Teil des Reorganisationsplans
ABB stellt Konkursantrag für US-Tochter

Der schweizerisch-schwedische Elektrotechnikkonzern ABB hat in den USA für seine Tochter Combustion Engineering Inc Konkurs nach Chapter 11 angemeldet und ist damit der endgültigen Beilegung der Asbest-Klagen wieder ein Stück näher gekommen. Der Konkursantrag erfolgt auf der Grundlage des bereits angekündigten "pre-packaged" Reorganisationsplans, teilte ABB am Montag mit.

Reuters ZÜRICH. Nach Bekanntgabe des Konkursantrages schnellten die ABB-Aktien an der Börse nach oben und notierten gegen 16.30 Uhr 14,3 Prozent fester bei 3,83 Franken. Der Gesamtmarkt tendierte zwei Prozent fester und der DJ StoxxIndustrial-Index lag ebenfalls zwei Prozent im Plus. Händler sprachen von Deckungskäufen. "Das schafft kurzfristig Erleichterung," sagte ein Börsianer.

Die im Januar gestartete Abstimmungsfrist über den Konkursplan von Combustion wird laut ABB voraussichtlich am 19. Februar 2003 abgeschlossen sein. Per 15. Februar hatten rund 103 000 Kläger dem Plan zugestimmt, während weniger als 1000 Gegenstimmen abgegeben wurden, hiess es.

Der Vertrag mit den Asbest-Klägern sieht Angaben von Mitte Januar zufolge Schadenersatz in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar oder gut 1,6 Milliarden Franken vor. Das ist deutlich weniger als einige Experten erwartet hatten. Industrie-Analysten hatten mit bis zu zwei Milliarden Dollar gerechnet und manche Spekulationen waren von bis zu zehn oder mehr Milliarden Dollar ausgegangen.

Gemäss dem Abkommen mit den Klägern erhalten diese sämtliche Vermögenswerte von Combustion in Höhe von 800 Millionen Dollar überschrieben. Dazu kommen bis zu 350 Millionen Dollar aus der Kasse von ABB. Diese Summe setzt sich zusammen aus 250 Millionen Dollar, die auf jeden Fall gezahlt werden, und 100 Millionen Dollar, die von der zukünftigen wirtschaftlichen Leistung von ABB abhängen. Zusätzlich würden ABB-Aktien in der Höhe von 50 Millionen Dollar zu einem vorher festgelegten Kurs zu Verfügung gestellt. Die Barauszahlungen werden in vorab festgelegten Raten zwischen 2004 und 2009 geleistet.

Nach der Zustimmung der Kläger muss der Konkursplan noch von einem Konkursgericht genehmigt werden. ABB übernahm Combustion im Jahr 1990 und handelte sich damit das Asbest-Problem ein, da das gesundheitsschädliche Material früher in der Firma verarbeitet wurde. Die Asbest-Klagen entwickelten sich für den Konzern immer mehr zu einem Damoklesschwert. So spielte etwa bei den häufigen Rückstufungen von ABBs Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen diese Frage immer eine grosse Rolle. ABB hat Milliardenschulden, die durch den Verkauf von Firmenteilen abgebaut werden sollen.

Der Konzern will laut früheren Angaben auf die Rechnung des vierten Quartales 2002 zusätzliche Rückstellungen zwischen 250 und 300 Millionen Dollar vornehmen. Bereits 2001 hatte ABB 940 Millionen Dollar für die Asbest-Fälle zurückgestellt. Analysten erwarten für den Konzern, der 2001 mit einem Verlust von 691 Millionen Dollar abgeschlossen hatte, 2002 einen Fehlbetrag von 260 Millionen Dollar.

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