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Telekom offenbar in Verhandlungen mit schweizerischer Telefongesellschaft

Die Deutsche Telekom führt nach Angaben aus Branchenkreisen Verhandlungen über einen mehrheitlichen Einstieg bei der schweizerischen Telefongesellschaft Diax.

rtr FRANKFURT. Die Deutsche Telekom führt nach Angaben aus Branchenkreisen Verhandlungen über einen mehrheitlichen Einstieg bei der schweizerischen Telefongesellschaft Diax. Die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr aus den Kreisen am Freitag in Köln, eine mehrheitliche Übernahme von Diax sei viel realistischer als die jüngsten Gerüchte um eine Verbindung der Telekom mit dem ehemaligen Monopolisten in der Schweiz, Swisscom, und seiner Mobilfunktochter. "Die Gespräche mit Diax befinden sich in einem recht weit fortgeschrittenen Stadium", hieß es in den Kreisen weiter. Eine Entscheidung vor Beginn der UMTS-Auktion in der Schweiz Mitte November sei wahrscheinlich. Deutsche Telekom und Diax lehnten eine Stellungnahme ab.

Bei der Swisscom sei keine Mehrheit zu erwerben, wie dies die Telekom wünsche, hieß es in den Kreisen weiter. Die Telekom verhandele seit Monaten über eine Ausdehnung ihres Geschäfts in der Schweiz. Nach anfänglichen Gesprächen mit Vertretern von Swisscom und Diax konzentriere sich die Telekom nun auf Diax, hieß es. In den zurückliegenden Wochen seien mehrmals Delegationen in die Schweiz zu Diax gereist.

"Wir kommentieren Spekulationen und Gerüchte nicht", sagte ein Telekom-Sprecher. Eine Diax-Sprecherin sagte: "Wir können so kurz vor dem Beginn der UMTS-Auktion keine Stellungnahme abgeben."

Einziger Anbieter mit Festnetz- und Mobilfunkgeschäft

Diax wäre für die Telekom interessant, da die Gesellschaft neben der Swisscom der einzige Anbieter in der Schweiz ist, der neben dem Festnetz- auch ein Mobilfunk-Geschäft betreibt. Zusammen mit der Telekom-Tochter Multilink in der Schweiz würde Diax sehr gut in die Geschäftsstrategie der Telekom passen, hieß es. Danach würde Diax der Mobilfunksparte zugeschlagen, während mit der Festnetzgesellschaft Multilink vor allem die Sparte Datenkommunikation gestärkt wird.

Die Geschäftsstrategie der Deutschen Telekom zielt unter anderem darauf ab, in den deutschsprachigen Ländern aufzutreten. Während die Telekom in Österreich auf dem Wachstumsmarkt Mobilfunk mit der Tochter max.mobil aktiv ist, werden in der Schweiz derzeit nur Festnetz-Kommunikationsdienste für Geschäftskunden über die Tochter Multilink angeboten. Die Mobilfunk-Tochter T-Mobile will zwar an der Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen in der Schweiz teilnehmen, hat aber noch keine eigene Kundenbasis. Der Online-Markt in der Schweiz soll von T-Online mit einem eigenen Portal erobert werden. Diax will in der Schweiz eine UMTS-Mobilfunklizenz (Universal Mobile Telecommunications System) ersteigern. Die Schweiz versteigert von Mitte November an im Internet vier UMTS- Lizenzen, für die jeweils ein Preis von zumindest drei Milliarden Schweizer Franken erwartet wird. Diax zählte zuletzt deutlich mehr als 1 Mill. Kunden bei einer Einwohnerzahl von rund 7 Mill. Schweizern. Im Geschäftsjahr 2000 will Diax mehr als 1 Mrd. Schweizer Franken (rund 1,3 Mrd. DM) umsetzen.

Komplizierte Eigentumsverhältnisse

Die Eigentumsverhältnisse bei Diax sind jedoch kompliziert. Mehrheitlich gehört die Diax-Holding über 60 Schweizer Elektrizitätswerken. Neben den E-Werken halten die Versicherer Swiss Re und Winterthur Anteile an der Holding, die 60 % an der operativen diAx besitzt. Die restlichen 40 % des operativen Geschäfts hält der US-Konzern SBC Communications Inc. In der Branche gilt es jedoch als offenes Geheimnis, dass sich SBC von seinen europäischen Beteiligungen Schritt für Schritt verabschieden will. Auch die Stromversorger sind Branchenexperten zufolge wenig geneigt, vor der beginnenden Liberalisierung des Strommarktes als Anteilseigner bei Telekom-Firmen neue Investitionen in Milliardenhöhe in die UMTS-Technik mitzutragen. Von SBC hat die Telekom bereits Beteiligungen in Osteuropa übernommen.

Die Übernahme eines Mehrheitsanteils durch die Telekom ist nach Einschätzung der Kreise durchaus möglich. Mögliche Kontakte der Telekom zum Konkurrenten Swisscom waren zuletzt durch einen Magazinbericht ausgelöst worden, wonach die britische Vodafone und die Deutsche Telekom um die Übernahme eines 20- bis 25-prozentigen Anteils an der Swisscom Mobile konkurrieren. Über die Aktivitäten und die Geschäftslage der Swisscom und ihrer Mobilfunktochter dürfte die Telekom gut im Bilde sein.

Im August gelang die Abwerbung eines hochrangigen Swisscom-Managers, der nun die Aktivitäten von Multilink leitet. Peter Schöpfer, neuer Vorstandschef bei Multilink, war Leiter Internationale Operationen bei der Swisscom. Die Abwerbung Schöpfers geht auf eine persönliche Verbindung zwischen dem ehemaligen Swisscom-Manager und dem derzeitigen Telekom-Vorstand Jeffrey Hedberg zurück. Multilink betreibt unter anderem eigene Glasfasernetze in den Ballungsräumen in der Schweiz.

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