Telefongesellschaften brauchen eine finanzielle Atempause
US-Konjunktur stoppt Ausbau der Glasfasernetze

Gewinnwarnungen von einstigen Börsenlieblingen wie JDS Uniphase und Broadcom haben erneut die Investoren an der Technologiebörse Nasdaq aufgeschreckt. Die Finanzschwäche der Telekomkonzerne und die Konjunkturflaute in den USA sorgen für einen Dominoeffekt unter den Netzausrüstern.

PALO ALTO. Datenübertragung in Lichtgeschwindigkeit ist seit Jahren das Thema in den Forschungslaboratorien der Kommunikationsindustrie. Doch nun, da die Realisierung von durchgehend aus Glasfaserelementen aufgebauten Netzen möglich ist, gerät der in den letzten Jahren gut geschmiert laufende Investitionsmotor der US-Wirtschaft ins Stottern. Die jüngsten Errungenschaften der Forscher und Ingenieure treffen derzeit auf einen Markt, der offensichtlich nicht in der Lage zu sein scheint, die verbesserten technischen Möglichkeiten auch anzunehmen und zu integrieren.

Seit einigen Monaten haben die Telekom-Gesellschaften ihre Investitionen in neue Netzausrüstungen zurückgenommen und werden von der Wall Street dafür bestraft. Die Kurse der Telcos, der Netzausrüster und ihrer Zulieferer aus dem Lager der Komponentenhersteller haben neue Tiefstände erreicht.

Nach den Auktionen für die in einigen Ländern teuren neuen Mobilfunklizenzen sind die Netzgesellschaften in eine Zwickmühle geraten. So haben die für die derzeitigen technischen Anforderungen gut ausgerüsteten Kommunikationsnetze für einen starken Preisverfall der Gespräche gesorgt. Die jüngsten Ergebnisse von Anbietern wie AT&T, Worldcom oder der Deutschen Telekom beweisen dies.

Angesicht einer Überkapazität für Sprachdienste und heutige Datendienste versuchen die Anbieter mit scharfen Preisnachlässen sich gegenseitig die Kunden abzujagen. Gleichzeitig kommen neue Herausforderer aus den Reihen der Start-ups auf den Markt, die mit speziellen Nischenangeboten für zusätzlichen Druck in einem angeschlagenen Markt sorgen.

Angesicht dieser Wettbewerbssituation und im zusätzlichen Schatten einer stark eingebrochenen US-Konjunktur sind Investitionen in neue Kabel, Switches und Router das Letzte, an was die Carrier derzeit denken. Doch trotz aller Markt- und Konjunkturwunden "kann es sich", so Netzspezialist Todd Dagres von der Risikokapitalfirma Battery Ventures aus Wellesley, Massachusetts, "keiner der Player leisten, seine Netze nicht für die nächsten Zukunftsschritte weiter auszubauen."

Wer bei den geplanten Angeboten wie Filmverleih über das Internet (Video-on-demand) oder dem wesentlich wichtigeren Angebot von Weiterbildung im Web (E-Learning) mitspielen will, muss Kanäle auf durchgehende Glasfasertechnik aufrüsten. Ohne diese notwendigen Ausbauschritte, warnt Franz Dzubeck, President der Beratungsfirma Communications Network Architects in der US-Bundeshauptstadt Washington DC geht es der Nation "wie den Kaliforniern mit ihrer Energiekrise". Lange Wartezeiten und Netzzusammenbrüche seien dann die Folgen.

Der Unterschied zwischen den geforderten "All-optical"-Netzen und der heutigen Ausbaustufe besteht in erster Linie darin, dass heute zwar die Strecken weitgehend mit Glasfaserkabeln bestückt sind, an den Verbindungsstellen, Schaltern und Weichen die Signale aber von Licht auf elektrischen Strom umgewandelt werden müssen, was erhebliche Leistungsverluste zu Folge hat. All-optical-Netze arbeiten hier mit winzig kleinen Spiegeln in den Schaltern als wichtiges Technologiemerkmal. Dadurch kann die unerwünschte Umwandlung vermieden werden. Neben dieser Herausforderung gibt es noch ein Problem mit der technischen Ausrüstung der "letzten Meile", der Verbindung von den Carriernetzen zu den Hausanschlüssen. Sie bestehen in den meisten Fällen noch aus Kupfer und bilden damit einen zusätzlichen Flaschenhals in den sonst schnellen Netzen.

Die technische Notwendigkeit für Produkte der Anbieter von Glasfasernetzen ist also gegeben. Doch es fehlen aus wirtschaftlichen Gründen die Nachfrageimpulse in einer Konjunkturphase, in der in den USA die Investoren der Telekom-Carriers ebenso verschreckt sind wie die Anleger an den Börsen. Nach der Euphorie von 1999, in der alle auf Zukunft setzten, herrscht nun eine unbegründete Angst.

In diesem Licht betrachtet sind die Gewinnwarnungen und Entlassungen bei Komponentenlieferanten wie JDS Uniphase, Broadcom oder Glasfaserhersteller Corning eine logische Folge eines Dominoeffekts, während der angeblich geplante Verkauf der Kabelsparte von Lucent eher hausgemachte Ursachen hat. Die Nachfrage wird wieder einsetzen, da sind sich die Marktbeobachter sicher, der Streitpunkt ist nur wann. Während die Optimisten bereits mit einer Wiederbelebung der US-Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte rechnen, sehen die Skeptiker eine Besserung nicht vor Mitte des nächsten Jahres. Alle sind sich jedoch einig, dass dieser Markt nicht abgeschrieben werden darf. Es bieten sich vielmehr günstige Chancen für geduldige Anleger.

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