Telekom-Tochter vor dem Ausstieg: Geld für die Spaß-Fraktion

Telekom-Tochter vor dem Ausstieg
Geld für die Spaß-Fraktion

Zwei deutsche Unternehmen gönnen sich eigene Snowboard-Teams. Der Sponsoringansatz von Ratiopharm und T-Mobile unterscheidet sich jedoch erheblich, die Telekom-Tochter schaut sich das Treiben kritischer an. Edelmetall werden hiesige Athleten wohl nicht holen.

SALT LAKE CITY. Man stelle sich vor, beim Start eines Formel-1-Rennens stünde ein Kameramann mitten auf der Strecke und Michael Schumacher müsste mit seinem Ferrari um ihn herumkurven. Man stelle sich vor, Ralf Schumacher würde nach einem Unfall aus seinem BMW aussteigen und anschließend ungefähr so heftig jubeln, als wenn er gerade Weltmeister geworden wäre. Beides unvorstellbar.

Nicht aber beim Snowboard. Das Fernsehen ist mittendrin in der Halfpipe, und nach Stürzen reißen einige Teilnehmer die Arme vehementer in die Höhe als die Sieger. Oben in Park City hatten die Könner auf den Brettern ihren großen Olympia-Auftritt, der von der Atmosphäre her durchaus vergleichbar war mit jenem der Beachvolleyballer bei den Sommerspielen 2000 am Bondi Beach in Sydney. Laute Musik und laute Ansager, wilde Hauptdarsteller - nur keine Bikinis.

Diese Komposition gefällt auch Jörg Nitschke. Der ist beim Arzneimittelhersteller Ratiopharm Öffentlichkeitsarbeiter und durfte sich zwei Wochen vor den Spielen darüber freuen, dass eine überregionale deutsche Tageszeitung über Snowboard berichtete. Ärgerlich nur, dass in dem Bericht über die Erfolge des Halfpipe-Fahrers Jan Michaelis mit keinem Wort auf das Ulmer Unternehmen hingewiesen wurde. Das betreibt das Ratiopharm-Snowboard-Team, in dem auch Michaelis mitwirkt. Der Hamburger galt bis vergangenen Montag als größte Olympia-Hoffnung - dann stoppte ihn eine Verletzung.

Es geht zunächst um die bloße Markenwahrnehmung

Auf erhöhte Medienpräsenz hatten sie gehofft, natürlich auch Jörg Nitschke. In nichtolympischen Zeiten - also fast immer - ist es schließlich so, dass sich nur Fach- und Szenemagazine der Snowboarder annehmen. "Wir stoßen in eine Lücke, das Ganze hat nichts mit Reichweiten zu tun", formuliert Nitschke den bescheidenen Ansatz des Trendsport-Sponsorings.

Er gibt indirekt zu, dass die nunmehr sechsjährige Unterstützung der vermeintlich so freakigen Schneebrett-Aktivisten auf den ersten Blick ungefähr so zum Unternehmen passt wie Brettspiele zu Olympia. "Wir geben uns nicht der Illusion hin", sagt Nitschke, "dass Snowboard-Interessierte jetzt in die Apotheke rennen und Ratiopharm-Produkte verlangen." Vielmehr gehe es zunächst einmal um die bloße Markenwahrnehmung.

Die wird mit einem jährlichen finanziellen Aufwand in Höhe einer sechsstelligen Euro-Summe erkauft. Ein Preis, der die Sache wert sein soll. Bei Ratiopharm schwärmt man von der "authentischen und selbstständigen Art und Weise", mit der das Team das Sponsorengeld zum Einsatz bringt. "Der Freiheitsgrad ist enorm", stellt Nitschke fest, keiner der Vertragspartner werde zu irgendetwas gezwungen. Schließlich handele es sich um Snowboard-Profis aus dem Freestyle-Bereich. Die brauchen offenbar besonders viel Freizügigkeit und verkörpern "eine bestimmte Jugendlichkeit". Der Sponsor kommt in einer Pressemitteilung gar zu dem Schluss: "Snowboarder sind anders als andere Sportler."

Ratiopharm-Team spricht letztlich nur Teenies an

Mag sein. Die neun Athleten umfassende Ratiopharm-Truppe, von der mit Michaelis und Xaver Hoffmann (Platz 20) zwei Aktive in Salt Lake City am Start waren, lockt aber letztlich nur Teenies an. Eine Altersgruppe, die gemeinhin an der Apotheke vorbeirutscht - weil sie keine Medikamente braucht, sondern Red Bull trinkt. Die Bravo und vielleicht noch das eine oder andere Lifestyle-Magazin liest. Und die angelockt wird von Liptrick, Rotation Air oder Goofy.

