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Telecom Italia steigt stufenweise aus

Für den Rückzug der Telecom Italia (TI) aus Österreich zeichnet sich immer stärker ein stufenweiser Ausstieg ab. In Stufe eins könnte die Telekom Austria AG (TA) den Italienern ihr Paket an der Mobilkom Austria AG abkaufen. Danach könnte sich die TI auch von ihrem 29,8-Prozent-Paket an der TA selbst trennen, wobei es dafür nun scheinbar eine Präferenz für ein Secondary Public Offering gibt.

Reuters WIEN. Das heißt, in Teilschritten wollen die Italiener und die Österreichische Industrieholding AG (ÖIAG) - sie hält 47,8 Prozent an der TA - ihre Aktien über die Börse verkaufen. Ob das Secondary Offering noch heuer erfolgen wird, ist offen. Die ÖIAG macht dazu keine Angaben. Erst gestern hatte Österreichs Finanzminister Karl Heinz Grasser gesagt, dass die Vollprivatisierung der TA "nur im besten Fall" noch 2002 durchgeführt werde. Grasser hatte auch angedeutet, dass die TA für die Wiener Börse ein wichtiger Titel sei.

Seit dem Herbst werden von ÖIAG und TI Varianten über den Ausstieg diskutiert. Unterschiedlich sind auch die Zugänge zu diesem Thema: Die italienischen Aktionäre sind in erster Linie an Geld interessiert, weil sie ihren Schuldenberg abbauen wollen. Die ÖIAG will auch privatisieren, will aber auch an vermuteten Wertsteigerungspotenzialen partizipieren. Das Mitziehen der ÖIAG bei der Kapitalerhöhung der Voest-Alpine AG wird damit begründet, dass man bei einem späteren Verkauf eines nicht stark verwässerten Paketes einen Mehrerlös erzielen könnte.

Zu den Ausstiegsszenarien hat sich die ÖIAG stets sehr zugeknöpft gegeben. ÖIAG-Chef Peter Michaelis hat allerdings in dem am Freitag erschienenen Wochenmagazin "Format" Präferenzen für ein Secondary Offering des Aktienpaketes der Italiener an der TA geäußert. "Wir werden den Auftrag, bis Oktober 2003 zu privatisieren, erfüllen - aber nur zu einem Wert über neun Euro je Aktie", wird Michaelis in "Format" zitiert.

Ein Secondary Offering habe höchste Priorität, die ÖIAG arbeite darauf hin, denke aber auch in Alternativen, so Michaelis laut "Format". Ein Secondary Offering würde in Tranchen erfolgen, wobei offenbar TI und ÖIAG sich jeweils in Schritten von ihren Beständen trennen. Offen bliebe bei einem Secondary Offering der Preis. Für die TI, die sich im Oktober 1998 mit knapp 2 Mrd. ? 25 Prozent plus eine Aktie an der TA gekauft hatte, errechnet sich nach dem Börsengang ein Mischpreis von 13,drei ? je Aktie für die mit 4,9 Mrd. ? kapitalisierte TA. Die TI hatte im November 2000 weitere 4,8 Prozent TA-Aktien erhalten und hält seither 149 Mill. Stück der ausgegebenen 500 Mill. Stück Aktien. Nach heutigem Kursniveau - rund 9,80 ? - bedeutete das für die TI einen Abwertungsbedarf von rund 520 Mill. ?.

Die Verhandlungen über den Rückkauf der Mobilkom-Anteile laufen, sagte Michaelis weiter, "Ich erwarte vernünftige Ergebnisse in relativ kurzer Zeit". Der Rückkauf der Sperrminorität am österreichischen Marktführer in der Mobilkommunikation sei, so sagen Insider, nur mehr eine Preisfrage. Die Italiener hatten sich im April 1997 um 610 Mill. ? mit 25 Prozent plus eine Aktie bei der Mobilkom eingekauft. Der Wert der Mobilkom bezogen rein auf die österreichischen Aktivitäten wurde zuletzt von SchroderSalomon Smith Barney auf vier Mrd. ? geschätzt. Ein Viertel würde demnach einen Preis von einer Milliarde Euro ergeben. Der Mobilkom-Rückkauf dürfte auch noch im ersten Halbjahr 2002 finalisiert werden, was erstens für die vordringlich an Cash interessierten Italienern von Vorteil sein dürfte. In der TA selbst gibt man sich dazu bedeckt. In dem Unternehmen nahen Kreisen weist man aber auf die im Vergleich geringe Verschuldung des Unternehmens hin: der Nettoverschuldungsgrad liegt bei 130 Prozent. Auch könnten Reserven - nicht betriebsnotwendiges Vermögen - in den nächsten Jahren realisiert werden.

TA notierten in Wien zuletzt mit 9,78 (9,68) Euro und haben damit im Jahresverlauf 5,05 Prozent zugelegt.

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