Telekom-Chef erläutert Strategie
Ron Sommer greift Regulierungsbehörde an

Telekom-Chef Ron Sommer hat seine Strategie für die kommenden Jahre vorgestellt. Im Mobilfunk ist die Zeit des rasanten, aber kostspieligen Wachstums vorbei. T-Online wandelt sich demnach zum Inhalte-Anbieter. T-Com, der Festnetzbereich, soll bis Jahresende flächendeckend T-DSL bieten können. In der Wettbewerbspolitik hofft Sommer auf einen Neuanfang. Zurzeit sieht sich die Telekom gegenüber internationalen Wettbewerbern noch im Nachteil.

Reuters BERLIN. Telekom-Chef Ron Sommer hat harte Kritik an der an der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post geübt, deren Auflagen auch den Kurs der T-Aktie stark beeinträchtigten. Sommer sagte gestern in Berlin: "Ich schätze, dass das Belastungspotenzial, das durch die gegenwärtige Regulierungspraxis auf der T-Aktie liegt, einen deutlichen zweistelligen Prozentbereich ausmacht." Auf Nachfrage nannte Sommer einen Wert von 20 bis 25 %.
Die T-Aktie notierte am Dienstagmittag nach Veröffentlichung der Aussagen Sommers und der Ankündigung der geplanten Rückabwicklung der Überkreuzbeteiligung mit France Telecom um fast vier Prozent fester bei 37 Euro.

Telekom - Intraday-Chart

Nach Investitionen im Volumen von 100 Mrd. Euro und dem geplanten Markteintritt in den USA sei der Konzern bestens aufgestellt, sagte Sommer. Mit den vier Kernbereichen T-Mobil, T-Online, T-Systems und T-Com sei eine optimale Struktur für die gegenwärtige Wachstumsphase geschaffen worden. Auch der Ausbau der nationalen Marktposition komme hervorragend voran. Die Zahl der Mobilfunkkunden habe sich auf 19 bis 20 Millionen verdoppelt. T-Online komme in diesem Jahr auf rund sieben Millionen Kunden.

Pro Kunde soll im Mobilfunk mehr erlöst werden

Im kommenden Jahr erwartet Sommer im Mobilfunk allerdings eine Abflachung der zuletzt steilen und zugleich wegen der hohen Marketingaufwendungen kostenträchtigen Zuwachsraten. Er rechnet mit einem Zuwachs auf rund 25 Millionen Kunden. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) bei der Tochter werde sich 2001 "vervielfachen", sagte Sommer, ohne aber konkrete Zahlen dazu zu nennen. Die Marketingaktivitäten zielten künftig darauf ab, den Umsatz pro Kunden zu stärken. Für 2001 rechnete Sommer mit einer "dramatischen Ergebnisverbesserung".

Der Hauptschwerpunkt im Mobilfunkbereich liegt nach den Worten Sommers in der Integration des US-Anbieters Voicestream. sobald die Genehmigungen vorliegen. "Wir wollen den Marktanteil in den USA ausbauen", sagte Sommer. Zudem wolle die Telekom sobald wie möglich in den UMTS-Markt der nächsten Mobilfunkgeneration einsteigen.

T-Online soll Inhalte-Anbieter werden

Bei T-Online würde mit "Hochdruck der Wandel vom Service Provider zum Content Provider" vorangetrieben, sagte Sommer. T-Online werde gewissermaßen zum Verlagshaus (mit den Portalen T-Info, T-Motion, T-Vision) im Telekom-Konzern gemacht. "Die Shopping-Gewohnheiten werden sich dramatisch verändern", sagte der Telekom-Chef.

T-DSL Ende 2001 flächendeckend

Im Bereich T-Com, bei dem das Festnetz mit den 41 Mill. Privatkunden und 350 000 Mittelstandskunden angesiedelt ist, will Sommer bis Ende 2001 rund 90 % aller deutschen Haushalte an das breitbandige, digitale T-DSL-Netz anschließbar machen. Und "mit mehr als 16 Mill. ISDN-Kanälen sind wir weltweit der führende Anbieter von digitalen Anschlüssen", sagte Sommer. Im Dezember sei mit einem Zuwachs um 700 000 ein absoluter Rekord erzielt worden.

Sommer hofft auf Neuausrichtung

"Drei Jahre nach der Marktöffnung ist es nun wirklich höchste Zeit, die Regulierung zurückzufahren, so wie dies im Telekommunikationsgesetz auch vorgesehen ist", sagte Sommer. Der Wettbewerb auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt habe sich längst etabliert. "Ich begrüße es natürlich sehr, dass der politische Willensbildungsprozess in diesem Sinne in Gang gekommen zu sein scheint", ergänzte der Telekom-Chef. Der Chef der Regulierungsbehörde, Klaus-Dieter Scheurle (CSU), scheidet zum Jahreswechsel vorzeitig aus dem Amt. Sein Nachfolger, vermutlich Scheurles derzeitiger Stellvertreter Matthias Kurth (SPD), wird am 15. Januar bestimmt.

Sommer kritisierte Wettbewerbsvorteile finanzstarker internationaler Wettbewerber. "Wir begegnen diesen Konzernen auch auf deren Heimatmärkten, dabei erfahren wir jedoch nicht einmal ansatzweise die gleiche regulatorische Protektion wie diese Unternehmen sie umgekehrt in Deutschland genießen." Dieses Ungleichgewicht sei nicht länger verantwortbar. "Ich bin nicht die Amme der Wettbewerber. Wie lange soll ich noch meine Brust hinhalten?", fragte Sommer.

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