So und ähnlich lauten die coolen Fachausdrücke der Snowboarder, für die Ratiopharm Trainingslager bezahlt und auch fundierte medizinische Betreuung stellt. Nach Bails und Slams, wie leichte und schwere Stürze genannt werden, ist gerade Letzteres von großer Bedeutung. Der Arzneimittel-Riese sieht seine Formation daher selbst als das "wohl am besten organisierte Team in der Freestyle-Szene".

Gleiches würde wohl auch T-Mobile von sich und seiner Mannschaft behaupten. Allerdings gibt es bei der Telekom-Tochter keine Spezialisierung auf Freestyler. Auch aus diesem Team sind zwei Mitglieder an den Salzsee gereist. Nicola Thost, in Nagano noch Olympiasiegerin, belegte in der Halfpipe Platz elf. Im Parallel-Riesen- slalom ruhen heute und morgen die Hoffnungen auf Katharina Himmler.

Zweifel an der Richtigkeit des Investments, das vertraglich nach Salt Lake City endet, sind bei T-Mobile nicht ganz zu überhören. Die Verlängerung des Kontraktes steht in den Sternen. Der Sport als solcher, so heißt es in Bonn, müsse medial nach vorne gebracht werden. Was schwer fällt, weil noch immer zwei rivalisierende Weltverbände Uneinigkeit demonstrieren. "Die Multiplikation in den Medien ist ausbaufähig", konstatiert Franz-Stefan Hornung als Projektverantwortlicher Snowboard, der zugleich der Abteilung Jugendmarketing angehört. Anders als bei Ratiopharm handelt es sich um ein astreines Zielgruppen-Sponsoring: Handys am Hang eben.

SALT LAKE CITY. Man stelle sich vor, beim Start eines Formel-1-Rennens stünde ein Kameramann mitten auf der Strecke und Michael Schumacher müsste mit seinem Ferrari um ihn herumkurven. Man stelle sich vor, Ralf Schumacher würde nach einem Unfall aus seinem BMW aussteigen und anschließend ungefähr so heftig jubeln, als wenn er gerade Weltmeister geworden wäre. Beides unvorstellbar.

Nicht aber beim Snowboard. Das Fernsehen ist mittendrin in der Halfpipe, und nach Stürzen reißen einige Teilnehmer die Arme vehementer in die Höhe als die Sieger. Oben in Park City hatten die Könner auf den Brettern ihren großen Olympia-Auftritt, der von der Atmosphäre her durchaus vergleichbar war mit jenem der Beachvolleyballer bei den Sommerspielen 2000 am Bondi Beach in Sydney. Laute Musik und laute Ansager, wilde Hauptdarsteller - nur keine Bikinis.

Diese Komposition gefällt auch Jörg Nitschke. Der ist beim Arzneimittelhersteller Ratiopharm Öffentlichkeitsarbeiter und durfte sich zwei Wochen vor den Spielen darüber freuen, dass eine überregionale deutsche Tageszeitung über Snowboard berichtete. Ärgerlich nur, dass in dem Bericht über die Erfolge des Halfpipe-Fahrers Jan Michaelis mit keinem Wort auf das Ulmer Unternehmen hingewiesen wurde. Das betreibt das Ratiopharm-Snowboard-Team, in dem auch Michaelis mitwirkt. Der Hamburger galt bis vergangenen Montag als größte Olympia-Hoffnung - dann stoppte ihn eine Verletzung.

Es geht zunächst um die bloße Markenwahrnehmung

Auf erhöhte Medienpräsenz hatten sie gehofft, natürlich auch Jörg Nitschke. In nichtolympischen Zeiten - also fast immer - ist es schließlich so, dass sich nur Fach- und Szenemagazine der Snowboarder annehmen. "Wir stoßen in eine Lücke, das Ganze hat nichts mit Reichweiten zu tun", formuliert Nitschke den bescheidenen Ansatz des Trendsport-Sponsorings.

Er gibt indirekt zu, dass die nunmehr sechsjährige Unterstützung der vermeintlich so freakigen Schneebrett-Aktivisten auf den ersten Blick ungefähr so zum Unternehmen passt wie Brettspiele zu Olympia. "Wir geben uns nicht der Illusion hin", sagt Nitschke, "dass Snowboard-Interessierte jetzt in die Apotheke rennen und Ratiopharm-Produkte verlangen." Vielmehr gehe es zunächst einmal um die bloße Markenwahrnehmung.

