Telekom wartet auf neue IAS-Regeln
Dax-Riesen mauern bei Optionen

Nach den Skandalen in den USA fordern Bilanzexperten und Investoren auch von deutschen Konzernen immer lauter eine Einbeziehung der Kosten für Aktienoptionsprogramme in die Gewinn- und Verlustrechnung. Doch die meisten Unternehmen zögern noch. Schließlich würde die Bilanzänderung ihre Gewinne schmälern.

dih/tmo HB DÜSSELDORF. Der Trend hin zur Bilanzierung von Aktienoptionen verstärkt sich. Tag für Tag kündigen weitere US-Konzerne an, dass sie die Optionen, die sie an ihre Führungskräfte ausgeben, künftig gewinnmindernd als Personalaufwand buchen werden. In den vergangenen Tagen waren darunter General Motors, General Electric und Citigroup.

Deutlich zurückhaltender sind bisher die Giganten der deutschen Wirtschaft. Nur wenige Vorreiter wie die BASF AG beziehen die Optionen in die Gewinn- und Verlustrechnung ein. 2001 betrug der Personalaufwand für die Manager-Belohnung hier 30,2 Mill. Euro - was bei einem Jahresüberschuss von fast 6 Mrd. Euro kaum ins Gewicht fällt. Die meisten anderen Dax-Unternehmen halten hingegen ihre Optionspläne aus der Bilanz heraus. Doch das Umdenken hat begonnen.

"Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sollte man die Aktienoptionen in die Gewinn- und Verlustrechnung nehmen", sagt etwa Manfred Gentz, Finanzchef der Daimler-Chrysler AG. Vor einer Umstellung müsse das Standardisierungs-Gremium IASB aber noch klären, wie genau die Optionen nach den künftig europaweit gültigen IAS-Bilanzregeln zu bewerten seien.

Der Software-Riese SAP AG hat hingegen das jüngste Optionsprogramm so gestaltet, dass es anders als vorangegangene Pläne nicht als Aufwand in der Bilanz auftauchen muss. Die ersten beiden Programme "Star" und "LTI" enthielten noch Barzahlungen an die Führungskräfte. Darum musste der Konzern seit 1999 gewinnmindernd knapp 750 Mill. Euro buchen.

Das habe den Vergleich mit den Konkurrenten in den USA verzerrt, erläuterte ein SAP-Sprecher. Diese arbeiten mit reinen Optionsprogrammen und müssen daher nach den Bilanzregeln US-Gaap Kosten für ihre Optionsprogramme nur als Information im Anhang der Bilanzen aufführen. "Betriebswirtschaftlich wäre es wohl richtig, auch den Aufwand für das neue Programm in der Gewinn- und Verlustrechnung geltend zu machen", sagte der Sprecher. Doch SAP werde nun abwarten, wie sich die Bilanzregeln entwickelten und die Konkurrenten verhielten.

In den USA wehren sich Technologiefirmen am heftigsten gegen eine Bilanzierung der Aktienoptionen. Sie haben auch am meisten zu verlieren: Wie eine Studie der Investmentbank Credit Suisse First Boston zeigt, wäre bei Buchung der Optionen als Personalaufwand der Gewinn bei Microsoft im Jahr 2001 um 31 % niedriger ausgefallen (siehe Grafik). Siebel wäre gar in die roten Zahlen gerutscht. Im Vergleich dazu wären die Folgen für die SAP AG mit minus 16 % Gewinn etwas harmloser.

Dennoch wollen ebenso wie SAP andere deutsche Konzerne erst einmal abwarten, wie sich die Bilanzregeln entwickeln und die Konkurrenten verhalten. Die Deutsche Telekom AG etwa will vorläufig nichts ändern. Solange die neuen IAS-Regeln nicht vorlägen, hätten Überlegungen zu möglichen Änderungen wenig Sinn, sagte ein Sprecher des Bonner Konzerns. Tatsächlich entstehe dem Unternehmen durch das laufende Aktienoptionsprogramm kein den Gewinn schmälernder Aufwand. Es erfolge kein Werteverzehr wie etwa beim Personalaufwand. Die 1,06 Mrd. Euro, die die Telekom in der Einladung zur Hauptversammlung 2001 als Volumen des fünf Jahre laufenden Programms genannt habe, seien eine rein finanzmathematische Stichtagsbetrachtung. Sie zeigten lediglich den inneren Wert der Optionen, seien aber kein Maßstab für den dem Unternehmen entstehenden Aufwand.

Wenn die Telekom-Führungskräfte ihre Optionen ausüben, kaufen sie Aktien zu einem vorab festgelegten Preis aus einem von der Hauptversammlung genehmigten bedingten Kapital. Ein Gewinn für den Programmteilnehmer entsteht dann, wenn der aktuelle Kurs der T-Aktie über dem Ausübungspreis liegt. Weder bei der Begebung noch bei deren Ausübung fließe Geld aus dem Unternehmen ab, betonte der Sprecher. Damit entstehe der Deutschen Telekom bei dem von ihr gewählten Aktienoptionsprogramm anders als bei einem Modell mit einer Barzahlung als Alternative auch kein verbuchungsfähiger Aufwand.

"Bei echten Optionsplänen kommt die Vergütung vom Kapitalmarkt", erklärt Norbert Pfitzer, Vorstandsmitglied bei Ernst & Young. Ein Aufwand in der Bilanz könne nur fingiert werden. Zum Ausgleich werde dann auf der anderen Seite eine Erhöhung des Eigenkapitals fingiert. Am Ende sei dem Unternehmen weder etwas zugeflossen noch sei etwas abgeflossen. Aber der Gewinn sinke.

Betriebswirtschaftlich sei es zwar sinnvoll, aber aktienrechtlich zweifelhaft, Aktienoptionen als Aufwand zu buchen, erklärt Norbert Breker, Fachleiter für Rechnungslegung und Prüfung beim Institut der Wirtschaftsprüfer. Belastet werde nicht die AG, sondern deren Aktionäre durch eine Verwässerung ihrer Anteile. Es sei aber für die Aktionäre schon hilfreich, den dadurch erlittenen Verlust aus der Bilanz herauslesen zu können.

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