Telefon-Aktion vom Handelsblatt
Karriere in Not

Gut ausgebildet, dynamisch - arbeitslos. Viele Manager sorgen sich nicht mehr um den Aufstieg sondern um Karriere-Knick und Kündigung. Rat fand eine Flut von Anrufern bei der Telefon-Aktion von Handelsblatt Karriere & Management.

HB DÜSSELDORF. Pausen gab es nicht. Der Informationsbedarf in puncto Karriereplanung ist hoch. Besser gesagt: in puncto Karriere-Rettung. Die Anrufer waren Abteilungsleiter bis hoch zu Geschäftsführern großer Unternehmen. Wer sich mit seinen Problemen bislang alleine wähnte, der sollte nach dieser Handelsblatt-Telefon-Aktion mit Experten zum Thema Arbeitsrecht und Coachs getröstet sein.

Die Probleme liegen überall ähnlich, denn Managern weht heute landauf, landab ein eiskalter Wind um die Nase. Die Entlassungswellen schwappen längst in höchste Hierarchieebenen. Wer selbst der Firma lange die Treue hielt, kann umgekehrt heute keine Treue mehr erwarten. Und selbst, wer noch jung ist und vor kurzer Zeit noch als Hoffnungsträger gehandelt wurde, wird heute fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. So, als gäbe es kein Morgen und so, als kämen keine besseren Zeiten mehr, in denen dieselben Leute wieder begehrt sein dürften.

Bei Arbeitsrechtler Fenimore von Bredow aus Köln etwa stammten die meisten Anrufer aus dem oberen und mittleren Management, der durchschnittliche Anrufer war Mitte 30, gut ausgebildet - und arbeitslos. Fast alle hatten die rote Karte von ihrem Unternehmen schon bekommen. Zwar boten sich manchen sogar schon wieder Perspektiven, und sie beschäftigten sich mit dem Thema Zeugnis. Mit anderen Worten: Sie starten durch in die Bewerbungsrunde. Die gute Nachricht hieß nach der Handelsblatt-Telefonaktion vom 13. September jedoch für Arbeitsrechtler von Bredow: "Mutlos war keiner."

Fragen zum Thema Aufhebungsvertrag


Konkret stellte jeder vierte Anrufer Fragen zum Thema Aufhebungsvertrag. "Dabei ging es weniger um die Verträge selbst als die Fragen danach", fasst von Bredow zusammen. Zum Beispiel: Wie lange man als Unterzeichner eines Aufhebungsvertrags anschließend kein Arbeitslosengeld erhält? Antwort: Die Sperrfrist beträgt zwölf Wochen.

Oder, die elementare Frage: Wie viel Arbeitslosengeld hat ein Manager zu erwarten? Die Faustregel: 60 % vom letzten Nettogehalt. Doch Achtung: Es gibt eine absolute Höchstgrenze - für jeden. Das Maximum beträgt 2 700 Euro bei Singles, wer Frau und Kinder hat, erhält maximal 3 015 Euro.

Ein anderer Schwerpunkt: Kann es passieren, dass die gezahlte Abfindung aufs Arbeitslosengeld angerechnet wird? Von Bredow warnt, dass es bis zu 50 % sein können. Denn oft wird im Aufhebungsvertrag die vertragliche Kündigungsfrist verkürzt und der entsprechende Lohn als Abfindung ausbezahlt. Dann kürzt das Arbeitsamt.

Vor allem: "Wer diesen Teil des Abfindungsbetrages nicht beim Finanzamt in der Steuererklärung als Lohn und separat vom Restbetrag deklariert, begeht obendrein Steuerhinterziehung". Damit nicht genug: "Gegenüber der Bundesanstalt für Arbeit liegt dann auch gleichzeitig ein Betrug vor, weil ja auch die entsprechenden Sozialabgaben nicht abgeführt wurden", warnt der Jurist.

Lieber bleiben, wo man ist


Ebenso lebhaft wie bei dem Arbeitsrechtler ging es bei der Karriereberaterin und Wirtschaftspsychologin Madeleine Leitner zu. Sie wurde vor allem von denjenigen um Rat gefragt, die in ihrem Unternehmen in ihrer momentanen Situation unzufrieden sind. Die Kernfrage war bei fast allen: Soll man kündigen oder bleiben und sich im Unternehmen neu orientieren? Ihr genereller Rat ist in diesem Fall: Die Marktlage ist derzeit so schlecht, dass man lieber an seinem Platz bleiben sollte.

"Viele der Anrufer waren in ihrer Firma degradiert worden. Sie haben zwar noch dasselbe Gehalt, aber weniger verantwortungsvolle Aufgaben." Andere fühlten sich von ihren Chefs links liegen gelassen oder hatten das Vertrauen in ihre Firma verloren. Wieder andere mussten miterleben, wie jüngere Kollegen an ihnen vorbei befördert wurden. Immerhin: 80 % ihrer Anrufer "hatten noch einen Job und plagten sich mit Luxussorgen". Leitners Rat für sie lautet: "Gerade wenn man unterfordert ist, kann man die Zeit nutzen zum Nachdenken - ohne Druck."

Das Problem etlicher Anrufer war nur, dass sie nicht einmal wussten, was sie lieber täten. "Die sollten sich systematisch Gedanken machen, was ihnen Spaß machen könnte. Sie rät, als Hilfestellung zu Richard Nelson Bolles Bestseller "Durchstarten zum Traumjob" zu lesen.

Manche Anrufer machten bereits Anstalten zum Wechseln, hatten auch schon etliche Bewerbungen geschrieben - aber nur Absagen erhalten. Anders als in früheren Jahren gelang es ihnen aber nicht mal, in die Endauswahl vorzudringen.

"Das passiert heute auch richtig guten Leuten", tröstet Leitner. Sie schlägt daher eher vor, den so genannten verdeckten Stellenmarkt auszuloten. Also die Stellen ausfindig zu machen, die noch nicht einmal ausgeschrieben oder inseriert sind. Das funktioniert am besten, indem man Kongresse besucht, Reden auf Fachtagungen hält und dort vor allem auch Kontakte knüpft zu anderen potenziellen Arbeitgebern. Oder: Potenzielle Wechsler sollten im Stellenteil der Zeitung regelmäßig verfolgen, welches Unternehmen trotz Krise gut da steht und herausfinden, wer generell viele Leute einstellt.

"Blanke Hilflosigkeit"


Das negativste Fazit zog nach der Handelsblatt-Telefonaktion Coach und Personalberater Bernd Andersch: Ihm schlug immer wieder die "blanke Hilflosigkeit" entgegen. Seine Anrufer kamen meist aus mittelständischen Unternehmen, waren Ende 40 oder Anfang 50, verdienten bis zu 250 000 Euro im Jahr. Entweder hatten sie die Kündigung schon bekommen oder sie war angedroht.

Ihnen allen war eins gemeinsam, schien Andersch: Die Manager gaben sich auf. "Kampflos und ohne den Arbeitsmarkt sondiert zu haben." Ausgerechnet Führungskräfte, die gerade jetzt Kampfwillen entwickeln müssten.

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