Telekom-Dienstleister tritt erfolgreich gegen Ex-Monopolisten an: Vanco will in Deutschland expandieren

Telekom-Dienstleister tritt erfolgreich gegen Ex-Monopolisten an
Vanco will in Deutschland expandieren

Alan Timpany ist es gewohnt, belächelt zu werden. So war es Ende der 80er Jahre, als der junge britische Geschäftsmann mit Vanco auf dem gerade liberalisierten britischen Telekommarkt gegen den damaligen Monopolisten British Telecom antrat. "Gegen den Riesen hast Du keine Chance", warnten ihn selbst Freunde. Und so war es auch im vergangenen Sommer, als der inzwischen erfolgreiche Telekom-Dienstleister seine Pläne, an die Börse zu gehen, bekannt gab - mitten in der Börsenflaute. "Der Typ muss total verrückt sein", urteilte mancher Experte.

HB ISLEWORTH. Firmenchef Timpany ist keineswegs verrückt, sondern überzeugt - von seiner Geschäftsidee und davon, "dass es genau das richtige war, was wir gemacht haben". Anders als der Ex-Monopolist British Telecom und anders als neue Konkurrenten wie Energis oder Colt Telecom ist Vanco ein reiner Dienstleister. Das Unternehmen besitzt keine eigenen Telefonnetze. Der Versuch, aufwendige Netze für Internet-, Mobilfunk- und Festnetzdienste unter einem Firmendach anzubieten, ist nach Ansicht von Timpany zum Scheitern verurteilt: "Den Gewinn machen die Firmen, die die Kunden haben, nicht die, die das Netz besitzen."

Gelernt hat er dies in der Computerwelt. Nach seinem Abschluss an der Universität in Bristol im Jahr 1979 stieg Timpany schnell zum größten Apple-Verkäufer in Großbritannien auf und zum Millionär. Mit einer von ihm gegründeten Computerfabrik hatte er jedoch keinen Erfolg. Da habe er erkannt: Endgeräte und Netze seien nicht der Schlüssel zum Gewinn.

Bestätigt sieht sich Timpany von einer Umfrage am Mobilfunkmarkt. Danach fiel die Zufriedenheit der Kunden von Virgin Mobile besser aus als unter Kunden des Konkurrenten One2One. Virgin Mobile hat eine ähnliche Philosophie wie Vanco. Der Mobilfunker besitzt kein eigenes Netz, sondern mietet Kapazitäten bei One2One. Timpany: "Das zeigt: Die angeblich so wichtige Kontrolle über ein Netz hilft nicht."

Mit dieser Überzeugung kaufte der Jungunternehmer 1988 den Firmennamen Vanco für 1 £ und mietete Büroräume in einem eher schmucklosen Backsteinbau südlich von London, im Örtchen Isleworth. Von hier kauft Vanco seitdem überall in den Telefonnetzen Überkapazitäten auf, verbindet diese und schneidert so für Konzerne und ihre weltweiten Niederlassungen ein Telefonnetz rund um den Globus. Vanco ist ein virtueller Netz-Betreiber.

Noch ist Timpany damit allein am Markt, doch die Konkurrenz werde kommen. Allerdings weniger aus der Telekom-Branche, meint der Brite. Er sieht Konzerne wie Siemens oder Beraterfirmen als virtuelle Netz-Betreiber.

Für den Ex-Rennfahrer Timpany läuft es wie beim Benzin: "Unseren Kunden ist es völlig egal, ob sie mit Elf oder Shell im Tank fahren. Hauptsache, die Kiste läuft, und es ist billiger." Vanco könne mit 240 Mitarbeitern im Gegensatz zu Telekom-Riesen wie British Telekom anders kalkulieren. Den Kunden sagt Timpany "eine Ersparnis von mindestens 15 % im Jahr" zu. Das spricht sich herum. "Wir verhandeln momentan mit 400 bis 500 Banken und anderen Konzernen über Verträge", so der Gründer.

Bislang hat Vanco den ehemaligen Monopolisten am Telekommarkt 126 Großkunden in 24 Ländern abgeworben. Und Vanco wächst weiter. Das Unternehmen wird dieses Jahr erneut seinen Umsatz um etwa 50 % auf knapp 40 Mill. £ (64 Mill. Euro) steigern. Der Gewinn von zuletzt 2,8 Mill. £ wird allerdings wegen der geplanten Expansion nach Asien und Amerika nicht so stark zulegen. Die Börsianer warten darum mit Spannung auf die erste Bilanz des Börsenwertes Vanco. Der Anbieter, der seit dem Firmenstart Gewinn macht, ist inzwischen umgerechnet 400 Mill. Euro wert - ein Viertel mehr als am ersten Börsentag Anfang November.

Belächelt wird der "David" der Telekom-Branche längst nicht mehr. Vanco ist ein ernst zu nehmender Konkurrent geworden - auch für die Deutsche Telekom. Der britische Anbieter werde dem Bonner Konzern auf dem Heimatmarkt weitere Großkunden abjagen, sagt Timpany. "Deutschland ist für uns der wichtigste Markt in Europa." Dieses Jahr soll sich der Vanco-Umsatz in Deutschland verdoppeln. Bislang liegt der Umsatzanteil bei 10 %, noch steuert Großbritannien mit 45 % den Löwenanteil bei. "In fünf Jahren dürfte der deutsche Markt größer sein als der englische", meint Timpany. Firmen wie der deutsche Aufzughersteller Otis, der Wasserfilterhersteller Brita und auch das Auswärtige Amt sind bereits zu Vanco gewechselt. Weitere Großkunden sollen schon bald hinzukommen.

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