Technologiewerte drücken Stimmung
Europäische Börsen schließen schwächer

Die europäischen Börsen haben am Dienstag trotz behaupteter US-Aktienmärkte ihren Abwärtstrend mit moderaten Abschlägen fortgesetzt, da Philips als Branchenführer in der Elektronik-Industrie einen schwachen Geschäftsausblick gab.

Reuters FRANKFURT. Philips rechnet nach einem deutlichen Verlust im abgelaufenen Quartal wegen der weiteren Abschwächung des Computerchip-Marktes im Gesamtjahr 2001 nicht mehr mit einem Gewinn, kündigte aber den Abbau von erneut bis zu 4 000 Arbeitsplätzen an. Die Nachrichten von Philips seien kein gutes Zeichen für die Branche und drückten die Stimmung, sagten Händler.

An den US-Börsen drehten nach zunächst schwächerer Eröffnung die Standard-Werte der Wall Street knapp in die Pluszone. Während vor den nach Börsenschluss mit Spannung erwarteten Quartalsergebnissen von Intel und Apple aus der Chip- und Finanzbranche erneut enttäuschende Quartalsergebnisse vorgelegt wurden, lag General Motors trotz Gewinneinbruch über den Erwartungen der Analysten. Der 30 führende US-Industriewerte umfassende Dow-Jones-Index lag bei Börsenschluss in Europa mit 0,4 % im Plus bei 10 515 Punkten, der technologielastige Nasdaq-Index verbuchte ein moderates Minus von 0,4 % auf 2 021 Punkte.

Der Stoxx-50-Index für die größten Unternehmen aus der EU und der Schweiz fiel um ein Prozent auf 3 826 Zähler, der Euro-Stoxx-50-Index für die Blue Chips aus der Europäischen Währungsunion (EWU) büßte knapp 0,6 % auf 3990 Punkte ein. Die Verliererseiten wurde jeweils von den Telekom - und Technologiewerten angeführt, während Versorger zulegten.

London - FTSE von Bank- und Telekom-Werten gedrückt

An der Londoner Börse fiel der FTSE-100-Index im europäischen Vergleich mit einem Minus von 1,6 % auf 5 427 Punkte deutlich zurück. Zu den Verlierern zählten Colt Telecom und Energis , die jeweils rund 10 % verloren und langjährige Tiefstände markierten, nachdem Händlern zufolge Befürchtungen über Finanzierungsprobleme wieder auftgetaucht waren. Auch das Indexschwergewicht Vodafone büßte 5 % ein. Die Royal Bank of Scotland gab 2,1 % ab, wofür Marktteilnehmer die Kapitalerhöhung verantwortlich machten, die die Bank zur Finanzierung der Übernahme der Mellon Financial Corp für 2,1 Mrd. $ verwenden wolle.

Zürich - Banktitel belasten

Der Schweizer Aktienmarkt verlor rund 0,4 % auf 6 902 Punkte, schloss den lustlosen und umsatzarmen Handel aber über den Tagestiefständen ab. Verlierer waren vor allem Titel aus dem Banksektor, der nach Händlerangaben unter der Herabstufung des Ausblicks von drei US-Banken auf "Negativ" durch die Ratingagentur Standard & Poor's litt. Credit Suisse , UBS und Julius Bär verloren jeweils etwa 2 %. Merrill Lynch legte in den USA einen Quartalsabschluss vor, der über den zuletzt gesenkten Analystenerwartungen blieb. Im dritten Quartal müsse sich das Geschäft jedoch noch beleben, um das jüngste Quartalsergebnis halten zu können, warnte das US-Finanzhaus.

Paris - CAC-Index von Technologiewerten gedrückt

In Paris präsentierte sich die Börse unter Führung der Technologiewerte schwach. Der CAC-Index für die 40 größten Unternehmen fiel 0,9 % auf 4 978 Punkte. Zu den größten Verlierern zählten ST Microelectronics (STM), Thomson und Alcatel , deren Kurse im Zuge der Geschäftszahlen von Philips zwischen 4 und 5 % abgaben. Händler führten die erneuten Abschläge darauf zurück, dass einige Aktien angesichts der Wirtschaftslage immer noch zu hoch bewertet seien.

