Telekom-Führungswechsel
Reaktionen: "Relativ banal" bis "skandalös"

Der chaotische Führungswechsel bei der Deutschen Telekom hatte eine Debatte entlang der politischen Lager entfacht. Doch auch aus der SPD kommen kritische Stimmen.

Reuters/ddp/dpa/AP DÜSSELDORF.



  • Der neue Telekom-Chef Helmut Sihler wird dem Unternehmen nach Ansicht der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nicht weiter helfen können. "Er ist die pure Interimslösung. Und Interimslösung heißt ja immer Stillstand", sagte der

    DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker

    am Mittwoch in einem dpa- Gespräch.



    "Wie man in einem halben Jahr einen konsequenten Schuldenabbau hinkriegt, will ich mal sehen", sagte Hocker. Der Großaktionär Bund stünde jetzt in der Pflicht, dem Unternehmen mit einer Kapitalerhöhung unter die Arme zu greifen.

    Die für das nächste halbe Jahr angekündigte Suche nach einem neuen Vorstandschef werde sich schwierig gestalten. "Wer will diesen Albtraumjob machen?", meinte der Aktionärsvertreter.



  • Der stellvertretende

    BDI-Chef Hans-Olaf Henkel

    erwartet keinen größeren Schaden für die deutsche Wirtschaft. Angesichts der wirtschaftsfeindlichen Einstellung der Bundesregierung sei die type="organisation" value="DE0005557508">Telekom-Geschichte "relativ banal", so Henkel. "Das Hineinziehen dieses Falls in den Wahlkampf hat dem Investitionsstandort Deutschland natürlich nicht genützt", räumte der am Mittwoch im Deutschlandfunk ein.



    Henkel sprach von einer sehr guten Entscheidung für die Telekom. Die gefundene Lösung gebe dem Aufsichtsrat ein Maximum an Flexibilität. Sihler sei ein äußerst erfahrener Wirtschaftsführer, der die Telekom gut kenne. Zudem agiere Aufsichtsrat-Chef Hans-Dietrich Winkhaus sehr verantwortungsvoll. "Die Telekom kann sich so viel Zeit nehmen, dass auch die beiden Vertreter im Aufsichtsrat, die die neue Bundesregierung stellen würde, ebenfalls zufrieden sind."



  • Unions-Fraktionschef Friedrich Merz

    sagte am Mittwoch im Deutschlandfunk, Bundeskanzler Gerhard Schröder stehe "auf einem rauchenden Trümmerfeld". Es gebe nach dem Wechsel an der Konzernspitze "nur Verletzte" und keine Gewinner.



    Merz warf der Bundesregierung vor, die Ablösung Sommers selbst eingefädelt zu haben. Merz sagte: "Ich weiß definitiv, dass Schröder mit mehreren Leuten in der Wirtschaft telefoniert hat und sie gefragt hat, ob sie Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom werden wollen." Merz betonte, die Deutsche Telekom AG könne immer noch ein "weltführendes Telekommunikationsunternehmen" werden, allerdings nur ohne Einflussnahme des Staates.



  • CSU-Landesgruppenchef Michael Glos

    bezeichnete den Führungswechsel bei der Telekom als eine Beruhigungspause. Dies sei keine Lösung, die in die Zukunft weise, sagte er in der ARD. "Das wird dazu führen, dass es weitere Spekulationen gibt." Die Bundesregierung habe als Hauptanteilseigner versagt.





  • Die FDP fordert den vollständigen Rückzug der Bundesregierung aus der Telekom. Weniger Staatswirtschaft bedeute auch weniger "Parteibuch-Wirtschaft", sagte

    FDP-Chef Guido Westerwelle

    der "Bild"-Zeitung. Es sei ein Skandal, wie die Telekom zum Spielball der Wahlkampfzentralen von SPD und Union geworden sei. Die Parteipolitik müsse aus den Staatsunternehmen herausgehalten werden. Stattdessen müssten kompetente Wirtschaftsexperten eingesetzt werden. "Die werden jedenfalls keinen Wahlkampf machen auf Kosten der Aktionäre, der Beschäftigten und des gesamten Standorts."





  • Bundesfinanzminister Hans Eichel

    (SPD) begrüßte den Wechsel. Sihler sei keine Verlegenheitslösung, sondern die Vorbereitung einer langfristigen Lösung. Er bestritt aber, dass die Anregung zum Wechsel vom Bund kam."Das wollte nicht ich, sondern dass kam aus der Mitte des Aufsichtsrates. Dort lag auch die Initiative", sagte Eichel am Dienstagabend in der ARD. Der Bund habe sich dann dieser Initiative angeschlossen. Die Gründe hierfür seien der deutlich gefallenen Telekom-Aktienkurs und das gestiegene Kreditrating der Telekom, dass zu hohen Kapitalkosten führe.





  • Der stellvertretende

    SPD-Fraktionsvorsitzende Ludwig Stiegler

    verwies auf die Rolle der Opposition bei dem tagelangen Hickhack: "Dann kam in der letzten Parlamentsdebatte vor den Ferien das blöde Gerede von Friedrich Merz, wo er die Telekom schon als Sanierungsfall hingestellt hat. Das ist natürlich bei einem internationalen Konzern, der an der Börse gehandelt wird, geradezu Gift".





  • Klaus Barthel (SPD), Vorsitzende des Bundestagsunterausschusses für Telekommunikation und Post,

    hat den Führungswechsel bei der Deutschen Telekom als "sinnvollen Weg" bezeichnet. Ein Strategiewechsel sei aber nicht nötig. Für einen Rücktritt Sommers habe es keine inhaltliche oder strategische Notwendigkeit gegeben. "Natürlich muss es hier und da Korrekturen geben, aber muss man das Steuer nicht grundlegend herumreißen", sagte Barthel. Die Bundesregierung sei als Großaktionär nur mit zwei Personen im Aufsichtsrat vertreten und stelle damit einen Stimmenanteil von zehn Prozent. Ihr Einfluss dürfe daher nicht überschätzt werden.





  • Analysten äußerten sich zurückhaltend zum Machtwechsel.

    Hans-Peter Kuhlmann, Analyst bei der Baden Bank-Württembergischen in Stuttgart

    , sagte, dies sei "keine optimale, aber nicht die schlechteste Lösung". Sie gebe der Telekom Zeit und Ruhe, um einen guten Nachfolger von Außen zu finden.



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