Telefonat
Barak infomiert Clinton über Rücktrittsgründe

Reuters JERUSALEM. Der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Barak hat US-Präsident Bill Clinton nach offiziellen Angaben telefonisch über seine Rücktrittsgründe informiert. Der Sprecher im US-Präsidialamt P.J.Crowley sagte am Montag, bei dem etwa 30-minütigen Gespräch habe Barak Clinton über die bevorstehende Wahl in Israel unterrichtet, bei der Barak erneut antritt. Crowley machte keine näheren Angaben zu der Unterredung, bei der es nach seinen Angaben auch um die anhaltende Gewalt im Nahen Osten ging. Den Rücktritt Baraks bezeichnete Crowley als innere Angelegenheit des Landes. Barak hatte am Sonntag nach anderthalb Jahren Amtszeit überraschend seinen Rücktritt eingereicht. Er hatte vor allem wegen seiner Palästinenser-Politik im Parlament die Mehrheit und auch in der Bevölkerung an Zustimmung verloren.

Barak will sich innerhalb von 60 Tagen einer Neuwahl des Ministerpräsidenten stellen und erhofft sich neue Unterstützung für seinen Kurs gegenüber den Palästinensern. Seine Entscheidung zum Rücktritt wurde als Schachzug gewertet, um seinen stärksten Konkurrenten, den konservativen Ex-Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, vom Amt fern zu halten. Netanjahu, der nach Umfragen vor Barak liegt, kann bei den vorgezogenen Wahlen nicht kandidieren, weil er entgegen den Wahlbestimmungen derzeit nicht dem Parlament angehört. Netanjahu hat das Parlament aufgefordert, sich selbst aufzulösen und so den Weg zu seiner Kandidatur freizumachen. Netanjahu will als Spitzenkandidat seiner Likud-Partei ins Rennen gehen, müsste sich dafür aber voraussichtlich zunächst gegen den Parteichef Ariel Scharon durchsetzen. Die Partei wollte am Dienstag über die Kandidatenkür beraten.

Wieder Gefechte

Scharon und Netanjahu lehnen die Palästinenser-Politik Baraks ab. Sie werfen Barak vor, den Palästinensern zu sehr entgegengekommen zu sein. Barak hat die Friedensverhandlungen mit den Palästinensern seit Beginn des Palästinenseraufstands Ende September ausgesetzt. In den Unruhen sind mindestens 312 Menschen getötet worden, die meisten davon Palästinenser.

Am Dienstag kam es unter anderem nahe Bethlehem zu Gefechten zwischen der israelischen Armee und Palästinensern. Nahe Salfi im Westjordanland wurden zwei israelische Soldaten durch Schüsse von Palästinensern mit. Die israelische Armee teilte mit, Soldaten hätten in Chan Junis im Gaza-Streifen mindestens einen Palästinenser angeschossen.

Palästinenser-Präsident Jassir Arafat wurde am Dienstag in Marokko erwartet. Dabei war auch eine Unterredung Arafats mit dem US-Nahost-Gesandten Denis Ross geplant.

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