Technologiewerte
Näher hinschauen

Wo der eindeutige Trend fehlt, ist der Blick auf die einzelnen Aktien um so wichtiger. Drei Beispiele aus dem Tech-Bereich.

HB DÜSSELDORF. Es gibt einen eindeutigen Star unter den deutschen oder sogar europäischen Tech-Werten, und das ist der alte Börsenliebling SAP. Kein Wunder: Die Aktie ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Sogar Larry Ellison, der Chef des großen US-Konkurrenten Oracle, lobt den Walldorfer Softwarekonzern öffentlich. Die meisten Analysten empfehlen das Papier, die Deutsche Bank traut SAP eine weitere Kurssteigerung auf rund 200 Euro zu, bei Goldman Sachs landete die Aktie auf der Empfehlungsliste. Im Gegensatz zu anderen Technikkonzernen hat SAP keine Warnungen, sondern ansprechende Gewinnzahlen veröffentlicht. Nachdem im vergangenen Jahr mit einem Kraftakt und dem neuen Programm Mysap.com das Internetzeitalter eingeleitet wurde, schätzen die Anleger jetzt auch wieder die solide Kundenbasis und das Grundgeschäft mit Unternehmenssoftware. Schließlich noch ein Pluspunkt: SAP hat nichts mit Mobilfunk zu tun, dem gefährlichen Abenteuer, von dem so viele andere Tech-Werte abhängen.

Doch Vorsicht: Die Aktie ist und bleibt ein Kandidat für Jojo-Kursverläufe, der immer wieder durch gute Empfehlungen nach oben getrieben wird und dann bei einer schlechten Nachricht oder einem Stimmungsumschwung tief fällt. Realistischer als sehr hohe Kursziele könnte eine Einschätzung wie die der Experten von ABN Amro sein, die dem Papier eine gute wirtschaftliche Basis zubilligen, auf dem derzeitigen Kursniveau aber nicht mehr viel Spielraum nach oben sehen.

Oder die Einschätzung der Analystin Alla Gorelova von Oppenheim. Sie findet SAP fundamental sehr stark und traut dem Unternehmen auch in Zukunft noch Wachstumssprünge von 15 bis 20 Prozent zu. "Aber der Markt wird in den kommenden drei bis sechs Monaten noch schwierig bleiben", ist sie überzeugt, an eine durchgreifende Erholung glaubt sie erst im Jahr 2002. Daher hat sie die Aktie trotz der grundsätzlich positiven Meinung nur auf "neutral" eingestuft. Interessant aber: Analyst Jochen Klusmann von Julius Bär, der die SAP-Aktie im Herbst 1998 mit einer mittlerweile legendären Studie abstürzen ließ, schätzt die Situation heute optimistischer ein. "Die Erwartungen der Anleger sind nicht so hoch wie damals, die Bewertung und die Aussichten besser", sagt er - für ihn ist die Aktie ein Kauf. Fazit: SAP ist eine Perle, aber teuer.

Das hässliche Entlein Epcos

Das hässliche Entlein unter den deutschen Tech-Werten ist dagegen Epcos. Die Aktie hat sehr stark verloren, und die Daumen der Analysten zeigen eher nach unten. Skeptisch ist zum Beispiel Ingo Queiser von Julius Bär. "Ich sehe die Belebung nicht", kommentiert er Hoffnungen, im zweiten Halbjahr könne die Nachfrage der Handy-Hersteller nach Bauelementen wieder steigen. Die Technik GPRS, eine Art Übergangslösung bis zum neuen Mobilfunkstandard UMTS, wird nach seiner Einschätzung nur in geringem Umfang zu Bestellungen führen. Einen direkten Gewinneinbruch erwartet er nicht, die Bewertung ist nach seiner Einschätzung relativ niedrig, aber das sei kein Grund zuzugreifen. Etwas optimistischer als viele seiner Kollegen ist Theo Kitz von Merck Finck. "Wenn es wieder losgeht, dann steigen die Halbleiteraktien als erste", sagt er. Und das Geschäft von Epcos ist nach seiner Ansicht weniger risikoreich als das von Infineon, zudem sei die Aktie ganz vernünftig bewertet. Fazit hier: Epcos könnte eine Aktie für Optimisten sein, die Mut zur eigenen Meinung haben und Wert auf eine nicht zu hohe Bewertung legen.

Wer ins Ausland schaut, dem bietet Merrill Lynch neue Ansätze für die Bewertung der Aktie von Philips Electronics. Wer den Titel nicht dauernd im Blick hat, würde wohl am ehesten Fernsehgeräte assoziieren, während die Analysten das Papier als "eine Art Kaufoption auf die Halbleiterindustrie" mit dem Sicherheitsnetz Verbraucherelektronik bezeichnen.

In einer "Sum-of-the-Parts"-Analyse, bei der alle Abteilungen einzeln bewertet und dann addiert werden, kommen die Experten zu dem Schluss, dass der Halbleiterbereich heute bei Philips so wichtig geworden sei wie Beleuchtungstechnik, Verbraucherelektronik und Haushaltsgeräte zusammen. Merrill Lynch hält eine Bewertung von 52 Milliarden Euro für den gesamten Konzern für angemessen, die momentane Marktkapitalisierung beträgt aber nur 38 Milliarden Euro, der "Rest" von 14,5 Milliarden sei der "Konglomeratsabschlag", eine Art Börsenstrafe für Mischkonzerne. Die Merrill-Analysten gehen davon aus, dass das Philips-Management den "Malus" abstreifen will und weiter Konzernteile ausgliedert - nach den Handys irgendwann auch die Medizintechnik.

Aus all diesen Überlegungen leitet Merrill Lynch ein Kursziel von 35 Euro ab - und rät zum Kauf. Aber das Analystenlager ist gespalten, nach der Infineon-Gewinnwarnung wurden auch 22 Euro als Kursprognose abgegeben. Chips bleiben eine heiße Spekulation.

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