Technologiewerte an der Spitze
Dax gibt Gewinne wieder ab

Nach dem unerwartet starken Rückgang des US-Verbrauchervertrauens haben die deutschen Standardwerte ihre Gewinne größtenteils wieder abgegeben.

Reuters FRANKFURT. Nach dem unerwartet starken Rückgang des US-Verbrauchervertrauens haben die deutschen Aktienwerte ihre Gewinne größtenteils wieder abgegeben, während der Euro und die Anleihen kurzzeitig zulegten. Zuvor hatte das überraschend starke Plus des Ifo-Geschäftsklimaindexes die Aktien steigen lassen.

Der Index des US-Verbrauchervertrauens war dem Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board zufolge im Februar auf 94,1 Punkte von 97,8 Zählern im Vormonat gesunken. Experten hatten lediglich mit einem Rückgang auf 96,8 Stellen gerechnet. Der Ifo-Index stieg im Februar auf 88,7 Punkte nach 86,2 Punkten im Januar. Analysten hatten nur mit einem Anstieg auf 87,3 Punkte gerechnet.

Euro und Anleihen ziehen kurzzeitig an

Der Deutsche Aktienindex (Dax) tendierte am Nachmittag 0,54 Prozent fester bei 4 890 Punkten, nachdem er unmittelbar vor der Veröffentlichung noch knapp 1,5 Prozent im Plus gelegen hatte. Der Euro stieg unmittelbar nach der Veröffentlichung auf 0,8710 Dollar und fiel dann auf 0,8688 Dollar zurück. Kurz vor Veröffentlichung der Daten um 16.00 Uhr MEZ hatte der Kurs noch bei 0,8675 Dollar gelegen. Der richtungsweisende Bund-Future zog unmittelbar nach der Bekanntgabe des Verbrauchervertrauens auf 107,66 Stellen von zuvor 0,12 Prozent im Minus bei 107,40 Punkten an und tendierte am Nachmittag praktisch unverändert bei 107,54 Zählern.

Das schwache Verbrauchervertrauen deutet Analysten zufolge darauf hin, dass die erwartete US-Konjunkturerholung noch auf sich warten lässt. Dies belaste traditionell die Aktien und stütze im Gegenzug die Anleihen. Ein im Vergleich zu Europa langsamerer Aufschwung in den USA belaste den Dollar, hieß es.

Technologiewerte weiterhin größte Dax-Gewinner

Die deutschen Technologie- und Bankenwerte tendierten auch am Nachmittag an der Spitze der Gewinner im Dax. Der Branchenindex für den Technologie-Sektor im Dax stieg um 1,49 Prozent, während der Sektor-Index für die Finanzbranche um 0,91 Prozent zulegte.

Technologiewerte könnten im Falle eines Aufschwungs von höheren Investitionen profitieren, während sich ein verbessertes Börsenumfeld positiv auf die Finanzwerte auswirken dürfte, sagte Analyst Alfred Kaiser von Börsenmakler Nols.

Rückgang des Verbrauchervertrauens keine Überraschung

Der Rückgang des US-Verbrauchervertrauens ist Analysten zufolge nicht überraschend. Schließlich habe der Index in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen, sagte Senior Economist Carey Leahey von der Deutschen Bank Securities. Der Ökonom Drew Matus von Lehman Bros. ergänzte, die Unsicherheit über die Entwicklung des Arbeitsmarktes und mutmaßlich unsaubere Bilanzierungspraktiken der US-Unternehmen belasteten die Stimmung. Andere Analysten sahen in den Daten ein Indiz für die Nervosität der Verbraucher auch angesichts der Kursverluste an den Aktienmärkten. Matus sagte weiter, die Märkte warteten nun auf die für Mittwoch angesetzte Rede des US-Notenbankchefs Alan Greenspan und dessen Aussagen zur Konjunktur. Volkswirte werten den Index als wichtigen Indikator für die Nachfrage- und damit Konjunkturentwicklung in den USA. Von einem gestiegenen Vertrauen der US-Verbraucher in die künftige Wirtschaftsentwicklung versprechen sich Volkswirte ein Anziehen des Konsums. Der private Verbrauch macht in den USA rund zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes aus.

"Der Ifo-Index zeigt, dass wir nahe am Wendepunkt sind", sagte Ifo-Volkswirt Gernot Nerb. "Das Konjunkturbild festigt sich, man kann von einer Erholung sprechen." Nach den Worten von Volker Nitsch, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin, zeigt der Index den wachsenden Optimismus der Industrie. "Ich sehe den Aufschwung abgesichert", fügte Nitsch hinzu.

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