Telekom-Vorstand verzichtet auf Aktienoptionen
Ron Sommers Canossa-Gang

Die beißende Kritik hat offenbar gewirkt. Drei Wochen nach der Generalabrechnung der wütenden Aktionäre auf der Hauptversammlung unternimmt Ron Sommer einen kleinen Canossa-Gang - publikumswirksam über "Bild" lanciert der Manager für sich und den übrigen Telekom-Vorstand den Verzicht auf die zweite Tranche aus einem 2001 beschlossenen fünfjährigen Aktienoptionsprogramm.

vwd DÜSSELDORF. Man wolle damit ein Zeichen setzen angesichts der Börsenschwäche, heißt es in Bonn. Das ist so zu sehen: Da die T-Aktie derzeit superbillig ist, wäre auch die Hürde minimal, die sie nehmen müsste, damit Sommer seine Option ziehen könnte. "Die Hürden sind so niedrig, dass die Athleten vor Lachen nicht mehr laufen können", hatte Aktionärsschützer Lars Labryga den Optionsplan auf der Hauptversammlung in der Köln-Arena gegeißelt. Er und zahlreiche andere Redner warfen dem Vorstand vor, sich eine unangemessen hohe Vergütung zu gönnen, während die Anteilseigner bei Aktienkursen weit unter allen Ausgabepreisen praktisch mit leeren Händen da stünden. "Kaviar in Zeiten der Cholera", so brachte es eine Rednerin auf den Punkt. In der Tat erhält der Vorstand zum einen für das mit einem Mammutverlust abgeschlossene vergangene Jahr um 90 % gesteigerte Bezüge von rund 17 Mill. ?.

Die Telekom betont zwar stets, dass darin Abfindungen und Pensionen für zwei ausgeschiedene Vorstände enthalten seien. Eine Aufschlüsselung hat sie aber trotz dringender Aufforderung der Aktionäre bislang nicht geliefert. Hinzu kommen Aktienoptionen aus der ersten Tranche des Programms: 1,7 Mill. für den Vorstand plus 6,5 Mill. für die 3000 leitenden Mitarbeiter. Insgesamt hat dieses in fünf Tranchen aufgeteilte zweite Programm des Dax-Konzerns ein Volumen von 120 Mill. Aktien. Anteilig können maximal 24 Mill. Optionen auf ebenso viele Stückaktien ausgegeben werden.

Kein relatives Erfolgsziel

Was die Kritiker vor allem bemängeln: Es gibt nur ein absolutes, aber kein relatives Erfolgsziel. Das heißt, die T-Aktie muss nur einen bestimmten Kurs überschreiten, damit die Option ausgeübt werden kann, sich aber nicht an einem Index messen. Diese Doppel-Herausforderung sieht immerhin noch das erste, im Jahr 2000 verabschiedete Programm der Telekom vor, das mit rund einer Mill. Optionen weitaus kleiner ist. Für diese endet am 19. Juli die Sperrfrist. Ab dann könnten ihre Inhaber für den Zeitraum von drei Jahren von ihrem Bezugsrecht Gebrauch machen. Dafür müsste die T-Aktie zum einen mindestens ein Mal in dieser Zeit 30 Tage lang den Ausübungspreis von 62,69 ? um 20 Prozent übersteigen - derzeit unvorstellbare Höhen für das Zehn-Euro-Papier. Zum anderen müsste sich die T-Aktie über 30 Tage besser entwickeln als der EuroStoxx-50-Total-Return-Index.

Zwar wäre es auch möglich, dass die Mitarbeiter an Stelle der Aktien Geld bekommen. Einen solchen Barausgleich zieht die Telekom aber nach Auskunft eines Sprechers derzeit nicht in Betracht. Völlig anders sieht das aktuelle große Optionsprogramm aus: Hier ist der Ausübungspreis zugleich die Hürde (Erfolgsziel), und er fällt bei jeder Tranche verschieden aus. Der Preis liegt jeweils 20 Prozent über einem Referenzkurs, der einem Mittelwert der letzten 30 Handelstage vor der Ausgabe der Bezugsrechte entspricht.

Im Falle der ersten Tranche heißt das 30 ?. Falls dieser Kurs nach Ablauf einer ersten Wartezeit von zwei Jahren, also ab dem 13. August 2003, innerhalb eines Zeitraums von sage und schreibe zehn Jahren übertroffen wird, könnten Sommer und Co von der Hälfte dieser Optionen Gebrauch machen. Die Differenz zwischen dem Ausübungspreis und dem dann aktuellen Marktpreis wäre dann ihr Gewinn. Für die restlichen 50 Prozent der Optionen gilt eine Sperrfrist von drei Jahren, sie werden also ab August 2004 fällig. 2002 nun, so die "Geste" des Vorstandes, soll die Tranche entfallen. Aller Voraussicht nach wird sie erneut 1,7 Mill. Aktien umfassen.

Halb so viele Optionen für restliche Führungskräfte

Die 3 000 Führungskräfte unterhalb der achtköpfigen Sommer-Truppe sollen mit 3,3 Mill. Optionen und damit etwa halb soviel wie bisher Vorlieb nehmen. Immerhin - für den Rest müsste der Kurs nur, gemessen am derzeitigen Niveau, zwölf ? (zehn ? plus 20 %) überschreiten, und das Bezugsrecht würde greifen. Die Maßnahmen seien keineswegs das Eingeständnis, voriges Jahr zu heftig zugelangt zu haben, relativiert die Telekom. Mit der 2001er-Tranche habe man eine "den damaligen Umständen angemessene Entscheidung getroffen". Und auch für die kommenden Tranchen sei nichts präjudiziert. Es gibt also vermutlich noch reichlich Anlass für weitere turbulente Hauptversammlungen.

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