Teilnahme an "Tour de France" in Gefahr
Unfallflucht: Ullrich verliert Führerschein

Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen, Alkohol, Fahrerflucht, Führerschein-Entzug - dazu neue Knieprobleme: Jan Ullrichs Freiburger Irrfahrt in der Nacht zum 1. Mai könnte den Olympiasieger wie 1999 die Teilnahme an der Tour de France kosten.

dpa MERDINGEN. "Offensichtlich aus Frust über einen erneuten gesundheitlichen Rückschlag hat Jan mit seinem Porsche ein bisschen viel Gas gegeben und rammte vor dem Freiburger Bahnhof einen Fahrradständer. Später stoppte ihn die Polizei, er musste zur Blutprobe und seinen Führerschein abgeben", bestätigte am Freitag sein Manager Wolfgang Strohband die Vorfälle. Alkohol sei auch im Spiel gewesen, der Toursieger von 1997 hätte "ein paar Glas Wein" getrunken. Die Staatsanwaltschaft Freiburg leitete Ermittlungen wegen des Vorwurfs von Verkehrsdelikten ein.

Die Horror-Nachrichten aus dem Schwarzwald verschlugen den Telekom-Offiziellen unmittelbar nach der Freude über Erik Zabels Erfolg bei "Rund um den Henninger Turm" fast die Sprache. "Er hat im Training wieder leichte Probleme mit dem lädierten Knie bekommen und setzte bis heute drei Tage mit dem Training aus. Aber morgen kann er wahrscheinlich weitermachen. Noch glaube ich an die Tour", sagte am Freitag Teamchef Rudy Pevenage. Die Perspektiven für einen Tourstart am 6. Juli in Luxemburg klingen nicht allzu zuversichtlich.

"Ich hoffe noch auf die Tour", meinte Strohband, der erst das Polizei-Protokoll abwarten wollte, bevor er sich zu weiteren Details der Vorfälle von Freiburg äußern wollte. Die angebliche Anwesenheit des Team-Kollegen Alexander Winokurow dementierte Strohband: "Das war ein anderer, ein früherer Fahrer. Winokurow war zu der Zeit in Monte Carlo." Die Polizei taxierte den Sachschaden auf 1 700 Euro, Personen waren nicht in Mitleidenschaft gezogen worden.

Rüge von Olaf Ludwig

Teamsprecher Olaf Ludwig rügte seinen früheren Rennfahrer-Kollegen, der die Tour wie in jedem Jahr zu seinem Saisonziel Nummer eins erklärt hatte und alles daran setzen wollte, seinen Triumph von 1997 in Frankreich zu wiederholen. "Das hat uns enttäuscht. Gerade, wo es jetzt bei ihm im Training aufwärts ging. Das ist unprofessionelles Verhalten", sagte Ludwig.

Nach rund vierwöchiger Trainingspause im März und April sollte Ullrich nach einem jetzt drei Wochen laufenden Aufbau-Programm am 22. Mai zur Bayern-Rundfahrt wieder ins Renngeschehen eingreifen. "Wenn er in Bayern nicht fahren kann, wird es für die Tour sehr, sehr spät", räumte Pevenage, der Ullrich am Donnerstag nach seiner Irrfahrt in Merdingen besuchte, ein. Vom möglichen Toursieg gegen einen schon jetzt fast in Topform fahrenden Lance Armstrong (USA) spricht ohnehin niemand mehr. Unter Umständen muss der angeschlagene Ullrich jetzt umdisponieren und sich auf die Spanien-Rundfahrt im September konzentrieren.

Ullrich ist in den letzten fünf Jahren besonders im Frühjahr an gesundheitliche Rückschläge fast schon gewöhnt. In diesem Jahr kam es aber knüppeldick. Im Dezember begann er so früh wie noch nie mit dem Training. Nach der Katar-Rundfahrt im Januar musste er sein anschließendes Trainingslager in Südafrika unterbrechen, weil ihm eine Reizung des rechten Kniegelenks immer mehr Schwierigkeiten machte. Seit Februar macht ihm das zu schaffen. "Die entzündete Knochenhaut ist ausgeheilt - jetzt hat er Probleme an der Sehne im Knie", sagte Pevenage.

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