Telefone stehen beim Fachhandel nicht still
Kaum Chancen auf Sammlermünzen im Kleingeld

Die Einführung des Euro-Bargelds macht das Leben für Münzsammler spannender. Der Abschied von den vertrauten Mark- und Pfennigstücken steht vor der Tür, und immer mehr Menschen schauen sich das Kleingeld in Sparstrümpfen und Portmonees genauer an. Allerdings oft nicht aus Nostalgie, sondern in der Hoffnung, ein wertvolles Sammlerstück zu finden.

Reuters FRANKFURT. "Mein Telefon steht nicht mehr still", berichtet Hartmut Schoenawa, Vorsitzender des Berufsverbands des deutschen Münzenfachhandels. "Alles Leute, die ihr Sparschwein ausgeschüttet haben und glauben, eine wertvolle Münze gefunden zu haben." Die Chancen, unerkannte Schätze aufzuspüren, seien zwar fast gleich Null - doch ab und zu ist im Kleingeld schon eine Rarität gehoben worden.

"Durch den Euro ist der Markt beflügelt", sagt Tobias Honscha, Besitzer eines Münzladens und Betreiber der Internet-Seite www.muenzen.net. Besonders seit eine Werbekampagne auf unscheinbare Münzen mit großem Wert hinweist, kommen immer mehr Menschen mit vermeintlichen Schätzen in seinen Laden - meist jedoch vergeblich: "Eine wirklich wertvolle Münze im Wechselgeld zu finden, ist so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto." Auch Schoenawa musste seine Anrufer bisher enttäuschen. "Reich geworden ist noch keiner. Meist ist das Telefongespräch teurer als die verdächtige Münze."

Als Sammlerstücke werden Münzen erst wertvoll, wenn sie aus irgendeinem Grund nur in geringer Menge existieren. Legendär sind unter Sammlern besonders zwei unscheinbare Pfennig-Münzen. Rund 1000 Mark könne man für ein 50-Pfennig-Stück von 1950 und der Aufschrift "Bank Deutscher Länder" mit dem Buchstaben G bekommen, wissen Sammler. Die Münzhersteller in Karlsruhe hatten damals ihre Maschinen aus Versehen nicht auf die neue Prägung "Bundesrepublik Deutschland" umgestellt. Der Vorsitzende des Sammlervereins "Eifeler Münzfreunde", Erwin Wahl, würde seine Zeit trotzdem nicht mit der Wechselgeld-Kontrolle verschwenden: "Da kann ich Ihnen leider keine Hoffnung machen." Auch Honscha berichtet: "In meinen 30 Jahren Berufserfahrung hat erst ein einziger Kunde eines der seltenen 50-Pfennig-Stücke gefunden."

Noch wertvoller ist ein unscheinbares 2-Pfennig-Stück von 1969 mit dem Buchstaben J, von dem wegen einer falschen Materiallieferung versehentlich rund 500 Exemplare aus reinem Kupfer hergestellt wurden. Diese wurden jedoch nur an Sammler ausgegeben.

Aber auch für viele andere Münzen zahlen Sammler mehr als das, was draufsteht. Völlig ausgeschlossen sind Glückstreffer nicht. "Ein Bekannter hat jahrelang das Kleingeld in seiner Imbissbude untersucht. Schließlich hat er vier seltene Münzen gefunden, die er für einige tausend Mark verkauft hat", berichtet Münzsammler Wahl. Wegen der Euro-Einführung könnten außerdem wertvolle Sammlerstücke wieder in Umlauf kommen. "Die junge Generation findet Opas alte Münzsammlung und erkennt nicht, dass es Sammlermünzen sind", erklärt Gerhard Beutler, der unter www.beutler-muenzen.de einen Online-Münzkatalog anbietet. Der Fund eines altes Sparschweins biete ohnehin die besten Chancen, einen Schatz zu entdecken. "In Omas Sparbüchse vom Dachboden könnte wirklich noch was drin sein", sagt Schoenawa.

So wird vielleicht sogar die ein oder andere Rarität zu Tage gefördert und könnte für die eifrigen Sammler schließlich doch für immer verloren sein. "Einige unerkannte Stücke wandern auf jeden Fall bei der Euro-Umstellung in den Schmelzofen", erwartet Schoenawa. Sollte ein Glückspilz eine der begehrten Münzen aufstöbern, bekommt er nach Angaben der Sammelexperten aber nicht den in Katalogen und auf den Werbeplakaten genannten Sammlerwert. So prangen auf dem Plakat des Fachverbandes der Werbewirtschaft neben dem 50er mit dem G "798 Euro", also 1560,75 DM. "Dafür kauft einem die Münzen niemand ab", sagt Honscha. Besonders bei den weniger wertvollen Münzen könne man oft froh sein, wenn man die Hälfte des genannten Werts erhalte.

Gespannt sind die Sammler, was mit den Preisen für Mark- und Pfennigstücke passiert, wenn die meisten gegen Euro eingetauscht worden sind. Entscheidend ist dann nämlich nicht die ehemals niedrige Auflage, sondern wie viele Stücke noch übrig bleiben. "Es wird ja nicht genau festgehalten, wie viele Münzen welcher Sorte eingeschmolzen werden", sagt Beutler. Vielleicht werden völlig unerwartete Jahrgänge plötzlich wertvoll, weil heute niemand die Münzen sammelt. Genaue Prognosen will auch Beutler nicht wagen: "Da können ganz kuriose Sachen passieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%