Telekom-Chef will beschwichtigen
Aktionäre pfeifen Ron Sommer aus

Nach der heftigen Kritik und dem Kurssturz der vergangenen Wochen hat der Telekom-Chef seine Strategie verteidigt. Nach seiner Darstellung stehen bessere Zeiten bevor.

Alles von der Telekom-Hauptversammlung lesen Sie in unserem Live-Ticker.

vwd KÖLN. Den Aktienkurs stellte Sommer als gänzlich unrealistisch dar. "Für den derzeit modischen Telekom-Pessimismus gibt es meiner festen Überzeugung nach wirklich keinen Grund", betonte er. Sowohl der Branche als auch dem Konzern bescheinigte der Telekomchef vor knapp 9000 Aktionären ein erhebliches Wachstumspotenzial.

Mit fallenden Kursen habe die gesamte Branche weltweit zu kämpfen. Dabei sei keinesfalls die gesamte Branche in die Krise geraten, sondern nur einzelne Firmen. Was sich momentan an den Börsen abspiele, sei "nicht mehr nachvollziehbar und lässt sich nur mit psychologischen Mechanismen erklären". Als Beweis für die seiner Meinung nach ungebrochene Dynamik des Telekom-Sektors führte Sommer an, dass der Markt in Deutschland im vergangenen Jahr um fast fünf Prozent gewachsen sei, während die übrige Wirtschaft stagniere. Mit 18 Prozent Umsatzplus zähle man zur Spitzengruppe im Dax.

Die Deutsche Telekom AG werde aus dem beginnenden Konsolidierungsprozess gestärkt hervorgehen, kündigte Sommer an. Am Ende werde auch der Kapitalmarkt die Performance des Bonner Konzerns wieder honorieren. Er sei "sicher, dass manch ein Anleger, der heute kein Vertrauen in die T-Aktie hat, dies in der Zukunft bereuen wird", sagte Sommer. Seit der vergangenen Hauptversammlung hat sich der Aktienkurs halbiert und notiert seit Wochen erheblich unter dem Ausgabepreis bei der Erstemission im November 1996.

Sommer räumt Fehler ein

"Auch wir haben nicht immer alles richtig gesehen", räumte Sommer jedoch ein. So habe man den Preisverfall durch die Marktregulierung falsch eingeschätzt. Klar verteidigte der Vorsitzende die hohen Investitionen unter anderem für Zukäufe wie VoiceStream oder den Erwerb der UMTS-Lizenzen. Ohne sie hätte man sich um Wachstumschancen in zentralen Marktsegmenten wie Mobilfunk und Systemlösungen gebracht.

Von daher habe die Telekom bewusst in Kauf genommen, "vorübergehend" Verluste auszuweisen. Im vergangenen Jahr hatte die Telekom einen Fehlbetrag von 3,5 Mrd. Euro ausgewiesen. 2002 werden 6,7 Mrd. Euro Minus erwartet, erst ab 2005 ist wieder mit Gewinnen zu rechnen.

Die Ertragskraft soll Sommer zufolge in den kommenden Jahren weiter steigen. Er bekräftigte sein Ziel für 2002: Aus einem Umsatzplus von rund zehn Prozent wolle er ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zwischen 15,9 Mrd und 16,9 Mrd. Euro erzielen.

Sparen, sparen, sparen

Außerdem beteuerte der Konzernvorstand, die Telekom sei "solide durchfinanziert". Der Abbau der Schulden von 67 Mrd Euro genieße absolute Priorität. Dazu soll auch ein Sparprogramm beitragen, aus dem er einen Wertbeitrag "in zweistelliger Milliardenhöhe" erwarte. Unter anderem kündigte er für dieses und das kommende Jahr den Verkauf von Immobilien im Volumen von jeweils bis zu drei Mrd. Euro an.

Dank höherer Anschlussgebühren erwartet er zudem in der momentan rückläufigen Festnetzsparte Mehreinnahmen von 250 Mill. Euro pro Jahr. "Auch wenn wir zur Zeit Rückgänge bei Umsatz und Erträgen in diesem Bereich verzeichnen, spricht dies noch lange nicht für eine Krise im Festnetzgeschäft", betonte Sommer.

Buhrufe für die Vorstandsarbeit

Rückenwind bekam Sommer zu Beginn der Hauptversammlung vom Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Dietrich Winkhaus. Der Vorstand habe im vergangenen Jahr gute Arbeit geleistet, sagte er unter Unmutsbekundungen von Aktionären, die sich im Übrigen unerwartet ruhig verhielten. Auch die umstrittene Erhöhung der Vorstandsbezüge rechtfertigte Winkhaus. Klare Kritik an Sommer und seiner Strategie hingegen äußerten bereits im Vorfeld Aktionärsschützer und Fondsgesellschaften. Rolf Drees von Union Investment sagte laut Redetext, die schwache Kursentwicklung könne man weder allein auf die Konjunktur oder die Branche schieben.

Vielmehr trage das Top-Management dafür die Verantwortung, sagte der Fondsmanager. Er will sich bei der Entlastung des Vorstandes und der beantragten Dividendenkürzung der Stimme enthalten. Sein Kollege Klaus Martini äußerte unter anderem Zweifel an den Ertragsprognosen für den Mobilfunk, auf den Sommer als Wachstumstreiber des Konzerns besonders setzt. Wegen der hohen Verschuldung laufe die Telekom außerdem Gefahr, Chancen am Markt nicht nutzen zu können, warnte der Aktienexperte.

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