Technologiebranche kämpft mit der Flaute
Kommentar: Auf Talfahrt

Es wird eine Woche der Wahrheit für die Technologiewerte werden. In Europa und vor allem in den USA steht eine ganze Serie von Quartalsabschlüssen an, die Aufschluss über die Perspektive der gesamten Branche geben wird. Wenn in den nächsten Tagen die Zahlen von Ericsson, Microsoft oder Apple ähnlich schlecht ausfallen wie gerade die von Cisco und Philips, dann dürfte die erhoffte Kurserholung der Technologieaktien noch weiter in die Ferne rücken. Denn nicht nur liegen die jetzt präsentierten Quartalszahlen unter den Vergleichswerten und auch unter den Erwartungen der Analysten, vor allem sehen die Konzerne keine Anzeichen für eine baldige Besserung der Lage.

Dass die einst hoch gelobten Konzerne der New Economy an der Börse lange Zeit viel zu hoch bewertet wurden, hat sich inzwischen bis zum letzten Optimisten herumgesprochen. Diese Korrektur läuft jetzt seit einem Jahr und ist zum Leidwesen vieler Anleger immer noch nicht beendet. Jetzt zeigt sich obendrein, dass die Konzerne ganz reale Probleme haben. Ihre Produktionskapazitäten sind durch den vor allem in den USA lange währenden Boom zu sehr aufgebläht. Ein schmerzlicher Stellenabbau steht an, um die Fertigung an den geschrumpften Bedarf anzupassen. Darauf richten sich Konzerne wie Siemens, Philips und Motorola ein; Cisco streicht gleich knapp 20 Prozent der Arbeitsplätze.

Dabei ist der Bedarf in vielen ihrer Absatzbereiche noch lange nicht gedeckt. Lediglich bei Mobiltelefonen zeigt sich vor allem in Europa eine allmähliche Sättigung, die niedrigere Absatzplanungen rechtfertigt. Halbleiterhersteller wie Infineon, Intel und auch Philips klagen ebenfalls über zu hohe Kapazitäten und dadurch schlechte Renditen. Sie haben diese Misere aber zum Teil selbst verschuldet, weil sie in den vergangenen Jahren zu viele neue Fabriken aufgebaut haben. Diese beginnen jetzt zu einem Zeitpunkt mit der Produktion, an dem die Nachfrage schwächelt - dieser so genannte "Schweinezyklus" ist ein typisches Problem der Branche.

Doch in den großen Bereichen der Telekom-Infrastruktur und der Datenverarbeitung ist die Nachfrage bei weitem nicht gesättigt. Die Datenflut wächst unaufhörlich und muss transportiert und verarbeitet werden; der Aufbau der Mobilfunknetze der nächsten Generation verlangt hohe Investitionen. Das Problem ist vor allem die Finanzierung der Investitionen. Börsencrash und teure UMTS-Lizenzen haben den Weg über die Börse oder über Bankkredite versperrt. Deshalb halten sich viele Netzgesellschaften mit neuen Aufträgen zurück, obwohl sie eigentlich fällig wären. Zudem hat der sehr plötzlich einsetzende Nachfragerückgang vor allem in den USA die Vorräte besonders in der Computerindustrie anschwellen lassen. Jetzt können die Hersteller ihre Läger nur zu stark reduzierten Preisen räumen.

Solange das nicht geschehen ist, ist keine Besserung für die Technologiebranche in Sicht. Dieser Prozess wird sich bis in den Sommer hinein ziehen. Dann dürften die Hiobsbotschaften über immer neue Stellenstreichungen vorerst aufhören und dürfte auch der Tiefpunkt bei den Auftragseingängen erreicht sein, so die Hoffnungen. Im ersten Quartal haben einige Halbleiterkonzerne nicht einen einzigen großen Auftrag verbucht. Schlimmer kann es eigentlich nicht kommen, vermutet die Investmentbank Salomon Smith Barney. Die Hoffnungen ruhen denn auch auf dem Herbst. Wenn dann alle nötigen Anpassungen und Abschreibungen in den Kursen und Bilanzen berücksichtigt sind, kann es eigentlich nur besser werden.



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