Ted Kennedy in Denver
Noch einmal schwelgen im Kennedy-Mythos

Sein Auftritt war der eigentliche Höhepunkt des ersten Tages in Denver: Mit seiner Rede auf dem Parteitag der Demokraten ließ der schwerkranke Ted Kennedy den Mythos der glänzenden Kennedy-Generation der 60er Jahre aufleben. Im Jubel für „Onkel Teddy“ war aber auch ein melancholischer Beiklang zu spüren.

DENVER. Die Spannung vor dem großen Auftritt des Ted Kennedy war von der Parteitagsregie sorgfältig aufgebaut worden. Denn zunächst hieß es nur, dem schwer an einem Gehirntumor erkrankten Senator sei ein Auftritt vor den rund 4000 demokratischen Delegierten in Denver nicht zu zumuten. Zu arg strapaziert sei Kennedy von der seit Mai andauernden Behandlung. Lediglich per Videobotschaft werde Kennedy deshalb anwesend sein. Allerdings: Wer die Dramaturgen des Parteitages etwas besser kante wusste, dass auf diese Weise der Auftritt des demokratischen Urgesteins nur noch gesteigert werden sollte.

Und tatsächlich: Als Ted Kennedys Nichte Caroline schließlich ihren Onkel persönlich ankündigte kochte die Stimmung im riesigen Rund des Pepsi-Centers geradezu über. Dick prangten die Großbuchstaben KENNEDY auf dem Display und überlebensgroß war der 76-Jährige zu sehen. Tausende Kennedy-Poster schnellten in die Höhe und verwandelten den Parteitag in ein Meer aus blau und weiß. Gerade vielen älteren Delegierten standen dabei Tränen in den Augen. Denn es ist gut möglich, dass sie gerade den letzten Parteitagsauftritt des einzigen Überlebenden aus der glänzenden Kennedy-Generation der 60er Jahre erlebt haben. Denn Edward Moore Kennedy ringt seit seinem Herzinfarkt vor mehr als drei Monaten mit dem Tod.

Nostalgische Atmosphäre war bereits vor Kennedys Gang zum Mikro verbreitet worden, indem ein Film über „Onkel Teddy“ über die Monitore lief. „Onkel Teddy“, so hatte Caroline Kennedy ihren Onkel in ihrer Rede bezeichnet – und so wird er inzwischen auch von der Partei gesehen. Wie der gute Geist, der über den Demokraten schwebt, mit dem Namen jener Familie, die mit JFK den bislang vielleicht charismatischsten amerikanischen Präsidenten hervorgebracht hat. Als Ted Kennedy noch während des Vorwahlkampfes in Washington Barack Obama seine Unterstützung verlieh, war dies nicht nur ein Ritterschlag. Vor allem war es das Signal, dass es eine Fortsetzung des Kennedy-Mythos geben könnte. Weil es einen neuen Kennedy gibt: Barack Obama.

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