Technologiekonzern plant weiteren Stellenabbau – Analysten erwarten Gewinneinbruch
Siemens bekommt Netzwerksparte nicht in Griff

Das Telefongeschäft machte Siemens in den vergangenen über 150 Jahren groß. Heute bereitet die Netzwerk-Sparte ICN, einst der wichtigste Gewinnbringer, die größten Probleme für den Münchener High-tech-Konzern.

cbu MÜNCHEN. Wenn Vorstandschef Heinrich von Pierer am morgigen Donnerstag die neuen Quartalszahlen präsentiert, muss er voraussichtlich wieder von Verlusten und weiteren Sanierungskosten im angeschlagenen Geschäftsbereich berichten.

"Die Probleme bei ICN sind weit entfernt von einer Lösung", meint etwa Frank Rothauge. Der Siemens-Analyst beim Bankhaus Oppenheim mahnt wie einige seiner Kollegen eine überzeugende Strategie für die Neuausrichtung der Sparte an. "Da muss noch viel getan werden", sagt Theo Kitz von Merck Finck. Besonders neue Produkte, die einen Vorsprung vor der Konkurrenz garantieren, würden fehlen.

Das Netzwerkgeschäft von Siemens leidet derzeit - wie die gesamte Branche - unter der starken Investitionszurückhaltung der Telekommunikationsindustrie. "Die Marktsituation verschlechtert sich von Tag zu Tag", stellt ein Analyst fest. Alle großen Anbieter, allen voran Ericsson und Lucent, aber auch Motorola oder Nokia, haben mit der Flaute zu kämpfen. Doch bei Siemens kommen hausgemachte Probleme hinzu. Zu spät habe der Konzern auf den schwachen Markt reagiert, sagen Kritiker. Im vergangenen Herbst beauftrage Konzernchef von Pierer Thomas Ganswindt mit der Sanierung. Der neue Spartenchef leitete ein Sparprogramm ein und strich über 10 000 Stellen. Bereits im Januar wurden weitere Maßnahmen angekündigt, jetzt sollen offenbar erneut 5 000 Arbeitsplätze wegfallen. "Es ist relativ leicht, Kosten zu kürzen und Mitarbeiter zu entlassen. Der schwere Teil kommt noch", meint ein Analyst. Von Ganswindt wird ein Konzept erwartet, um die Margenziele bis 2004 zu erreichen.

Aber auch die Mobilfunksparte, die sich gestern an der Softwarefirma Symbian beteiligte, hat zu kämpfen. Jüngst hatte Weltmarktführer Nokia die Prognosen revidiert. Zwar war Siemens im letzten Quartal wieder in der Gewinnzone. Doch ein nachhaltiger Aufschwung bei Handys ist nicht in Sicht. Auch beim bisherigen Gewinnbringer Energieerzeugung tauchen dunkle Wolken auf. Der Gasturbinenboom in den USA ist vorbei. Die CSFB-Experten rechnet insgesamt mit einer Halbierung der Aufträge bis 2004, obwohl das Orderbuch mit 25 Mrd. Euro bislang gut gefüllt ist.

Im Durchschnitt rechnen die Analysten laut einer Reuters-Umfrage für das zweite Quartal 2001/02, also von Januar bis März, für den Konzern mit einem Gewinnrückgang von 30 % auf 341 Mill. Euro. Die Siemens-Aktie ist in den vergangenen Wochen deutlich auf zuletzt unter 64 Euro gefallen.

Quelle: Handelsblatt

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