Telekom-Quartalszahlen im Blickpunkt
Ausblick: Bessere Stimmung, bessere Kurse?

In der abgelaufenen Woche waren viele Experten vorab skeptisch - die Börse legte zu. Auch für die kommende Woche sind die Prognosen gespalten. Obwohl sich die technische Situation und die Gesamtstimmung verbesserte, könnte eine Konsolidierung anstehen. Mehrere wichtige Unternehmen melden Quartalszahlen...

vwd/ rtr FRANKFURT. Nach den jüngsten Kursgewinnen an den deutschen Aktienmärkten erwarten einige Aktienexperten in der kommenden Woche eine kleine Konsolidierung der Börsen. "Es gibt keinen Grund, warum der Markt in der nächsten Woche einen solchen Anstieg hinlegen sollte, wie wir ihn in den letzten Tagen gesehen haben", sagte etwa Rolf Elgeti, Aktienstratege bei der Commerzbank. "Nach den letzten Kursgewinnen werden Investoren vorsichtig sein und der Markt wird sich etwas konsolidieren." Aufgrund deutlicher Kursgewinne bei den Technologie- und Telekom-Werten, die teils zweistellig zulegten, hatte der Deutsche Aktienindex (Dax) in der vergangenen Woche rund fünf Prozent an Wert gewonnen.

Doch mit dem Aufschwung hat sich auch die charttechnische Situation stabilisiert, was wiederum für weitere Dax-Zuwächse spricht. Die untere Begrenzung der Handelsspanne im Dax bei 4850 Punkten hat gehalten und wurde mit dem Sprung über die 5000 weit zurückgelassen. Die Gefahr, dass die Kurse in ihre längerfristigen Abwärtstrends zurückfallen könnten, scheint nach Ansicht von Analysten vorerst gebannt zu sein. Die kurzfristigen Indikatoren würden überwiegend für steigende Kurse sprechen.
Ein weiterer gewichtiger Grund: "Die Skepsis im Telekom-Sektor geht allmählich etwas zurück", sagte ein Frankfurter Aktienanalyst. "Man kennt all die Probleme, die die Unternehmen momentan haben, wie beispielsweise die hohen Schuldenberge, aber das hat die Papiere schon genug belastet." Seiner Einschätzung zufolge könnte sich der Dax in den kommenden Monaten mit Hilfe von deutlichen Kursgewinnen bei dem Indexschwergewicht Telekom der Marke von 5600 Punkten nähern, was einem Zuwachs von rund zehn Prozent entspräche.

Beobachter verweisen zur Begründung der Stimmungs-Verbesserung auch auf die USA. Die Börsen dort gäben die positive Richtung vor, die nicht zuletzt auch immer mehr durch gute Unternehmensausweise gestützt werde. Zuletzt hat der Computerkonzern Dell mit seinen Quartalszahlen die Herzen der Anleger höher schlagen lassen. Vor allem aber geben die US-Konjunkturzahlen kaum noch einen Anlass zu Sorgenfalten. Und selbst wenn sie einmal nicht so gut ausfallen, wie am Donnerstag die US-Baubeginne oder der Philadelphia-Fed-Index, belasten sie die Aktienmärkte kaum noch, was für deren robuste Verfassung spricht.

Verbesserte US-Konjunkturaussichten mit positiven Auswirkungen auf Europa

Dem liegt offenbar eine Neubewertung der fundamentalen Situation zugrunde. Bis Anfang Mai befürchteten viele in den USA noch einen so genannten "double dip", das heißt eine erneute Abschwächung des Wirtschaftswachstums im zweiten Quartal. Das hätte mit drastisch verschlechterten Ertragsaussichten auch für Europa verheerende Folgen gezeitigt. Nach dem Anstieg der Industrieproduktion und der Kapazitätsauslastung in den USA und den höheren US-Einzelhandelsumsätzen ist dieses Szenario jedoch erheblich weniger wahrscheinlich. Was Volkswirte schon länger für sehr unwahrscheinlich hielten, hat nun scheinbar auch an der Börse kaum noch Überzeugungskraft.

