. Seine Rede vor Studenten der Universität von Hanoi wurde im staatlichen Fernsehen gesendet - die erste Direktübertragung einer solchen Veranstaltung.

"Wir können die Vergangenheit nicht ändern", sagte Clinton mit Blick auf den Vietnamkrieg, in dem die USA gegen den kommunistischen Norden des Landes kämpfte. "Was wir aber ändern können, ist die Zukunft", betonte er. Die junge Generation verdiene die Chance, "im Heute zu leben". Die Leiden des Krieges auf beiden Seiten hätten die USA und Vietnam in den vergangenen Jahrzehnten zusammengeschweißt.

Wissenschaftsabkommen unterzeichnet

Tausende Vietnamesen jubelten Clinton zu, als er am Freitag durch die Straßen von Hanoi fuhr. Am Morgen wurde der US-Präsident in der Hauptstadt des kommunistischen Staates mit militärischen Ehren offiziell begrüßt. Anschließend unterzeichneten Delegationen beider Staaten ein Wissenschafts- und Technologieabkommen sowie eine Vereinbarung über eine Zusammenarbeit beim Thema Arbeitsrechte und Ausbildung.

Die vietnamesische Regierung habe Clinton außerdem zugesagt, ein internationales Abkommen zur Kinderarbeit zu unterzeichnen, erklärte der amerikanische Regierungssprecher Jake Siewert. Nach dem Empfang im Präsidentenpalast besuchte Clinton den 1 000 Jahre alten Tempel der Literatur. Auf den Straßen standen die Menschen dicht gedrängt und jubelten ihm zu. Begleitet wird Clinton von seiner Frau Hillary und Tochter Chelsea.

Hillary Clinton besucht Frauen auf dem Land

Hillary Clinton will sich bei dem mehrtägigen Besuch vor allem für die Frauen des Landes stark machen. Am Freitag traf sie sich in dem Dorf Yen Tang mit Empfängerinnen von Kleinkrediten. Sie glaube an die Wirkung auch geringer Darlehnen, sagte die neu gewählte US-Senatorin nach einem Rundgang durch das Dorf zu den Frauen. "Sie haben erneut bewiesen, was Frauen mit ein bisschen Unterstützung und harter Arbeit alles erreichen können." Das Kreditprogramm hilft Menschen in ländlichen Gebieten, die von den Banken kein Geld erhalten können. Seit seiner Gründung in Vietnam 1992 hat das Programm nach eigenen Angaben 11 000 Frauen unterstützt.

Mitgereiste US-Wirtschaftsvertreter aus neun Unternehmen unterzeichneten am Freitag Verträge mit vietnamesischen Firmen. Unter anderem vereinbarte die Fluggesellschaft Vietnam Airlines mit Boeing, drei Flugzeuge vom Typ 777-200ER zu kaufen. Nach Angaben von Boeing beläuft sich das Geschäft auf 480 Mill. Dollar (1,1 Mrd. Mark/560 Mill. Euro).

Vorsichtiger Annäherungskurs

Die Regierung Clinton verfolgt einen vorsichtigen Annäherungskurs an Vietnam. 1994 hob sie ein Handelsembargo auf, 1996 eröffnete sie eine Vertretung in Hanoi. Im Juli vereinbarten beide Staaten schließlich ein Handelsabkommen, das noch vom Kongress gebilligt werden muss. Die amerikanische Handelsbeauftragte Charlene Barshefsky nannte das Abkommen bei einem Empfang in Hanoi den ersten Schritt Vietnams zur Aufnahme in die Welthandelsorganisation.



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