Telekom findet interne Lösung für Chefposten
Portrait: Kai-Uwe Ricke

Mit der aus Branchenkreisen bekannt gewordenen Entscheidung für Kai-Uwe Ricke hat sich die Führung der Deutschen Telekom nach sechs quälend langen Monaten auf eine hausinterne Lösung für die Nachfolge von Vorstandschef Ron Sommer entschieden.

Reuters FRANKFURT. Ricke galt als enger Vertrauter seines Ziehvaters Sommer, der im Juli nach mehr als sieben Jahren an der Spitze zurücktrat, als ihm die Bundesregierung ihre Unterstützung entzog. Sommer war auch wegen des Kurssturzes der T-Aktie, der öffentlich als zu hoch bewerteten Vorstandsvergütung sowie der enormen Verschuldung des Unternehmens in die Kritik geraten.

Ricke dürfte wegen der in Medienberichten immer wieder betonten Nähe zu Sommer bei der Kandidatenparade zunächst abseits gestanden haben. Zudem wurde dem 1961 Geborenen im Umfeld des ehemaligen Staatskonzerns entgegengehalten, er sei noch zu jung für den Chefsessel.

Dass Ricke jetzt nun doch an die Spitze treten dürfte, liegt möglicherweise nicht nur an den zahlreichen Absagen prominenter Manager. Auch die Mehrheitsverhältnisse im Telekom-Aufsichtsrat spielen wohl eine Rolle. Weil das Mandat von Aufsichtsrat Helmut Sihler ruht, solange er als Interims-Chef die Telekom-Führung innehat, stellen die zehn Arbeitnehmervertreter in dem Gremium die Mehrheit. Diese dürften für eine hausinterne Neubesetzung votiert haben, da sie sich davon einen weniger drastischen Restrukturierungskurs versprechen.

Unstrittig sind Rickes Erfahrung als Manager in den beiden Zukunftssparten Mobilfunk und Onlinegeschäft. Nach einer Banklehre und einem Studium an der European Business School in Reichartshausen kam er zunächst als Vorstandsassistent zur Bertelsmann AG. Von 1990 bis 1997 sammelte er als Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung bei Talkline Erfahrung in der Mobilfunkbranche.

Im Januar 1998 stieß er dann als Geschäftsführer der damaligen T-Mobil zur Deutschen Telekom. Bei deren Vorläufer, der Deutschen Bundespost, war bereits sein Vater Helmut Ricke Vorstandschef, bevor Ron Sommer die Privatisierung der Telekom in die Hand nahm. Seit Mai 2001 verantwortet Kai-Uwe Ricke als Chief Operating Officer (COO) im Telekom-Vorstand die Mobilfunk- und Online-Aktivitäten des Telekommunikationsriesen.

Unter Ricke stieg die Mobilfunksparte der Telekom nach Konzernangaben wieder zur Nummer Eins auf dem deutschen Markt auf. Ricke gehörte auch zu den maßgeblichen Antriebskräften im Telekom-Management für die spektakuläre VoiceStream-Übernahme, mit der der Bonner Konzern seine Expansion in die USA ausweitete.

Kritiker von Ricke könnten einwenden, dass er damit auch zu einem erheblichen Anteil für den Milliarden schweren Schuldenberg der Telekom verantwortlich ist. Derzeit ist noch ungewiss, ob VoiceStream verkauft oder fusioniert werden soll oder ob die mittlerweile in T USA-Mobile umfirmierte US-Tochter auch alleine weiter agieren soll. Rickes Haltung in dieser zentralen Strategiefrage wird zumindest als nicht festgefahren eingestuft.

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