Telegate bemängelt den kostenlosen Auskunftdienst der Telekom im Internet
Telegate plant Klage gegen Telekom

Der Münchner Auskunftsdienst Telegate erwägt, wegen Wettbewerbsverzerrung bei der Telefonauskunft über das Internet rechtliche Schritte gegen die Deutsche Telekom einzuleiten. "Unsere Überlegungen sind sehr konkret, Klage wegen Marktverstopfung zu erheben", sagte Telegate-Justiziar Markus Stangl am Freitag.

Reuters FRANKFURT. Telegate sieht sich gegenüber der Telekom-Tochter DeTe-Medien benachteiligt, da diese über ihre Internet-Seiten Telefonbuch.de und Telefonauskunft.de genauso wie die Telekom-Tochter T-Info.de kostenlose Auskunftsdienste über das Internet anbiete. Telegate könne diese Leistung hingegen nur entgeltlich anbieten, da sie dazu verpflichtet sei, pro Abfrage an die Deutsche Telekom einen gewissen Betrag zu entrichten. Die Deutsche Telekom wies unterdessen die Anschuldigungen zurück.

"Wir haben starke Befürchtungen, dass die DeTe-medien die Leistung von der Telekom kostenlos bezieht", sagte Stangl. Diese "klassische Quersubventionierung" verstoße jedoch gegen das Wettbewerbsrecht. "Die Telekom nutzt eindeutig ihre tatsächlich bestehende Monopolistenstellung aus", sagte Stangl. Die Klage werde voraussichtlich vor dem Landgericht Frankfurt erhoben. "Dies ist natürlich auch ein Thema für das Bundeskartellamt", sagte Stangl.

Telekom sieht der Klage gelassen entgegen

Die Deutsche Telekom sieht indes einer Klage gelassen entgegen. "Die DeTe-Medien zahlt wie jeder andere Entgelte für die Nutzung von Teilnehmerdaten an die Deutsche Telekom", sagte Telekom-Sprecher Stephan Broszio und verwies darauf, dass die Höhe der Entgelte und das Verfahren durch das Bundeskartellamt geregelt sei.

Der Münchner Auskunftsdienst sieht sich nach Aussage von Vorstandschef Klaus Harisch auf dem europäischen Markt nach den jüngsten Übernahmen und Beteiligungen gut positioniert. Nach dem Jahr der Investitionen in Spanien, Italien und Großbritannien komme nun das Jahr der Internationalisierung, sagte Harisch. Obwohl Telegate rund eine Milliarde DM für Akquisitionen zur Verfügung stünden, bestehe kein Grund zur Eile. "Es gibt Vorstellungen von Firmen, die uns sehr gut gefallen", sagte der Telegate-Chef. Gespräche würden derzeit jedoch nicht geführt. Harisch könnte sich vorstellen, "die Präsenz in den Ländern zu verstärken, in denen man bereits aktiv ist". Mit einem Volumen von rund fünf Mrd. US-Dollar stelle die USA ein "sehr interessanter" Markt für den Auskunftsdienstleister dar. Um dort relativ schnell Fuß zu fassen, erwäge Harisch ein Zweitlisting der Telegate-Aktie an einer US-Börse im kommenden Jahr.

Telegate Internet-Portal für Mitte März geplant

Das eigene Internet-Portal, dessen Start im Vorjahr missglückt war, solle mit Beginn der Computermesse Cebit Mitte März ans Netz gehen. Unter anderem wegen der mit dem Portal verbundenen technischen Probleme hatte Telegate seine Umsatzprognose für das Jahr 2000 auf rund 270 Mill. DM von 300 Mill. DM gesenkt und erwartet wege der ins Leere gelaufenen Marketingkosten einen Verlust von 18 Mill. DM.

Die gegenwärtige Beteiligung des italienischen Branchenbuchverlegers und Internetanbieters Seat Pagine Gialle SpA an Telegate in Höhe von rund 64 % solle über mit Aktien bezahlte Zukäufe auf rund 37 % sinken. "Angestrebt werde ein Streubesitz von 49 %", sagte Harisch. Rund 14 % der Telegate-Anteile würden dann beim Management verbleiben.

Die am Neuen Markt gelistete Telegate-Aktie lag zum Wochenschluss in einem schwachen Gesamtmarkt am Nachmittag über 6 % im Minus bei 78,74 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%