Telefonische Kontaktaufnahme gescheitert
Deutsche Lotsen wollten Schweizer warnen

Deutsche Lotsen haben nach Angaben der Deutschen Flugsicherung vergeblich versucht, ihre Schweizer Kollegen vor der drohenden Kollision am Bodensee zu warnen. Die Lotsen in Karlsruhe hätten die gefährliche Situation auf ihren Radarschirmen erkannt, seien aber nicht zu der Schweizer Flugsicherung Skyguide durchgekommen

Reuters FRANKFURT. Deutsche Lotsen haben nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) vergeblich versucht, ihre Schweizer Kollegen vor der drohenden Flugzeug-Kollision am Bodensee zu warnen.

Die Lotsen in der Flugleitstelle Karlsruhe hätten die gefährliche Situation auf ihren Radarschirmen erkannt, seien über die Telefonleitungen aber nicht zu der Schweizer Flugsicherung Skyguide durchgekommen, sagte DFS-Sprecherin Ute Otterbein am Montag. Einzelheiten seien noch nicht bekannt. Der Vorfall werde derzeit untersucht.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte berichtet, bei den Karlsruher Lotsen habe 132 Sekunden vor dem Zusammenstoß das Kollisions-Warnsystem STCA (Short Term Conflict Alert) angeschlagen. Etwa anderthalb Minuten vor dem Aufprall habe ein Flugleiter versucht, die Schweizer Kollegen über eine Standleitung zu erreichen. Wegen Wartungsarbeiten an der Schweizer Telefonanlage sei er jedoch nicht durchgekommen.

Die DFS-Sprecherin bestätigte, die Karlsruher Lotsen könnten auf ihren Radarschirmen auch Teile der Nachbarsektoren einsehen. Die abgestürzte DHL-Boeing hätte in der Unglücksnacht wenige Minuten später in den von Karlsruhe überwachten Luftraum einfliegen sollen. Bei der DFS sind nach den Worten Otterbeins sämtliche sicherheitsrelevanten Systeme mehrfach vorhanden. Dies gelte für die Radaranlagen ebenso wie für Computer und Telefone. Mobiltelefone dürften in den Flugleitstellen nicht benutzt werden, da sie wie im Flugzeug die Geräte stören könnten.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) begann unterdessen mit der Auswertung der Flugdatenschreiber und der Stimmrekorder der beiden abgestürzten Maschinen. Die Daten seien verwertbar und würden nun zusammengetragen und synchronisiert, um die Flüge in ihrer kritischen Phase zu rekonstruieren, sagte der Leiter des Flugschreiberlabors, Axel Thiel, in Braunschweig. Es gebe zwar bereits erste Ergebnisse der Auswertungen, doch sollten die erst bekannt gegeben werden, wenn die Absturzursache feststehe. Dies werde noch einige Zeit dauern, da zum Beispiel die aufgenommenen Cockpitgespräche der russischen Tupolew erst übersetzt werden müssten.

Von der Auswertung der Flugdaten und der Cockpitgespräche erhoffen sich die Experten Aufschlüsse darüber, wie es zu der Flugkatastrophe mit 71 Toten Anfang vergangener Woche kommen konnte. Am Wochenende waren 33 Leichen an Bord einer russischen Sondermaschine von Friedrichshafen aus nach Ufa zurückgeflogen worden.

Die Bevölkerung in der Unglücksregion am Bodensee gedachte mit zahlreichen Gottesdiensten und Gedenkfeiern der Opfer. Die Schweizer Flugsicherung Skyguide, die im Zentrum der Ermittlungen nach dem Zusammenstoß der beiden Flugzeuge steht, reduzierte am Samstag die Zahl der von ihr kontrollierten Flugbewegungen um ein Fünftel.

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