Telekom-Tagung des Handelsblatts
Telekom-Konkurrenz leidet unter mangelndem Wettbewerb

Die Stimmung der Telekomunternehmen ist eher gedrückt. Drei Jahre nach dem Fall des Telefonmonopols wird die Branche nun von einer Pleitewelle erfasst. Hat die Regulierungsbehörde die falschen Entscheidungen getroffen?

BONN. Hans-Willi Hefekäuser ist beleidigt: "Die Telekom ist ein international tätiges Unternehmen. Das fehlt in dieser Argumentation völlig," wirft er dem erstaunten Redner Torsten J. Gerpott, Professor für Wirtschaftswissenschaften in Duisburg, auf der Handelsblatt-Tagung "Telekommarkt Europa" vor. Was den Chef der Abteilung "Ordnungs- und Wettbewerbspolitik" bei der Telekom so missmutig stimmt ist eine Statistik, die Gerpott vorlegte. Aus ihr geht hervor, dass in Deutschland auf 1 Million Einwohner nur 2,1 Unternehmen mit Sprachtelefondienstlizenzen kommen. Damit liegt Deutschland in Europa weit abgeschlagen auf dem drittletzten Platz. Gerpott leitete daraus eine "geringe Markteintrittsneigung neuer Telekommunikationsanbieter in Deutschland ab." Und der Telekombereichleiter Hans-Willi Hefekäuser fühlt sich offensichtlich für den mangelnden Wettbewerb verantwortlich. Gerpott zeigt in seiner vorgelegten Studie, dass alternative Carrier im Telefonverbindungsgeschäft nur die Internet-Einwahl- und Ortsverbindungen seit Ende 1999 leicht steigern konnten, von 16% auf 23%. Hier sieht der Professor weitere Möglichkeiten für die Telekom-Konkurrenten, allerdings mit dem Wermutstropfen "dass das auf Kosten der Profitabilität der Unternehmen geht", meint Gerpott. Frustrierend mag die Wettbewerber auch die geringe Zahl der Komplettanschlüsse stimmen: Nur 1,5% Marktanteil konnte sie der Telekom seit der Deregulierung streitig machen.

Den Unternehmen, die der Telekom im Festnetzbereich Paroli bieten wollen, macht die Studie der Universität Dortmund auch für die Zukunft keine Hoffnung. Denn der Preis für die sogenannte letzte Meile sei auch nach der jüngsten Entscheidung der Regulierungsbehörde noch zu hoch: 17,80 DM halten die Experten für kostendeckend für die Telekom. Die Regulierungsbehörde hatte den Preis mit 24,40 DM bestimmt. Die Telekom wiederum hatte 34 DM Monatsmiete und 50% höhere Umschaltkosten gefordert.

Matthias Kurth, Präsident der Regulierungsbehörde verteidigt den Preis auf der Veranstaltung: "Wir haben das genau ausgerechnet. Diese Rechnung ist auch gerichtsfest." Das Bemühen der Regulierungsbehörde jede Entscheidung so zu gestalten, dass sie einer möglichen Klage vor Gericht stand hält, hält Klaus Winkler von MCI Worldcom gerade für das Problem. Er meint, dass die Behörde, um sich abzusichern, lieber Einzelfall- statt Grundsatzsentscheidungen treffe. Für völlig ineffektiv hält er auch sogenannte Probegenehmigungen.

Kurth dagegen ist mit der derzeitigen Deregulierungspraxis zufrieden: "Die Intensität des Wettbewerbs ist nur zum Teil von der Zahl der Unternehmen abhängig. Die Frage nach Call-by-Call im Ausland beantwortet er zögerlich. "Ich halte das für problematisch. Das könnte die Infrastruktur negativ verändern. Insgesamt also keine guten Nachrichten für die Carrier im Festnetzbereich. Auf Call-by Call setzen sie große Hoffnungen. In Deutschland konnten sie damit auf Anhieb einen Marktanteil von 40% erzielen . Hefekäuser von der Telekom kann sich also noch einmal beruhigt zurücklegen. Im Festnetzbereich ist der Wettbewerbsdruck schwach.

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