Technologiewerte stehen am Scheideweg – Euro hat Aufwärtspotenzial
Händler blicken wenig zuversichtlich über den Atlantik

Die Märkte in Euroland und Asien haben zurzeit kaum die Chance auf ein ausgeprägtes Eigenleben. Richtung und Rahmen sind abhängig von der Entwicklung in den USA. Rezessionsängste und Zinshoffnungen einerseits sowie die Entwicklung der Unternehmensgewinne zeichnen bislang ein eher diffuses Bild. Etwas Licht in das Dunkel könnte am Dienstag der Chef der amerikanischen Notenbank Alan Greenspan bringen.

hof/pw FRANKFURT/M. Nachdem die letzte US-Zinssenkung am Aktienmarkt vollkommen verpufft ist, dürfen Anleger nun darauf hoffen, dass Greenspan in seiner Rede vor dem Bankenausschuss des Kongresses eindeutige Hinweise auf weitere Zinsschritte geben wird.

Für die Technologietitel könnte aber bereits der Montag entscheidend werden. Nachdem die Gewinne der US-Technologiebörse Nasdaq vom Januar wieder völlig aufgezehrt sind, hätte ein deutlicher Absturz unter dieses Niveau Signalwirkung. Fraglich ist dabei, ob die angekündigten Entlassungen bei Motorola sowie die Gerüchte um einen Personalabbau bei Dell sowie Untersuchungen der US-Börsenaufsicht bei Lucent bereits eingepreist sind oder die Branchen weiter belasten werden. Ein Hoffnungsschimmer ist, dass sich die US-Börsen in der letzten Handelsstunde am Freitag wieder leicht nach oben bewegt haben. Die Turbulenzen dürften auf jeden Fall zu weiter stark schwankenden Kursen führen. Weitere Negativmeldungen könnten eine Flucht in Old-Economy-Werte auslösen. Insgesamt belastend für das Börsenklima könnten sich die zuletzt veröffentlichten schlechten Konjunkturdaten in Japan erweisen.

Auch die Richtung für den Euro-Wechselkurs zum Dollar wird in dieser Woche von den USA vorgegeben. Devisenhändler rechnen vor der Greenspan-Erklärung mit einem zurückhaltenden Geschäft. Investoren seien voraussichtlich sehr vorsichtig, heißt es. Der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag wird hingegen weniger Gewicht beigemessen. Analysten erwarten noch keine Zinssenkung. Erst im April wird mit einem solchen Schritt gerechnet. Die Handelsspanne für den Euro zum Dollar wird für diese Woche von etwa 91 bis 94 US-Cents gesehen. Der Euro hatte am Freitag erst ein Zwei-Wochen-Tief von unter 91,40 US-Cents getestet, um dann rapide aufzuholen. Zum Börsenschluss in New York wurde er mit 92,40 US-Cents gehandelt und konnte einen Teil der Wochenverluste aufholen. Vor acht Tagen war er knapp unter 94 Cents gehandelt worden.

Einige Händler gehen davon aus, dass Greenspans Äußerungen den Sorgen um die US-Wirtschaft neue Nahrung geben werden, und dass der Euro dann sein Aufwärtspotenzial ausspielen kann. Sie verweisen dabei auch auf vergleichsweise positive Konjunkturdaten aus Euro-Land. Andere rechnen eher mit einer Seitwärtsbewegung des Euros, wenn es Greenspan gelingt, das Vertrauen der Konsumenten zu stärken. Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus & Burkhardt schließt nicht einmal aus, dass Greenspan eine weitere Zinssenkung ankündigen wird: "In den Fed-Fund-Futures April sind 50 Basispunkte schon eingepreist." Sollte solch ein Signal an den Aktienmärkten verpuffen, dann stehe der Euro vor einer kräftigen Aufwertung.

Am europäischen Rentenmarkt bleibt das Umfeld nach Einschätzung der DG Bank positiv: Während von einer freundlicheren US-Entwicklung vor allem der längere Laufzeitenbereich profitieren sollte, würden schwächere Konjunkturdaten im Euroraum die Zinssenkungsphantasie beleben und sich positiv auf den kurzen Laufzeitenbereich auswirken, schreiben die Experten.

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