Telekom-Radprofi Andreas Klöden folgt seinem Vorbild Jan Ullrich auch als Geldanleger
Andreas Klöden: Beratung am Ballermann

Andreas Klöden orientiert sich gern an Radstar Jan Ullrich. Nicht nur, dass die beiden Telekom-Profis oft gemeinsam trainieren und dem selben Manager vertrauen. Auch beim Thema Geld und Steuern gibt es Gemeinsamkeiten: Beide sind Kunden beim Bankhaus Lampe und Arthur Andersen.

PALMA DE MALLORCA. Als Andreas Klöden Angestellter der Deutschen Telekom wurde, kam er auf die fatale Idee, Aktien des Telekommunikationsriesen zu erwerben. Das war zu jener Zeit, als er sich nach eigenem Bekunden noch "ein bisschen amateurmäßig" mit dem Anlegen seines Geldes beschäftigte. "Ich kann nicht sagen, dass ich in dieser Phase ein Plus gemacht habe", sagt der Radprofi aus dem Team Telekom im Handelsblatt-Gespräch mehr amüsiert denn betrübt. Künftig aber soll alles besser werden. Gestern Abend erhielt der 25-Jährige im Trainingslager auf der Baleareninsel Mallorca Besuch von einem Mitarbeiter des Bankhauses Lampe, der sich seit kurzem um die Vermögensmehrung Klödens kümmert.

Damit folgte der letztjährige Gewinner der Baskenland-Rundfahrt und des Klassikers Paris - Nizza erneut seinem Vorbild Jan Ullrich. Sie besuchten gemeinsam eine Sportschule in Berlin, trainieren oft gemeinsam im Schwarzwald, tragen beide einen Ring im Ohr, verfügen mit Wolfgang Strohband über den selben Manager und lassen sich in Steuer- und Geldfragen von den Experten aus dem Hause Arthur Andersen sowie den Lampe-Bankern beraten. "Und sie haben den selben Masseur", grinst der vitale Knetmeister Dieter Ruthenberg, den im Team Telekom alle nur "Eule" nennen.

Klöden liegt gerade auf der Massagebank in Zimmer 525 des Fünf-Sterne-Hotels Valparaiso, oberhalb Palmas. Entspannt, obwohl ein sechsstündiger Trainingseinsatz im Sattel hinter ihm liegt. Der Mann schaut zufrieden drein, erst recht, als er über seine neue Einkommenssituation erzählt. Ja, natürlich seien jetzt andere Summen im Spiel als vor seiner Vertragsverlängerung mit Ron Sommers Radladen: "Eine Sache von Angebot und Nachfrage." Die Nachfrage nach ihm war rege, und da das deutsche Topteam eine der größten einheimischen Speichen-Hoffnungen nicht verlieren wollte, wurde man sich auf hohem Niveau einig.

Dass beim Jahresgehalt die Millionengrenze erreicht wurde, mag niemand wirklich dementieren. Die Telekom-Verantwortlichen sollen bei der Vertragsunterzeichnung wenig glücklich dreingeschaut haben, so teuer hatten sie sich den Spaß nicht vorgestellt. Dem Anleger Klöden jedoch bieten sich neue Horizonte. An seiner grundsätzlichen Mentalität als Akteur am Kapitalmarkt aber soll sich in Zukunft nichts ändern. "Jetzt bin ich sportlich und finanziell so weit gekommen, da werde ich nicht alles riskieren. Die Börse ist manchmal eine böse Falle."

Heerscharen enttäuschter Anleger - besonders in jüngster Vergangenheit - werden da lebhaft zustimmen. Und sich Gedanken machen, ob die konservative Linie eine Alternative sein könnte. Klöden hat sich bereits dafür entschieden, mehr als ein Drittel seines Vermögens will er nicht in Aktien stecken. Immobilien? Gut möglich. Als er noch zu den Wenigerverdienenden zählte, scheiterte der Kauf einer Eigentumswohnung in Berlin - Probleme mit der Bürgschaft. Derlei dürfte sich kaum wiederholen.

Klöden, der seine Mutter im Training schon mal als Schrittmacherin auf dem Motorroller einsetzt, hatte von Kindesbeinen an ein gewissenhaftes Verhältnis zum Geld. "Ich bin mit 13 Jahren in ein Internat gekommen. Über mein Taschengeld habe ich damals genau Buch geführt, um am Monatsende zu sehen, in welches überflüssiges Zeugs ich es investiert hatte." Heute ist das nicht mehr nötig, da für den Dauerdienstreisenden auf dem Zweirad kaum Gelegenheit besteht, Geld auszugeben. Und wenn doch, wie zuletzt im USA-Urlaub, ärgert er sich über den hohen Dollarkurs. "Oh ja, Florida war verdammt teuer."

Ansonsten zählt Klöden nicht zu jenen, die sich mit sündhaft expensiven Extravaganzen schmücken. "Sicher, ich könnte mir einen Porsche und sonst was kaufen. Aber warum? Von der Telekom habe ich einen Audi A 6 erhalten, doch ich habe eh keine Zeit, ihn zu fahren", erzählt Klöden. An Zeit und Lust mangelt es auch bei der Frage, ob er als Geldanleger per Internet ins Geschehen eingreifen soll oder nicht. "Dann hätte ich meinen Kopf nicht mehr frei", befürchtet Klöden, dass der Online-Handel seiner sportlichen Leistung nicht zuträglich wäre.

Lampes Experten sollen es nun richten. Nicht mit Gewalt in die Pedale treten, sondern behutsam und taktisch klug agieren. Ballermann-Mentalität ist nicht gefragt und würde weder zu diesem Kreditinstitut noch zum Kunden Klöden passen. Dass er den Finanzprofis sehr wohl auf die Finger schauen wird, ist klar. Der Radprofi will wissen, was mit dem Geld von der Telekom und aus einigen Ausrüsterverträgen angestellt wird.

Klöden, der Vorsichtige, denkt an Sportgrößen, die auf miese Ratgeber hörten und sich damit ins finanzielle Verderben stürzten. Hohe Einnahmen und noch höhere Verluste - nein, das soll einem Klöden nicht passieren. Lukrative Werbeverträge gibt es freilich noch nicht, daran hat auch der Olympia-Auftritt in Sydney (Bronze im Straßenrennen) nichts geändert.

Kann ja noch werden. Zunächst soll professionelle Hilfe verhindern, Fehler bei der Geldanlage zu wiederholen. "Ich hoffe, dass mein Berater frühzeitig erkennt, wenn es mal wieder richtig runtergeht an der Börse", formuliert der Telekom-Fahrer seinen Wunsch an Lampes Leute.

Ob Andreas Klöden während des Beratungsgesprächs gestern Abend geraten wurde, die T-Aktie aus dem Depot zu werfen, ist allerdings nicht bekannt.

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