Teil der Gläubigerbanken will Kapitalerhöhung nicht mittragen
Banken lassen Babcock hängen

Für die Babcock Borsig AG wird es eng: Großaktionäre und Gläubiger streiten sich über die dringend nötige Finanzspritze. Zugleich errang US-Investor Wyser-Pratte vor Gericht einen Sieg gegen den Konzern.

HB DÜSSELDORF. Mehrere Gläubigerbanken der Babcock Borsig AG wollen sich offenbar nicht an der Rettung des von der Insolvenz bedrohten Maschinenbauers beteiligen. Hypo-Vereinsbank, Commerzbank, BHF und Dresdner Bank wollten die von den Großaktionären geforderte Kapitalerhöhung nicht mittragen, hieß es am Donnerstag aus Verhandlungskreisen. Großaktionäre sind mit je 8 bis 9 % die Tui AG (einstmals Preussag) und die Gläubigerbanken WestLB und Deutsche Bank. Das Sanierungskonzept habe "kein Wasser unter dem Kiel", hieß es in den Kreisen. Man müsse den Konzern in die Insolvenz schicken.

Das Traditionsunternehmen war im Frühjahr nach dem überraschenden Verkauf der Beteiligung an der profitablen Werft HDW in die Krise gerutscht. Vorstandschef Klaus Lederer hat den Konzern inzwischen verlassen, um künftig HDW zu führen. Vor einer Woche wurde dann bekannt, dass Babcock Borsig den Erlös von rund 350 Mill. Euro aus dem HDW-Verkauf fast komplett für die Rückzahlung eines Darlehens an HDW aufwenden muss.

Somit hat Babcock Borsig nun nach eigenen Angaben einen kurzfristigen Finanzbedarf von 200 Mill. Euro. 50 Mill. Euro sicherten Anfang der Woche die Arbeitnehmer und das Management per Lohnverzicht. Den Rest müssten Banken und Großaktionäre aufbringen. Um mittelfristig weiterarbeiten zu können, braucht das Unternehmen weiteres Kapital. Die Großaktionäre fordern deshalb eine Kapitalerhöhung, an der sich die Banken beteiligen. In Verhandlungskreisen ist von einem Finanzbedarf von insgesamt 700 Mill. Euro die Rede.

Aufsichtsratskreise bestätigten den Konflikt zwischen den Großaktionären und den nicht an Babcock beteiligten Banken. Bis Montag müsse klar sein, dass die Banken die Liquidität des Konzerns sicherten, sonst sei die Insolvenz unausweichlich.

Der Aufsichtsrat diskutierte gestern über das von der Unternehmensberatung Roland Berger und der Wirtschaftsprüfungsfirma BDO erarbeitete Sanierungskonzept - ohne eine Entscheidung zu treffen. Es sieht unter anderem den Abbau von 7 000 der 22 000 Stellen und den Verkauf der US-Aktivitäten vor. Nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen haben auch die Vertreter der Großaktionäre das Konzept "zustimmend zur Kenntnis genommen".

Hoffnung für Babcock Borsig könnte das gestern ergangene Urteil des Duisburger Landgerichts geben. Die Richter bestätigten die vom Babcock-Aktionär Guy Wyser-Pratte erwirkten einstweiligen Verfügungen, denen zufolge Babcock HDW-Anteile nicht ohne Zustimmung der Hauptversammlung verkaufen durfte. Babcock behauptet aber, die ersten 25 % an HDW schon vor Eingang der Verfügung verkauft zu haben. Der zweiten Tranche von 25 % plus einer Aktie muss nun auf jeden Fall eine außerordentliche Hauptversammlung zustimmen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%