Die wird mit einem jährlichen finanziellen Aufwand in Höhe einer sechsstelligen Euro-Summe erkauft. Ein Preis, der die Sache wert sein soll. Bei Ratiopharm schwärmt man von der "authentischen und selbstständigen Art und Weise", mit der das Team das Sponsorengeld zum Einsatz bringt. "Der Freiheitsgrad ist enorm", stellt Nitschke fest, keiner der Vertragspartner werde zu irgendetwas gezwungen. Schließlich handele es sich um Snowboard-Profis aus dem Freestyle-Bereich. Die brauchen offenbar besonders viel Freizügigkeit und verkörpern "eine bestimmte Jugendlichkeit". Der Sponsor kommt in einer Pressemitteilung gar zu dem Schluss: "Snowboarder sind anders als andere Sportler."

Ratiopharm-Team spricht letztlich nur Teenies an

Mag sein. Die neun Athleten umfassende Ratiopharm-Truppe, von der mit Michaelis und Xaver Hoffmann (Platz 20) zwei Aktive in Salt Lake City am Start waren, lockt aber letztlich nur Teenies an. Eine Altersgruppe, die gemeinhin an der Apotheke vorbeirutscht - weil sie keine Medikamente braucht, sondern Red Bull trinkt. Die Bravo und vielleicht noch das eine oder andere Lifestyle-Magazin liest. Und die angelockt wird von Liptrick, Rotation Air oder Goofy.

So und ähnlich lauten die coolen Fachausdrücke der Snowboarder, für die Ratiopharm Trainingslager bezahlt und auch fundierte medizinische Betreuung stellt. Nach Bails und Slams, wie leichte und schwere Stürze genannt werden, ist gerade Letzteres von großer Bedeutung. Der Arzneimittel-Riese sieht seine Formation daher selbst als das "wohl am besten organisierte Team in der Freestyle-Szene".

Gleiches würde wohl auch T-Mobile von sich und seiner Mannschaft behaupten. Allerdings gibt es bei der Telekom-Tochter keine Spezialisierung auf Freestyler. Auch aus diesem Team sind zwei Mitglieder an den Salzsee gereist. Nicola Thost, in Nagano noch Olympiasiegerin, belegte in der Halfpipe Platz elf. Im Parallel-Riesen- slalom ruhen heute und morgen die Hoffnungen auf Katharina Himmler.

Zweifel an der Richtigkeit des Investments, das vertraglich nach Salt Lake City endet, sind bei T-Mobile nicht ganz zu überhören. Die Verlängerung des Kontraktes steht in den Sternen. Der Sport als solcher, so heißt es in Bonn, müsse medial nach vorne gebracht werden. Was schwer fällt, weil noch immer zwei rivalisierende Weltverbände Uneinigkeit demonstrieren. "Die Multiplikation in den Medien ist ausbaufähig", konstatiert Franz-Stefan Hornung als Projektverantwortlicher Snowboard, der zugleich der Abteilung Jugendmarketing angehört. Anders als bei Ratiopharm handelt es sich um ein astreines Zielgruppen-Sponsoring: Handys am Hang eben.

Das sportliche Abschneiden seiner Athleten beobachtet der Mobilfunker genauer als der Sponsor der Konkurrenz. "Bei uns steht mehr die Leistung bei den Rennen im Vordergrund", bestätigt Hornung. T-Mobile gibt ebenfalls eine sechsstellige Summe für die Präsenz in der Snowboard-Szene aus, ist außerdem noch bei den Mountainbikern dabei und erst kürzlich als Eisschnelllauf-Unterstützer eingestiegen. Auch dies werten Beobachter als Indiz dafür, dass das Thema Snowboard bald erledigt sein könnte. Die Abteilung Kufe hat zumindest den Vorteil, dass sie als Sportart und nicht als bloße Bewegung anerkannt ist.

Auch Hornung weiß genau, dass Snowboard "nur in ganz speziellen Medien Berücksichtigung findet". Was Ratiopharm möglicherweise gelassen hinnimmt, kann T-Mobile nicht egal sein. Nicht nur, aber auch wegen des angestrebten Börsengangs in diesem Jahr. Dem Schritt an den Kapitalmarkt dürften nach dem heutigen Stand der Dinge auch beim zweiten Anlauf keine optimalen Rahmenbedingungen vergönnt sein. Auf dem Hosenboden aber wollen Ron Sommers Gefolgsleute auf keinen Fall landen.

Snowboarder haben damit keine Probleme. Im Gegenteil. Für den unfreiwilligen Bodenkontakt mit dem Hinterteil haben sie sogar einen eigenen Fachausdruck kreiert: Butt-Check.

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