Telefonkonzern schreibt mehr als 50 Mrd. $ ab
Worldcom muss um Rettung bangen

Bei Worldcom hat sich die Summe der Falschbuchungen auf über 7 Milliarden Dollar erhöht. Hinzu kommt: Der Konzern muss mehr als 50 Milliarden Dollar abschreiben. Nach der Prüfung der Bilanzen des Kabelkonzerns Adelphia hat die Börsenaufsicht auch dessen Zulieferer Motorola im Visier.

hus NEW YORK. Die Überlebenschancen des US Worldcom Inc. -Telefonkonzerns sind erneut deutlich gesunken: Buchprüfer haben weitere Falschbuchungen in Höhe von 3,3 Mrd. $ in den Bilanzen des unter Gläubigerschutz stehenden Konzerns entdeckt. Zusammen mit dem bisher bekannten Fehlbetrag von 3,8 Mrd. $ beläuft sich der Bilanzbetrug jetzt auf 7,2 Mrd. $.

Worldcom muss zudem Abschreibungen in Höhe von 50,6 Mrd. $ für Firmenwerte und andere immaterielle Vermögenswerte vornehmen, gab der Konzern bekannt. Diese Summe entspricht laut OECD dem gesamten Bruttoinlandsprodukt von Ungarn und der Tschechischen Republik.

Die Bereitschaft von Investoren und Banken, den Konzern weiter zu stützen, dürfte nun rasch schwinden, fürchten Experten. "Für die Kreditgeber wird es sehr schwer, mit der Firma zusammenzuarbeiten, wenn ständig solche Überraschungen auftauchen", sagt Management-Professor Jim Harris von der Columbia-Universität. Und der auf Konkursfälle spezialisierte Anwalt David Green von der Kanzlei Salomon, Green & Ostrow rät: "Wenn das Vertrauen schwindet, dürfte ein Verkauf der Vermögensposten der beste Weg einer Umstrukturierung sein."

Die neuen Falschbuchungen beziehen sich auf die Jahre 2000 und 2001, während der zuvor entdeckte Bilanzbetrug hauptsächlich das Jahr 1999 betraf. Der Konzern mit Sitz in Clinton/Mississippi hatte bei den neu entdeckten Fälschungen Reserven für Kreditausfälle, rechtliche Auseinandersetzungen und andere Ausfälle aufgelöst und als Einnahmen gebucht. Die Praxis, in schwächeren Zeiten Reserven aufzulösen, um die Ergebnisse zu glätten, ist nach US-Recht nur in engen Grenzen zulässig.

Analysten meinten, die neuen Fehlbeträge ließen die Behauptung des früheren Worldcom Chefs Bernard Ebbers, nichts von den Fälschungen gewusst zu haben, unglaubwürdig erscheinen. Auch sein Nachfolger John Sidgmore, der damals Vize-Chef war, gerate jetzt in zweifelhaftes Licht. "John hat ebenfalls etwas damit zu tun", sagt Analyst Kenneth McGee von der Beraterfirma Gartner. Es sei jedoch nicht ratsam, den Vorstandschef in dieser Lage durch einen Manager von außen zu ersetzen. Sidgmore hatte ebenso wie der damalige Finanzchef Scott Sullivan und Ebbers im Jahr 2000 in großem Umfang Worldcom-Aktien verkauft.

Unterdessen hat die US-Börsenaufsicht SEC ihre Untersuchung des Bilanzskandals bei der Kabelfernsehgesellschaft Adelphia Communications Corp., Coudersport/Pennsylvania, auf deren Zulieferer Motorola Inc. ausgeweitet. Dabei geht es um die Frage, ob Adelphia von Motorola gewährte Rabatte auf gelieferte Fernseh-Programmboxen als Einkünfte gebucht hat. Adelphia kaufte Millionen solcher Geräte für 125 $ pro Stück und erhielt später einen Marketing-Rabatt von je 25 $ von Motorola. Der Telekom-Ausrüster behauptet, auf seiner Seite seien sämtliche Buchungen korrekt gewesen.

Die in Serie auftauchenden Bilanzskandale haben die Wertpapieraufsicht bewogen, von der Firmenchefs der großen US-Konzerne eine persönliche und notariell beglaubigte Unterschrift unter die vorgelegten Bilanzen zu verlangen. Wenige Tage vor Ablauf der Abgabe-Frist am 14. August haben erst gut 100 der 943 Firmen mit einem Umsatz von mehr als 1,2 Mrd. $ ihre beglaubigten Bilanzen eingereicht.

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