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Telekom-Internettarif stößt bei Wettbewerb auf Skepsis

Reuters FRANKFURT. Das jüngste Angebot der Deutschen Telekom für einen Internet-Pauschaltarif (Flatrate) ist bei konkurrierenden Online-Anbietern auf Skepsis gestoßen. Der Branchenverband VATM, in dem mehr als 50 Wettbewerber zusammen geschlossen sind, sieht Schwierigkeiten für Online-Dienste mit wenig Kunden. Der Online-Anbieter AOL Deutschland hält die Offerte der Telekom für zu teuer. Der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post musste die Telekom mangels Marktbeherrschung das Angebot nicht vorlegen. Die Behörde hatte die Telekom zwar dazu verpflichtet, bis Februar 2001 ein Angebot zu machen, aber keine konkreten Bedingungen diktiert.

Die Telekom will den Onlinediensten zufolge ab dem 15. Dezember einen Pauschaltarif für einen zeitlich unbeschränkten Internet-Zugang gewähren und damit das bestehende Angebot einer zeitabhängigen Abrechnung der Internet-Verbindungen ergänzen. Der Pauschalpreis für einen Anschluss mit 30 gleichzeitig belegbaren Telefonkanälen wird 4800 DM pro Monat beziehungsweise 57 600 DM pro Jahr betragen. Bei dauerhaftem Surfen im Internet können pro Pauschaltarif 30 Menschen gleichzeitig ohne Unterbrechung im Internet surfen. Sofern die Online-Anbieter nicht alle Kanäle für den 24-Stunden-Dauerbetrieb reservieren wollen, können auch mehrere Nutzer zeitlich verschoben einen Kanal belegen, was den Preis entsprechend reduzieren würde. Die für 30 Kanäle angebotene Übertragungsgeschwindigkeit soll zwei Megabit pro Sekunde betragen, was der Geschwindigkeit einer ISDN-Leitung entspricht.

Der Preis bewegt sich nach Darstellung der Telekom "auf international wettbewerbsfähigem Niveau". Das Abrechnungsmodell orientiere sich am britischen Markt. Auf den Endkunden umgerechnet ergebe sich ein Pauschalpreis, der "deutlich unter der vom Kartellamt geforderten Preisobergrenze liegt". Die Online-Anbieter, zu denen auch die Telekom-Tochter T-Online gehört, könnten nun "maßgeschneiderte Endkundenangebote entwickeln", teilte die Telekom weiter mit. Bislang werden Flatrate-Tarife für knapp unter 80 DM monatlich angeboten.

Der größte Konkurrent des Branchenführers T-Online, der Online-Anbieter AOL Deutschland, hält den Preis für den Pauschaltarif nicht für gerechtfertigt. "Der Weg ist richtig, aber der Preis ist zu hoch", sagte AOL-Sprecher Carsten Meincke. Das Angebot gelte nur für die Strecke zwischen Kunden und Ortsvermittlungsstelle. Die Netze der Wettbewerber seien jedoch nicht so gut ausgebaut, dass sie die Verbindung an den Ortsvermittlungsstellen übernehmen könnten. Es werde eine Verbindung von der Orts- bis zur regionalen Vermittlungsstelle benötigt. Die Kosten für diese Verbindung seien in dem Angebot jedoch nicht enthalten und müssten hinzuaddiert werden. Eine Flatrate für unter 50 Mark sei so nicht machbar, sagte Meincke. AOL werde notfalls gegen die Telekom-Offerte vorgehen.

Die Regulierungsbehörde sah sich nicht zu einer Stellungnahme veranlasst, da die Telekom Vertragsfreiheit bei den Internet-Tarifen genieße. Die Behörde könne die von der Telekom verlangten Preise nur nachträglich überprüfen. Details der Vereinbarung wolle die Telekom der Regulierungsbehörde in der kommenden Woche vorstellen, hieß es.

Der Geschäftsführer des Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten, Jürgen Grützner, sagte: "Der Haken des Angebots liegt im Detail." Jeder Online-Dienst, der das Angebot in Anspruch nehmen wolle, müsse an einer der 1600 Vermittlungstellen in Deutschland mindestens 30 eigene Kunden haben. "Während die großen Anbieter damit leben können, wird die Zahl der Kunden für die kleinen Anbieter zu einem Problem werden", sagte Grützner. Eine Kostendeckung wird unter Berücksichtigung der Endkundenpreise für unbegrenztes Surfen im Internet von knapp unter 80 DM erst bei über 60 Dauer-Internetnutzern pro Vermittlungsstelle erreicht. Bei nur 30 Kunden würden die Anbieter 160 DM pro Monat pro Dauer-Nutzer an die Telekom bezahlen.

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