Teil der Gehälter werden als Feiertags- und Nachtzuschläge gezahlt
„Größte Schweinerei, die es gibt“

Führende Politiker von SPD und Union haben die Steuerpraktiken der Fußball-Bundesliga als schlagzeilenträchtiges Hau-drauf-Feld für sich entdeckt. Die Vereine wehren sich und sprechen von "Populismus".

HB DÜSSELDORF. "Jeder Steuerbürger ist gleich zu behandeln", sagte Borussia Dortmunds Manager Michael Meier mit Verweis auf Verfassungsrechte und bezeichnete die Schelte der vergangenen Tage als "populistisch". Den Vorwurf unmoralischen Verhaltens, der aus den Kritiken herauszuhören ist, bezeichnete er in der "Süddeutschen Zeitung" als "größte Schweinerei, die es gibt".

Weil Borussia Dortmund seinen Spielern einen Teil der Gehälter als Feiertags- und Nachtzuschläge zahlt und andere Bundesligisten in Zukunft ähnlich verfahren wollen, hatten Politiker ihren Unmut bekundet. So hatte Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) von einem "eklatanten Missbrauch einer Regelung, die für hart arbeitende Bürgerinnen und Bürger geschaffen wurde" gesprochen und eine Gesetzesänderung gefordert, "um solchen Missbrauch künftig auszuschließen".

Wie eine Umfrage der "Süddeutschen Zeitung" ergab, gehen die Meinungen zu diesem Thema innerhalb der Bundesliga weit auseinander. Bernd Hoffmann, Vorstandschef des Hamburger SV, prüft derzeit die Zahlung von Schichtzulagen und argumentiert ähnlich wie BVB-Manager Meier: "Wenn der Gesetzgeber mit zweierlei Maß messen will, muss er das sagen, dazwischen braucht man keine moralische Instanz einziehen. Wenn der Vorstand im Zuge notwendiger Konsolidierungsmaßnahmen nicht auch diese Möglichkeit prüfen würde, wäre das fahrlässig."

Auch Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs kann der Kritik aus der Politik wenig abgewinnen: "Jetzt den moralischen Zeigefinger zu heben, ist verwunderlich, im Eishockey und Basketball werden die Möglichkeiten des Paragrafen 3b längst genutzt. Niemand hat sich aufgeregt." Franz Beckenbauer, Aufsichtsratschef des Branchenführers Bayern München, erteilte im Abo-Sender "Premiere" seinen kaiserlichen Segen: "Wenn man solche steuerlichen Vorteile nutzen kann, sollte man das auf jeden Fall versuchen."

Allerdings wird Beckenbauer selbst im eigenen Verein widersprochen. "Wir sind der Meinung, dass dieses Gesetz oder diese Lücke nicht für Fußballspieler oder Großverdiener gemacht worden ist. Sondern um kleinen einfachen Leuten Vorteile zu verschaffen, wenn sie schon bis nachts arbeiten", kommentierte Bayern-Manager Uli Hoeneß. Martin Kind, Präsident von Hannover 96, sieht es ähnlich: "Meine Empfehlung an die Bundesliga ist, sehr genau nachzudenken, ob man sich dieses Paragrafen wirklich bedient. Wir haben im Fußball auch moralische Anforderungen zu erfüllen."

Winfried Hermann, sportpolitischer Sprecher der Grünen - Bundestagsfraktion, appellierte an die Vereine, in einem freiwilligen Ehrenkodex auf die Inanspruchnahme der Steuererleichterungen zu verzichten. "Sonst werden wir Politiker aktiv", sagte er dem "Mannheimer Morgen". Hermann kündigte an, dies kommende Woche im Sportausschuss des Bundestages zum Thema zu machen.

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