Telekom-Regulierer erlaubt UMTS-Kooperationen
Kleine Mobilfunker bekommen eine Chance

Telekom-Regulierer Kurth hat seinen Spielraum bei der Interpretation der bestehenden Lizenzauflagen voll ausgeschöpft. Damit kommt er den kleineren Unternehmen unter den UMTS-Lizenznehmern entgegen.

HB DÜSSELDORF. Der "Genosse der Bosse" hatte bereits auf der Cebit für die Zusammenarbeit der UMTS-Lizenznehmer beim Aufbau der neuen Mobilfunknetze plädiert. Jetzt hat die Telekom-Regulierungsbehörde ihren Teil getan, um dem Wunsch von Bundeskanzler Gerhard Schröder nachzukommen. Das Ergebnis: Die künftigen UMTS-Betreiber dürfen sich die neue Netzinfrastruktur unter bestimmten Bedingungen teilen.

Telekom-Regulierer Matthias Kurth hat sich bei dieser Entscheidung großzügig gezeigt und seinen Spielraum bei der Interpretation der bestehenden Lizenzauflagen voll ausgeschöpft. Damit kommt er den kleineren Unternehmen unter den UMTS-Lizenznehmern - Viag Interkom und E-Plus, Mobilcom und Group 3G - entgegen. Sie haben jetzt Planungssicherheit für die angestrebte Zusammenarbeit, mit der sie jeweils bis zu 2 Mrd. Euro beim Aufbau der neuen Technik sparen können.

Für den Mobilfunkmarkt bedeutet die Entscheidung: Der Ausbau der neuen Netze kann schneller vorankommen, als es bisher den Anschein hatte. Trotz der angestrebten Absprachen sind hohe Preise für UMTS-Dienste nicht zu erwarten. Denn die Unternehmen müssen möglichst schnell möglichst viele Kunden gewinnen, damit sich die nach wie vor gigantischen Investitionen amortisieren - und das geht nur mit vernünftigen Preisen.

Kooperation macht erst Wettbewerb möglich

Einige Schreckensszenarien, die Analysten ausmalten, haben sich zudem durch das Wohlwollen des Regulierers relativiert. So paradox es klingen mag: Die Erlaubnis zu kooperieren macht Wettbewerb bei UMTS-Diensten erst möglich. Die Kleinen und die Neueinsteiger unter den künftigen Netzbetreibern bekommen die Chance, ihre Marketing- und Kostennachteile gegenüber den Marktführern T-Mobil und D2 Vodafone auszugleichen. Hätte jedes Unternehmen seine Infrastruktur komplett alleine aufbauen müssen, wäre aus Sicht von Marktforschern nur für drei Anbieter Platz im Markt gewesen - nur mit einem Marktanteil von etwa 33 %, so rechneten die Beobachter, hätte ein Unternehmen dann bis 2010 die Gewinnschwelle erreichen können. Neueinsteigern wie Group 3G prophezeiten die Experten bereits das Aus, noch bevor das Unternehmen sein Netz überhaupt in Betrieb genommen hätte.

Doch jetzt werden die Karten neu gemischt. Die Mobilfunker dürfen sogar Sende- und Empfangsanlagen gemeinsam betreiben. Gerade da liegt das größte Einsparpotenzial.

Lizenzauflagen wurden neu interpretiert

Natürlich kann man gegen die Kooperationen einwenden: Jeder Lizenznehmer wusste vorher, worauf er sich vergangenen Sommer einließ, als er die jeweils etwa 8,4 Mrd. Euro für die UMTS-Lizenz an die Regierung überwies. Die Grundsätze für den Netzaufbau waren da bereits auf 62 eng beschriebenen Seiten festgelegt. Wegen der Reaktion der Finanzmärkte, die die Mobilfunker für diese Ausgaben abstraften wie dilettierende Startups, sowie wegen ihrer Verschuldung haben Unternehmen jedoch darauf gedrängt, die Lizenzauflagen neu zu interpretieren. Die technische Entwicklung wiederum macht es möglich, ein unabhängiges Netz zu betreiben, wie es die Lizenzauflagen fordern, ohne dafür jeden Baustein selbst zu besitzen.

Den Marktführern ist das gar nicht recht. Sie haben bereits bei der Versteigerung den Kreis der Lizenznehmer einzuschränken versucht, indem sie den Preis in die Höhe trieben. Mit starken Mutterkonzernen im Rücken haben T-Mobil und D2 die Mittel, um ihre UMTS-Netze allein aufzubauen. Die anderen können sich daher nicht darauf verlassen, sich an einen der Großen anlehnen zu können. Sie müssen sich in der eigenen Liga ihre Partner suchen.

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