Auch aus Europa gab es einige ermutigende Signale, wenn man zum Beispiel an den Produktionsanstieg in Frankreich oder die allgemein positiv bewertete, relativ schnelle Beilegung des Tarifkonfliktes in der deutschen Metallindustrie denkt. Auch aus der weltweiten Chip-Industrie gibt es Hoffnungszeichen für eine Erholung. Mit diesem Gesamtbild seien die meisten Positionen der großen Investoren auf steigende Kurse ausgerichtet, ohne dass überzogene Erwartungen gleichzeitig wieder für Skepsis sorgten, heißt es. Diejenigen, die im Dax bei 4850 Punkten noch Absicherungsgeschäfte liegen hätten, dürften bei weiteren Aufschlägen von 100 oder 200 Punkten sicher nervös werden und den Markt noch weiter befeuern, sagt ein Händler.

Nachdem das Szenario eines beginnenden und länger anhaltenden Wirtschaftsaufschwungs also durch Konjunkturzahlen ein weiteres Mal bestätigt wurde, wird nach Ansicht von Analysten auch eine Ertragserholung im zweiten Halbjahr immer wahrscheinlicher. Wenn dann die Marktstimmung diesen Indikatoren auch folgt, was in der Vergangenheit zeitweise nicht der Fall war, dann dürfte sich die freundliche Tendenz auch fortsetzen. Einige Teilnehmer glauben sogar, dass man am Anfang einer Neubewertung der Aktienmärkte stehe.

Für die nächste Woche sehen Händler aber nicht die erholten Technologie-Werte, sondern die Bankentitel sowie die Old-Economy-Papiere als Favoriten. Für die Bankenwerte spreche vor allem deren guter Lauf in den USA, heißt es. Eine Bank of America notiert dort auf einem Allzeithoch und auch andere Finanztitel erklimmen neue charttechnische Marken. Im Zuge einer Segment-Übertragung dürfte sich dies in der nächsten Woche auch in Deutschland, etwa bei der gut liegenden Deutschen Bank, widerspiegeln, sagt ein Händler. Aber auch die Bereiche Automobil, zum Beispiel DaimlerChrysler, oder Grundlagen-Chemie, zum Beispiel BASF, sollten nach seiner Ansicht gut aussehen.

An Terminen dürften die Märkte am Montag vor allem auf eine weitere Bestätigung des Konjunktur-Szenarios durch die US-Frühindikatoren hoffen. Ansonsten gibt es aus dieser Richtung nur noch den Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter im April, der am Donnerstag erwartet wird. Zahlen zum ersten Quartal präsentiert am Dienstag MLP, deren Aktien durch Vorwürfe hinsichtlich ihrer Bilanzierungs-Praktiken seit Donnerstag kräftig unter die Räder gekommen sind. Da dürfte es also auch über die Zahlen hinaus erheblichen Klärungsbedarf geben. Außerdem kommen Zahlen von ACG, Ceyoniq, Das Werk, EMI und KPN.

Telekom beim Dax und T-Online am Neuen Markt im Focus

Am Mittwoch folgt die Deutsche Telekom mit Erstquartals-Zahlen. Börsengerüchte über eine bevorstehende Gewinnwarnung bei der Deutschen Telekom AG sind in Unternehmenskreisen als unzutreffend bezeichnet worden. Diese Spekulationen seien Unsinn, hieß es. In der zweiten Reihe gibt es Zahlen von KarstadtQuelle und Douglas. Aus dem Nemax-Bereich berichtet die DAB Bank über das erste Quartal. Und am Donnerstag folgen ThyssenKrupp und Techem mit dem Halbjahresergebnis. Quartalszahlen kommen auch von der HypoVereinsbank, von ING, Kontron und von T-Online. Am Freitag melden noch Hannover Rück und Vectron Quartalszahlen.

Hauptversammlungen halten am Mittwoch die Deutsche Bank sowie Fresenius Medical Care und am Donnerstag die Metro ab. Zudem steht erneut die Erstnotiz eines deutschen Unternehmens an der New Yorker Börse an. Altana werden dort ab Mittwoch gehandelt.

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