Tele-München-Gruppe springt möglicherweise für insolvente Kirch-Gruppe ein – Auch Sport Five interessiert
Kloiber will TV-Rechte der Bundesliga kaufen

Der Münchner Medienunternehmer Herbert Kloiber will die Fernsehrechte an der Bundesliga erwerben. Durch die endgültige Pleite der Kirch Media könnten die Rechte schon bald frei werden. Für die Fußballvereine sind die goldenen Zeiten vorüber. Sie können sich schon jetzt auf einen Preisverfall einstellen.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Die Karten bei den Fernsehrechten der Fußball-Bundesliga werden neu gemischt. Am 18. Mai treffen sich in Leverkusen alle 36 Vereine, um über die Zukunft der wichtigsten Einnahmequelle für die Sportunternehmen zu beraten. Die das drohende Ende der Kirch-Media würden die Fußballer ihr bisheriger Partner abhandenkommen. Nun will der Münchner Medienunternehmer Herbert Kloiber die Fernsehrechte für das Free-TV kaufen. Das Geschäft könnte über seine in Luzern ansässige Vermarktungsfirma "Action in Motion" (AIM), an der Kloiber zur Hälfte beteiligt ist, abgewickelt werden. "Unsere Bemühen um die Fußball-Bundesliga ist schon alt", erklärte der Mehrheitsgesellschafter und Geschäftsführer der Tele-München-Gruppe dem Handelsblatt. "Doch früher wurden wir im Bieterkampf zur Preistreiberei benutzt", erklärt der 54-Jährige, der seit vielen Jahren mit Leo Kirch verfeindet ist.

Ursprünglich hatte Leo Kirch den Vereinen für die Übertragungsrechte im Bezahlfernsehen und frei empfangbaren Fernsehen 1,53 Mrd. Euro bis zur Saison 2003/2004 versprochen. Doch nach Meinung von Brancheninsidern sind die Preise von zuletzt 460 Mill. Euro für die Saison 2003/2004 nicht mehr zu finanzieren. Ob die nächste Rate von 100 Mill. Euro - fällig im Mai - von der Kirch-Media überhaupt gezahlt werden kann, bleibt offen. Kirch-Media-Geschäftsführer Wolfgang von Betteray will in den nächsten Wochen für Klarheit sorgen. Mitte August wird dann wiederum ein Viertel der Jahresrate für Saison 2002/2003 fällig.

Wie groß die Unsicherheit bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) derzeit ist, unterstrich gestern Werner Hackmann. Der DFL-Chef ("Das ist die bisher schwierigste Phase in meiner Amtszeit"), der zuletzt immer wieder betont hatte, die nächste Rate sei gesichert, erklärte lediglich: "Zu diesem Thema sage ich derzeit gar nichts." Neue Erkenntnisse habe er nicht, so der Ex-Politiker, und Kloiber kenne er nicht einmal persönlich. "Fragen Sie unsere Geschäftsführer", riet Hackmann. Die verantwortlichen Herren Michael Pfad und Wilfried Straub jedoch saßen ganztägig in einer Sitzung.

Derweil ist Kloiber optimistisch, die Rechte für das frei empfangbare Fernsehen zu bekommen. "In den nächsten 14 Tagen erwarte ich eine Entscheidung", erklärte Kloiber. "Unser Ziel ist klar: Wir wollen einen Abschlussvertrag erwerben." Bereits in der letzten Woche habe es ein Sondierungsgespräch gegeben. Der Deutsche Fußballbund (DFB) müsse klären, ob er die technische Realisierung leisten können. Denn bisher übertragt Premiere von den Fußballplätzen zwischen Berlin und Freiburg.

Dreh- und Angelpunkt der Verhandlungen sind die Preise. "Der Preis für die Rechte wird sich den veränderten Marktbedingungen anpassen müssen", erklärte Kloiber in Anspielung auf die Krise im Werbemarkt. Brancheninsider gehen davon aus, dass die Free-TV-Rechte, falls die Rechte wegen der Kirch-Pleite neu vergeben werden müssen, unter 200 Mill. Euro. Die Rechte Pay-TV brächten maximal einen Aufschlag von 100 Mill. Euro. Kloiber wollte zu seinem Verhandlungsangebot keine Stellung nehmen. In der Saison 2000/2001 überwies Kirch rund 355 Mill. Euro an die Bundesligavereine für Free- und Pay-TV-Rechte. Verträge mit kontinuierlichen Steigerungsraten werden von allen Interessenten ausgeschlossen. Bisher zahlt der vor der Insolvenz stehende Bezahlsender Premiere für die Liveberichterstattung mehr als die Hälfte der Kosten für die Bundesliga.

Kloiber will nach einem Erwerb der Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga als Rechthändler auftreten. "Wir werden die Bundesliga nicht für unseren neuen Sender Tele 5 kaufen", verspricht der Filmkaufmann. Tele 5 startet am kommenden Sonntag über Satellit und in Kabelnetzen von Bayern und Mecklenburg-Vorpommern mit einem unterhaltungsorientierten Programm. In der Branche wird allerdings darüber spekuliert, ob Kloiber nicht doch auch preiswerte Rechte über Tele 5 verwerten möchte. Bisher zeigt der defizitäre Kirch-Ableger Deutsche Sportfernsehen (DSF) Fußballpartien, nach der Verwertung über Premiere, Sat 1 und ARD/ZDF.

Kloiber muss möglicherweise gegen Europas größten Sportvermarkter Sport Five antreten. "Wenn die Rechte wieder auf den Markt kommen sollten, dann wäre es für einen Marktführer wie Sport Five fahrlässig sich mit dem Thema nicht auseinander zu setzen", erklärte gestern Bernd Hoffmann, Vorstand bei Sport Five. Gesellschafter der type="unknownISIN" value="Sportfive GmbH">Sportfive sind die RTL Group (Bertelsmann), die Canal Plus Group (Vivendi) und die Group Jean-Claude Darmon.

Unter den Interessenten für die Bundesliga-Rechte ist neben Kloiber und möglicherweise Sport Five noch die ARD. Das ZDF winkt hingegen dankend ab. "Wir wollen auch künftig die Zweitrechte für die Heute-Sendung und das Sportstudio haben. Damit sind wir gut aufgestellt", erklärte gestern ein ZDF-Sprecher. Bisher zahlen die Mainzer für die Rechte einen Beitrag im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%