Archiv
Telefonieren wird billiger

ddp BONN. Das Telefonieren wird ab 1. Juni 2001 in Deutschland voraussichtlich noch billiger. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post ordnete ab diesem Zeitpunkt ein neues Preissystem für Leitungen an, die private Telefonanbieter von der Deutschen Telekom mieten.

Der Kostenvorteil für die Privatanbieter bei den Durchleitungsgebühren betrage im nächsten Jahr 13 % und ein Jahr später 23 %, sagte der Präsident der Behörde, Klaus-Dieter Scheurle, am Montag in Bonn.

In welcher Höhe die privaten Anbieter diesen Kostenvorteil an die Endkunden weitergeben wollen bleibt abzuwarten. Bisher sind die so genannten Interconnection-Tarife entfernungsabhängig. Telekom-Konkurrenten müssen dem Marktführer Telekom durchschnittlich 2,04 Pfennig pro Minute zahlen, wenn sie Gespräche durch dessen Netz leiten. In Zukunft wird nicht mehr entfernungsabhängig abgerechnet, sondern danach, wie viel Knotenpunkte der Zusammenschaltung der Telekom benutzt werden. Rüstet ein Telekom-Konkurrent auf, kann er mehr Telefonverkehr über eigene Knotenpunkte abwickeln und die restlichen Telekomleitungen zu günstigeren Preisen benutzen. Größere Unternehmen mit eigenem Netz schneiden von daher günstiger ab als kleinere, die aus Kostengründen ihren Telefonverkehr nur über wenige Knotenpunkte abwickeln können.

Künftig gibt es 23 so genannte Grundeinzugsbereiche, die geographisch mit den Ballungsräumen übereinstimmen. Eine Ebene darunter bestehen 475 lokale Einzugsbereiche mit technischen Punkten der Zusammenschaltung. Der Deutschen Telekom schwebte ein Netz von 977 Punkten der Zusammenschaltung vor, sie konnte ihr Konzept aber nicht durchsetzen. Das Ziel der Regulierungsbehörde besteht darin, ein effizientes Telefonnetz in Deutschland mit zwei Ebenen aufzubauen, das die Wettbewerber zugleich zu Investitionen anreizt. Die Telekom darf jetzt maximal 475 Einzugsbereiche ihres Netzes bestimmen, die ihre sämtlichen Festnetzkunden abdecken müssen. Scheurle rechnete damit, dass die Telekom Einspruch gegen den Bescheid einlegen werde.

Nach der Entscheidung des Regulierers fällt der Durchleitungstarif im lokalen Einzugsbereich am Tag auf 1,24 Pfennig pro Minute sowie nachts und an Wochenenden auf 0,83 Pfennig pro Minute (Tarifzone 1). Dieser Tarif kommt an jedem Ort, an dem ein Wettbewerber mit der Telekom zusammengeschaltet ist, zur Anwendung.

Bei Gesprächen in den einen der 23 Grundeinzugsbereiche oder aus ihm heraus, sind in der Hauptzeit 1,90 Pfennig pro Minute fällig und in der Nebenzeit 1,24 Pfennig (Tarifzone 2). Bei Fernverbindungen zwischen den einzelnen Grundeinzugsbereichen wäre eine Gebühr von 2,99 Pfennig pro Minute in der Hauptzeit und 1,96 Pfennig pro Minute in der Nebenzeit (Tarifzone 3) zu zahlen.

Die bisherige Tarifstruktur wäre am 31. Januar 2001 ausgelaufen. Die Regulierungsbehörde verlängerte ihre Gültigkeit in einem Übergangszeitraum bis 31. Mai 2001, um eine technologische Anpassung zu ermöglichen. Den Antrag auf einen Beschlussverfahren für die Zeit danach hatte Mannesmann-Arcor gestellt. Bislang wurden die Gebühren allein entfernungsabhängig berechnet. Ab 1. Juni 2003 muss wieder ein neues Preissystem festgelegt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%