Telekom-Internettochter will Dienstag neue Strategie präsentieren
T-Online schafft Befreiungsschlag nicht

Thomas Holtrop hat sich seinen ersten großen öffentlichen Auftritt sicher anders vorgestellt. Gut drei Monate nach seinem Amtsantritt will der neue Chef der Telekom-Internettochter T-Online International am kommenden Dienstag in Berlin die neue Strategie des angeschlagenen Neue-Markt-Werts vorstellen. Doch mit einem Knüller kann der hochgewachsene Manager wohl nicht aufwarten. Europas größter Internet-Provider konnte nicht rechtzeitig zur Präsentation in Berlin Fakten schaffen, hieß es in Unternehmenskreisen. Auf ein wichtiges Bündnis mit einem großen Medienkonzern wie Kirch-New-Media muss man in der Firmenzentrale im hessischen Weiterstadt weiter warten.

FRANKFURT/M. Analysten reagierten enttäuscht. "Wenn Holtrop keinen konkreten Abschluss im Gepäck hat, wäre das ziemlich ungeschickt", sagte Theo Kitz, Experte beim Bankhaus Merck Finck & Co. Er erinnert daran, dass Holtrop zum Amtsantritt eine stärkere Ausrichtung auf Inhalte und E-Commerce in Aussicht stellte. Komme nun nichts Konkretes, sei das eine Enttäuschung.

Vielleicht müssen Anleger und Experten aber nicht mehr allzu lange warten: Möglicherweise kann der Onlinedienst schon auf der Computermesse Cebit oder zur Vorlage der endgültigen Geschäftszahlen Ende März einen Erfolg vermelden, hieß es in Unternehmenskreisen. Eine "Killer-Applikation" wäre nach Ansicht von WestLB - Panmure-Analyst Frank Wellendorf Video-on-Demand, also Videos auf Abruf, über die DSL-Breitbandanschlüsse von T-Online. Kirch verfügt über eine große Zahl attraktiver Filmlizenzen. Neben Kirch Media gilt in Branchenkreisen auch der Nachrichtensender n-tv als Kandidat für ein Medien-Bündnis mit dem Onlinedienst. Der Fernsehsender bestätigte vor einiger Zeit, Gespräche über den Einstieg neuer Investoren zu führen.

T-Online hätte einen Durchbruch auf dem wichtigen Inhaltesektor dringend nötig. Mit einem massiven Ausbau des Inhalteangebots will Holtrop schließlich die Wende bei dem tiefrote Zahlen schreibenden Onlinedienst einleiten. Bereits Ende März startet in Kooperation mit den Verlagen Burda und Brockhaus und der Telekom-Tochter Tegaron ein neues Informationsportal names "T-Info". Denn nur mit attraktiven Inhalten kann T-Online seine acht Millionen Nutzer länger an sich binden.

Doch die Zeit sitzt dem Ex-Banker Holtrop im Nacken. Während Hauptkonkurrent AOL sich den US-Medienriesen Time Warner einverleibte und andere Medienkonzerne zielstrebig an Webdiensten zur Verbreitung von Musik, Filmen und Büchern arbeiten, bewegte sich bei T-Online lange Zeit nicht viel. Die Geschäftsbedingungen der Branche befinden sich jedoch in einem rasanten Umbruch. Die Experten sind sich einig: Von den Zugangsgebühren können die Provider angesichts des immensen Wettbewerbsdrucks auf Dauer nicht leben.

Auch bei der Expansion ins Ausland kam die Telekomtochter bisher nur in Trippelschritten voran und droht den Anschluss zu verlieren. Erst sicherte sich Italiens Tiscali den niederländischen Provider World Online, dann schluckte die France-Télécom-Tochter Wanadoo den britischen Marktführer Freeserve, mit dem T-Online zuvor ergebnislos verhandelt hatte.

Viele Investoren sind skeptischer geworden. Die Korrektur der Aktienkurse von Internetfirmen bezeichnete Holtrop zwar als gesund: "Man hat die Realität wiedergefunden." Zweifel sind aber angebracht, ob er damit auch das T-Online-Kursniveau meinte. Die Papiere, die beim Börsengang wegen der großen Nachfrage noch verlost werden mussten, haben bis heute mehr als die Hälfte ihres Werts verloren.

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