Telekom-Chef ist "verärgert"
Sommer sieht für Rücktritt keinen Anlass

Der in die Kritik geratene Vorstandschef der Deutschen Telekom sieht nach Angaben aus seinem Umfeld, keinen Grund zurückzutreten.

Reuters FRANKFURT. Ungeachtet der Debatte über seine Person ist Telekom-Chef Ron Sommer nach Angaben aus seinem Umfeld nicht zum Rücktritt bereit. Allerdings soll sich nach dem Präsidium des Telekom-Aufsichtsrats nun am Dienstag offenbar auch der Aufsichtsrat insgesamt mit dem Thema Sommer und den Auswirkungen auf das Unternehmen befassen.

"Ich habe mir nichts vorzuwerfen"

In Unternehmenskreisen hieß es am Mittwoch, der im Umgang mit Rücktrittsforderungen erfahrene Sommer sei der Auffassung, dass in den vergangenen Monaten keine neuen Entwicklungen eingetreten seien, die einen Rücktritt nun nahe legten. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", wurde der seit Mai 1995 amtierende Chef der Deutschen Telekom zitiert. An der Börse gab der Kurs der Telekom-Aktie daraufhin deutlich nach, nachdem der Kurs in Erwartung eines möglichen Führungswechsels zuvor deutlich angezogen hatte. Das Finanzministerium kritisierte, die Spekulationen um Sommer schadeten dem Unternehmen.

Aufsichtsrat befasst sich am Dienstag mit Sommer

Das berufliche Schicksal des innerhalb des Konzerns unumstrittenen Sommer wird nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen am kommenden Dienstag vom 20-köpfigen Aufsichtsgremium beraten. "Das gesamte Thema Sommer und die laufende Debatte um seine Person werden dann diskutiert", hieß in den Kreisen. Die Einberufung des kompletten Gremiums sei auf der Präsidiumssitzung des Aufsichtsrates am Dienstag beschlossen worden, verlautete aus den Kreisen weiter. Ein Telekom-Sprecher dementierte das angeblich geplante Treffen des kompletten Aufsichtsrats. Auf der jüngsten mehrstündigen Präsidiumssitzung von vier Spitzenvertretern des Aufsichtsrates seien keine Beschlüsse gefasst worden, hieß es.

Union fordert Regierung zum Handeln auf

Wegen der hohen Verschuldung des ehemaligen Staatskonzerns und des abgestürzten Aktienkurses steht Sommer seit Monaten bei Investoren und Kleinaktionären in der Kritik. Sein Verbleib an der Spitze des größten europäischen Telekom-Konzerns wird auch immer stärker zu einem Thema im Bundestagswahlkampf. Die Bundesregierung hatte es zuletzt bislang vermieden, Sommer wie in den zurückliegenden Monaten den Rücken zu stärken und gegen Kritik zu verteidigen. Die Union wiederum hatte die Bundesregierung zum Handeln bei der Telekom aufgefordert, Sommer aber nicht direkt angegriffen.

Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich

Die Bundesregierung kontrolliert 43 Prozent des Telekom-Kapitals und ist damit größter Aktionär. Im Aufsichtsrat stellt der Bund einen der zehn Arbeitgebervertreter, zehn weitere Vertreter stammen aus dem Arbeitnehmerlager. Nach Telekom-Angaben kann der Aufsichtsrat Sommer mit Zwei-Drittel-Mehrheit ablösen.

Ministerium: Spekulationen schaden dem Unternehmen

Das Bundesfinanzministerium warnte angesichts der andauernden Diskussionen um die berufliche Zukunft von Sommer vor Schäden für das Unternehmen. "Die Spekulationen um Führung und unternehmerische Entscheidungen des Unternehmens Deutsche Telekom schaden dem Unternehmen selbst", sagte ein Sprecher. Die Bundesregierung werde sich zurückhalten. "Die Entscheidung über die Besetzung des Vorstands der Deutschen Telekom, seiner Überprüfung und gegebenenfalls auch Kritik an Entscheidungen des Vorstandes obliegt einzig und allein dem Aufsichtsrat der Deutschen Telekom", sagte der Sprecher.

Sommer verärgert

In Kreisen der Telekom hieß es ebenfalls, dass die Auswirkungen der Personal-Debatte zunehmend Sorgen bereiteten. Sommer sei inzwischen "verärgert", da das Unternehmen Schaden nehme. Auch andere Branchenvertreter äußerten die Befürchtung, dass ausländische Investoren den Eindruck gewinnen könnten, dass Bundesregierung entgegen ihrem Kapitalsanteil doch eine bestimmende Funktion ausüben könne.

Kurskapriolen der T-Aktie halten an

An der Börse führten die anhaltenden Spekulationen um Sommers Zukunft erneut zu Kurskapriolen der Telekom-Aktie. Nach einem deutlich festeren Handelsstart rutschte der Kurs nach den Meldung über die ablehnende Haltung Sommers zu einem Rücktritt zeitweise deutlich ins Minus. Gegen Mittag wurde die Aktie dann in einem deutlich schwächeren Gesamtmarkt wieder für 11,50 Euro gehandelt, sie lag damit um knapp zwei Prozent über dem Vortagesschluss. Seit ihren Höchstständen im Frühjahr 2000 hat die Telekom-Aktie rund 90 Prozent ihres Wertes verloren. Händler gehen davon aus, dass der Aktienkurs wieder unter Druck geraten wird, falls Sommer im Amt bleiben sollte.

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