Telekom will nur komplett verkaufen
Vorentscheidung beim Kabelnetz-Verkauf

Die Deutsche Telekom ist zuversichtlich, ihr verbliebenes TV-Kabelnetz komplett an einen Investor abgeben zu können und will deshalb Offerten für einzelne der sechs zum Verkauf stehenden Regionen nicht weiter berücksichtigen.

Reuters BONN. Die Telekom teilte am Montag in Bonn mit, aus den neun eingegangenen unverbindlichen Angeboten für die verbliebenen Kabelnetzregionen Ost- und Norddeutschland sowie Bayern und Rheinland-Pfalz seien fünf internationale Konsortien für weitere Verhandlungen ausgewählt worden. "Auf Grund der überwiegenden Nachfrage nach dem vollständigen Erwerb des Kabel-TV-Geschäfts aller sechs Regionen hat sich die Deutsche Telekom entschieden, nur den Komplettverkauf weiter zu verfolgen", teilte das Unternehmen weiter mit. Die Namen der interessierten Konsortien wollte die Telekom nicht nennen.

In Telekom-Kreisen hieß es, "überraschenderweise" sei das Interesse an einzelnen Regionen nicht so stark wie ursprünglich erwartet gewesen. Pläne einiger Investoren zur Teilung von Regionen seien verworfen worden.

Mit dem Komplettverkauf an den US-Investor Liberty Media für 5,5 Milliarden Euro war die Telekom im Februar am Einspruch des Bundeskartellamts gescheitert. Die Behörde hatte von dem US-Medienkonzerns Liberty angesichts seiner großen Marktmacht verlangt, dass das Kabelnetz auch als Infrastruktur für Internet und Telefonie ausgebaut werden solle. Liberty hatte jedoch einen schnellen multimedialen Ausbau des Kabelnetzes abgelehnt. Die Telekom hatte wegen des Zahlungsausfalls unter anderem erstmals ihre Dividendenzahlung um 40 Prozent gekürzt.

Telekom-Kreisen zufolge ist Liberty weiterhin an dem Kauf der Kabelnetze interessiert, um seine europäischen Kabelnetz-Aktivitäten zu komplettieren. Deutschland ist der größte Kabel-TV-Markt in Europa. Vorstellbar sei, dass Liberty seine ursprünglichen Pläne modifiziere oder gemeinsam mit Partnern als Käufer auftrete, um im zweiten Ablauf eine Zustimmung des Kartellamts zu erhalten. Außer Liberty könnten jedoch auch Finanzinvestoren als Käufer auftreten, die die profitabel arbeitenden Kabelnetze erwerben, ausbauen und in einigen Jahren weiter veräußerten, hieß es.

Die verbliebenen Bieter, die in den seit mehreren Monaten laufenden Verhandlungen bislang lediglich unverbindliche Preisvorstellung und Investitionspläne vorlegten, können nach Telekom-Angaben nun die Geschäftsunterlagen der Kabelgesellschaften eingehend prüfen. Bis Ende September würden verbindliche Angebote der Interessenten erwartet, hieß es. Auf Basis der eingegangen Angebote werde dann entschieden, mit welchen Bietern weiter verhandelt oder eine vorläufige Übernahmevereinbarung abgeschlossen werde. Die Telekom geht weiter davon aus, das Kabelnetz noch in diesem Jahr verkaufen zu können.

Den Verkaufserlös hat die Telekom für den Abbau ihrer Verschuldung auf 50 Milliarden Euro von derzeit 67 Milliarden Euro zum Jahresende 2003 eingeplant. Analysten hatten zuletzt geschätzt, dass die Telekom zwischen zwei bis 4,5 Milliarden Euro für die Netze mit rund zehn Millionen angeschlossenen Kunden bekommen könne. Problematisch sei für Investoren jedoch die Fragmentierung des Marktes zwischen Netzbetreibern und den Inhabern der Endkundenanschlüsse, sagten jüngst Analysten. Die von Liberty Media geplante Konsolidierung beider Netzebenen war ebenfalls ein Grund für das vom Bundeskartellamt ausgesprochene Verkaufsverbot gewesen.

Die Telekom hatte vor mehr als zwei Jahren damit begonnen, Käufer für ihre in Regionen eingeteilten Kabelnetze in Deutschland zu suchen. Die Europäische Union hatte die Telekom als marktbeherrschendes Unternehmen dazu verpflichtet, die in den 70-er Jahren aufgebauten Netze aus dem Konzern auszugliedern. Die Kabelregionen Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen mit zusammen rund acht Millionen Kunden sind bereits mehrheitlich an die Investmentgesellschaften Klesch sowie Callahan veräußert worden.

Das im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen als Kabel NRW unter der Führung von Callahan weitergeführte Kabelgeschäft hatte Mitte Juli wegen Überschuldung Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Wegen der Zahlungsunfähigkeit von Kabel NRW rechnen Analysten mit anhaltendem Druck auf den Verkaufspreis für die verbliebenen sechs Netze der Telekom.

An der Börse wurde die Telekom-Aktie gegen Abend bei allgemein festeren Markt mit einem Aufschlag von 4,2 Prozent bei 12,40 Euro gehandelt.

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