Telekom gegen Trend gefragt
Gewinnmitnahmen und Kriegsängste drücken Dax

Belastet von Gewinnmitnahmen und neu entfachten Ängsten der Anleger vor einem Irak-Krieg hat der Deutsche Aktienindex (Dax) am Donnerstag deutlich an Wert verloren. Die deutliche Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) konnte der Börse nur wenige Minuten Auftrieb verleihen.

Reuters FRANKFURT. Deutschlands wichtigster Börsen-Index schloss 2,89 % tiefer bei 3 224 Punkten. Dabei drückten besonders die herben Kursverluste von Siemens und der Münchener Rück auf den Dax. Fondsmanager sagten, nach der erwartungsgemäß ausgefallenen Zinssenkung der EZB um 50 Basispunkte auf nun 2,75 % sei ein positives Element aus dem Markt, das in den vergangenen Tagen noch für Gewinne gesorgt hatte. Zusätzlich zu den wirtschaftlichen Argumenten führten Börsianer auch die Ängste der Anleger vor einem Irak-Krieg und neuen Anschlägen als Begründung für die Kursverluste an.

"Heute war ein sehr guter Tag, um seine Gewinne zu realisieren", fasste Böris Böhm, Fondsmanager bei Nordinvest, das Geschehen zusammen. "Die Zinssenkung war eingepreist und mit dem Ende des (islamischen Fastenmonats) Ramadan könnte es nun zu einem US-Angriff gegen den Irak oder weiteren terroristischen Anschlägen kommen." Die USA haben nach eigenen Angaben solide Informationen, wonach der Irak Massenvernichtungswaffen besitzen soll. Die Vereinten Nationen (UNO) und allen voran die USA drängen den Irak zur Abrüstung und drohen andernfalls mit ernsthaften Konsequenzen.

Am Neuen Markt schloss der Auswahlindex Nemax 50 1,81 % niedriger bei 431 Punkten. Der Nebenwerte-Index MDax beendete den Handel fast unverändert bei 3 158 Zählern.

In den USA notierten die Märkte zum Handelsschluss in Frankfurt ebenfalls schwächer. Der Dow-Jones-Index fiel um 0,76 % und die Technologiebörse Nasdaq um 0,45 %.

Siemens, Lufthansa und bayer unter Druck

Im Mittelpunkt des Dax-Handels standen unter anderem die Aktien von Siemens, die sich um 5,35 % auf 46,57 Euro verbilligten. Der Konzern rechnet im laufenden Jahr mit einem größeren Anteil am umkämpften Markt für Mobiltelefone. "Der Markt glaubt aber nicht an den Siemens-Erfolg", sagte ein Aktienhändler. Die internationale Konkurrenz sei sehr stark.

Auf den Dax drückten zudem die starken Kursverluste der Index-Schwergewichte Münchener Rück und der Deutsche Bank. Die Titel verloren mehr als 6 beziehungsweise über 4 % ihres Börsenwertes.

Auch die Papiere der Lufthansa gaben rund 4 % auf 10,90 Euro nach. In den USA hat die Regierung dem Lufthansa-Partner United Airlines eine Kreditgarantie verweigert und die angeschlagene Fluggesellschaft damit an den Rand eines Insolvenzantrages gebracht. "Lufthansa ist so schwach, weil ein dickes Fragezeichen hinter der Star Alliance steht, wenn United Airlines tatsächlich in Konkurs geht", kommentierte ein Händler.

Bayer-Aktien schlossen 4,08 % niedriger bei 22,32 Euro. Der geplante Verkauf der Rhein-Chemie-Gruppe des Konzerns an die US-Beteiligungsgesellschaft Advent International ist geplatzt. Reuters hatte zuvor aus Unternehmenskreisen erfahren, dass die Finanzierung des vereinbarten Kaufpreises von 215 Mill. Euro nicht gesichert gewesen sei. Der Deal sollte die Verschuldung der Leverkusener reduzieren.

T-Aktie gegen den Markttrend gefragt

Gegen den schwachen Markttrend waren im Dax-Handel die Aktien der Deutschen Telekom gefragt. Sie stiegen um 2,44 % auf 12,60 Euro. Börsianer sagten, die EZB-Entscheidung reduziere die Zinszahlungen der hochverschuldeten Telekom. Zudem verwiesen Händler auf den mehr als 16-prozentigen Kurssprung beim Konkurrenten France Telecom. Die Franzosen erhalten von ihrer Regierung eine Finanzspritze in Höhe von neun Mrd. Euro zur weiteren Sanierung.

Die Titel des Chip-Herstellers Infineon schlossen leicht in der Gewinnzone, nachdem der US-Konkurrent Advanced Micro Devices seine Umsatzprognose für das vierte Quartal angehoben hatte. Nach dem Börsenschluss in den USA wird voraussichtlich auch der Branchenprimus Intel eine Prognose zum laufenden Quartal abgeben. Analysten rechen mit positiven Nachrichten.

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