Telekom-Radprofi Udo Bölts über Aktientips, Immobilienpreise und Steuern
Udo Bölts: Zum Käseladen fehlt der Mut

Zur Minderung der Abgaben- last würde Udo Bölts nie ins Ausland übersiedeln. Steuern zahlt der Helfer von Telekom - Star Jan Ullrich ohne Murren, über die Einstellung jüngerer Kollegen wundert er sich.

PALMA DE MALLORCA. Er gehört schon zum Inventar beim Team Telekom, hat alle Höhen und Tiefen beim prominentesten deutschen Profi-Radrennstall miterlebt. Und er ist einer, der im schnellebigen Sportgeschäft einen ungewöhnlich nachdenklichen Eindruck hinterläßt. Udo Bölts, 33 Jahre alt, Bergspezialist und Helfer von Superstar Jan Ullrich. Lange hat der Mann aus dem pfälzischen Heltersberg auf die großen Erfolge warten müssen, in den vergangenen Jahren aber profitierte auch er vom Aufschwung der Telekom-Mannschaft - sportlich wie finanziell.

Andererseits versäumt es Bölts nicht, spontan auf die Gehaltsunterschiede zwischen den Topleuten und ihren Wasserträgern hinzuweisen. "Da klafft ein Riesenloch, das hält man kaum für möglich." Wo bei den Teamkapitänen Millionen fließen, müssen sich die Stars unter den für Zulieferdienste verpflichteten Pedaleuren mit sechsstelligen Summen begnügen. Bölts lamentiert nicht weiter über diesen Zustand, er verweist lieber auf seine bescheidene Art.

"Ich versuche, sparsam zu leben. Ein Auto zum Beispiel ist für mich ein Stück Blech, um von A nach B zu kommen. Dafür mehr als 50 000 Mark auszugeben, halte ich für überflüssig", konkretisiert Bölts seine Ansichten zum Thema Karosse. Um anschließend einzugestehen, daß ihm als Telekom-Radler ein Wagen kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Ein teures Hobby wolle er sich nicht leisten, ein Mountain-Bike reicht ihm schon als Freizeitbeschäftigung. Man ahnt es: Auch dieses Sportgerät mußte er nicht bezahlen.

In Geldanlage-Fragen bleibt der Rad-Routinier seiner vorsichtigen Linie treu. "Ich besitze ein Drei-Familien-Haus in Heltersberg, außerdem noch eine Eigentumswohnung in Kaiserslautern. Leider sind dort die Preise zuletzt um vier Mark pro Quadratmeter zurückgegangen", berichtet Bölts von seinen Investitionen. "Ich bin ein Typ, der sehr viel an die Zukunft denkt. Ich möchte, daß meine Frau und meine Tochter sich später keine Sorgen machen müssen."

Um das zu erreichen, kümmert sich ein befreundeter Bankfachwirt um die Vermögensmehrung des Berufs-Radfahrers. "Außerdem gibt mir mein Vater Tips. Er hat Lebenserfahrung und viel Zeit, um sich zum Thema Geldanlage schlauzumachen", erläutert Bölts. Er setzt besonders auf Aktienfonds ("solide Sachen"), aber auch auf einzelne Dax-Schwergewichte wie Daimler-Chrysler ("Die habe ich schon lange"). Natürlich darf die Deutsche Telekom nicht fehlen, während er von kleineren Telekommunikationswerten wenig hält. "Vom Gefühl her glaube ich nicht, daß bei diesen Neueinsteigern allzuviel Substanz dahinter steckt."

Grundsätzlich ist Bölts zuversichtlich, daß sich der deutsche Markt positiv entwickelt. "Man darf sich von Rückschlägen nicht beeindrucken lassen. Europa wächst zusammen. Da bieten sich in den nächsten zehn Jahren sehr gute Chancen. Beim Dax glaube ich, daß er nie mehr unter 4000 Punkte fallen wird." Diese Überzeugung schützt allerdings nicht vor Enttäuschungen auf dem Börsenparkett. "Einmal habe ich mich auf eine Veba-Empfehlung aus einer Zeitschrift verlassen. Die Aktie lief von all meinen Werten am schlechtesten."

Während eines Trainingslagers gehört der Blick ins Programm des Nachrichten- und Börsensenders n-tv zum täglichen Beschäftigungsprogramm. Was ist während der Tour de France? "Da sieht s anders aus. Die ganze Konzentration gilt dann drei Wochen lang dem Sport. Einen Crash an der Börse würde ich wahrscheinlich nicht mitbekommen."

Über seine berufliche Zukunft hat sich der gelernte Werkzeugmacher Gedanken gemacht, ohne konkrete Pläne für die Zeit nach der Karriere zu haben. Noch sieht er den Tag X nicht kommen, noch will er im Konzert der Großen mitmischen. "Allerdings fahre ich nicht mehr allein aus Liebe zum Radsport, sondern um meine Familie abzusichern." Job-Offerten für den Lebensabschnitt ohne Speichen gibt es genug: "Wenn von den 20 Angeboten eins übrig bleibt, wäre das okay."

Seine Zurückhaltung legt Bölts ab, wenn es um die Beurteilung der jüngeren Teamkollegen geht. "Im Vergleich zu denen bin ich sehr konservativ. Allgemein vergessen im Sport viele, daß es schnell vorbei sein kann mit der Karriere." Mehr noch beklagt der Zweirad-Profi die Einstellung der Jungspunde zu Statussymbolen. "Die legen viel zu großen Wert auf Äußerlichkeiten. Ich werde oft hochgenommen, weil ich eine Swatch-Uhr für 65 Mark trage und keine teure Breitling. Aber das macht mir nichts aus."

Es macht Bölts auch nichts aus, daß er einen Großteil seines Einkommens ans Finanzamt abgeben muß. "Der Staat hat quasi meine Ausbildung mitfinanziert, jetzt zahle ich über die Steuern zurück. Ich würde nie ins Ausland ziehen, um meine Abgabenlast zu mindern. Da ich viel in der Welt herumgekommen bin, weiß ich, wie gut unser Sozialsystem ist."

Udo Bölts, der brave Star aus der zweiten Reihe? Fast scheint es so. Experimente sind nicht sein Ding, und doch spricht er mit Respekt von seinem Telekom-Mitstreiter Jens Heppner: "Der hat drei Käseläden eröffnet, alle Achtung."

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