Mailand - Mib-30-Index tendiert schwächer

Der Mailänder Aktienmarkt gab trotz der Kursgewinne bei Montedison und Edison deutlich nach, da die von Philips ausgelösten Kursverluste das Handelsgeschehen stärker belasteten. Der Mib-30-Index fiel um 1,6 % auf 35 788 Punkte. Die Aktien von Montedison und ihrer Tochtergesellschaft Edison profitierten nach Händlerangaben vom mittlwerweile erhöhten Übernahmeangebot für Montedison durch Fiat und Electricite de France (EdF). Fiat -Aktien gaben nach, ebenso die Papiere von Mediobanca , die Montedison unterstützen.

Madrid - Gegen den Trend freundlich

An der Börse in Madrid widersetzte sich der Ibex-Index den Vorgaben der übrigen europäischen Börsen und stieg bei dünnen Umsätzen um 0,9 % auf 8 372 Punkte. In den vergangenen elf Handelstagen hatte der Ibex-Index knapp 9 % verloren. Im Mittelpunkt standen die sich von den vorangegangenen Verlusten erholenden Aktien des Konzerns Telefonica , deren Mobilfunktochter Moviles und der Internet-Tochter Terra Lycos. Die Aktien von Repsol behaupteten sich nach anfänglichen Verlusten in Folge einer möglichen Herabstufung durch die Rating-Agentur Moody's Investor Service. BSCH notierten freundlich bei 9,88 Euro.

Amsterdam - AEX-Index folgt Vorgaben

An der Amsterdamer Börse standen die Kurse unter den negativen Nachrichten des Philips-Konzerns. Die Kurse der im AEX-Index vertretenen Aktien fielen mehrheitlich. Im Zuge der sich im Handelsverlauf verringernder Verluste bei Philips schloss der AEX-Index nahezu unverändert bei 546 Punkten. Händler sagten, die düsteren Aussichten von Philips seien zunächst überbewertet worden. Im Vergleich mit der Konkurrenz sei der Betriebsgewinn von Philips nicht so schlecht. Nach einem anfänglichen Kursrutsch um 6 % wurden Philips -Aktien zu Handelsschluss mit noch 1,8 % im Minus notiert. Die Aktien von ASML wurden Händlern zufolge vor der für Mittwoch erwarteten Veröffentlichung des Quartalsberichts von Philips gedrückt.

Wien - ATX-Index niedriger

Die Wiener Börse hat nach umsatzschwachem Handel leichter geschlossen. Der ATX-Index gab bei sehr dünnem Volumen um 0,6 % auf 1 215,59 Punkte nach. "Es ist Sommerpause, es geht nichts um", sagte ein Händler. Im Vordergrund standen Wolford und OMV. Die am Vortag stark gefallenen Wolford -Aktien erholten sich mit plus 1,6 %. Die Papiere des Mineralölkonzerns OMV verloren 1,7 %. Händler sehen darin eine mögliche Auswirkung der geplanten Veba-Oel-Übernahme durch BP.

Brüssel - Lustloser Handel

Nach einem lustlosen Handel schloss der Bel-20-Index an der Börse Brüssel gut behauptet bei den Tageshöchstständen von 2 944 Punkten. Gegen den europäischen Trend legte der Aktienmarkt trotz der Philips-Ergebnisse kontinuierlich zu, was auf die Kursgewinne bei Ion Beam Applications, einem Hersteller für medizinische Teilchenbeschleuniger, in Höhe von 1,6 % und bei Fortis mit rund 1 % zurückzuführen ist. Grundsätzlich ist der belgische Markt wegen einer vergleichsweise geringen Gewichtung von Technologierwerten nicht so anfällig wie andere europäische Börsen.

Stockholm - Warten auf Ericsson und Nokia

Die Stockholmer Börse büßte auf Grund der Schwäche der hochgewichteten Technologiewerte rund 1 % auf 824 Punkte im OMX-Index ein. Die Titel des Index-Schwergewichts Ericsson gaben rund Prozent auf 51 Kronen nach. Nokia verbilligten sich in Helsinki um 4 %. "Der Markt wartet nervös auf die Ergebnisse von Nokia und Ericsson", sagte ein Händler. Die Quartalszahlen der beiden Unternehmen werden für Donnerstag und Freitag dieser Woche erwartet. Auf Grund anhaltender Befürchtungen über die Verschuldung von Sonera gaben die Aktien erneut deutlich nach und markierten mit knapp sechs Euro den tiefsten Stand seit mehr als zweieinhalb Jahren. SKF büßten wegen eines schwachen Ausblicks auf die zweite Jahreshälfte rund 7 % ein.

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