Archiv
Telekom will weiterhin Kabel-Verkauf

Die Deutsche Telekom strebt weiterhin den vollständigen Verkauf ihrer TV-Kabelnetze an, bereitet sich aber auch auf die Folgen eines möglichen Scheiterns des Verkaufs an den US-Konzern Liberty Media vor.

rtr BONN/FRANKFURT. "Wir halten daran fest, uns von unseren Randaktivitäten zu trennen, wozu das Kabelgeschäft gehört", sagte Telekom-Sprecher Stephan Broszio am Dienstag in Bonn. Die "Financial Times Deutschland" (Dienstagausgabe) hatte berichtet, der Konzern wolle das Kabelgeschäft möglicherweise mittelfristig selbst fortführen. In unternehmensnahen Kreisen hieß es dazu, "natürlich beschäftigen sich Telekom-Strategen mit den Folgen Verbots durch das Kartellamt". Wenn sich kein anderer Käufer fände, bliebe ohnehin nur, die Netze zu behalten. Dies würde nach Analystenmeinung die Telekom zwar beim Konzernumbau und Schuldenabbau zurückwerfen, aber nicht dauerhaft schwächen.

Die Spekulationen über sechs noch nicht verkauften Telekom-Kabelnetze haben mit der vorläufigen Ablehnung der Verkaufsabsichten an Liberty Media durch das Bundeskartellamt zugenommen. Liberty hat es bislang abgelehnt, durch Zugeständnisse über weitergehende Nutzungsmöglichkeiten des Kabelnetzes eine Zustimmung des Kartellamts erreichen. Die FTD berichtete am Dienstag unter Berufung auf Telekom-Kreise, die Telekom prüfe derzeit unter anderem, wie die Kabelnetze in Eigenregie mit einem minimalen Investitionsaufwand weiter betrieben werden könnten. Gemäß dieser vom Vorstand noch nicht beschlossenen Vorgehensweise würde dann die Suche nach einem neuen Käufer für die Kabelnetze zurückgestellt, hieß es. Während sich der Telekom-Sprecher dazu nicht näher äußern wollte, halten Analysten eine solche Strategie für machbar und nicht unvernünftig. "Es wäre zwar wegen der Verschuldung schön, wenn das Kabelnetz wie geplant verkauft werden könnte", sagten Analysten. Sollte der Verkauf aber am Widerstand des Kartellamts scheitern, "wäre die Weiterführung des Kabelnetz-Geschäfts auch nicht so schlecht." Zwar werde dann der beabsichtigte Abbau der Verschuldung von jetzt 65 Mrd. ? auf 50 Mrd. ? bis Jahresende unmöglich, was am Kapitalmarkt vorübergehend für Verstimmung sorgen werde. Das TV-Kabelgeschäft weise jedoch eine operative Gewinnmarge von 40 % aus und lasse sich "bequem" mit geringen Kosten für Instandhaltung fortführen.

Mehrere Analysten bezweifeln zudem, dass es außer Liberty noch weitere ernst zu nehmende Kaufinteressenten für die Netze zu dem vereinbarten Preis von 5,5 Mrd. ? gibt. Dieses Argument war zuletzt auch in Telekom-Kreisen angeführt worden, um dem Kartellamt eine Genehmigung des Verkaufs nahe zu legen. "Selbst bei einer Übernahme durch die zahlungkräftige Deutsche Bank werden sich durch die Struktur des deutschen Kabelmarktes Ansatzpunkte für eine mögliche Marktbeherrschung durch den Käufer ergeben", sagen Kenner der Branche. Bei einer Fortführung des Kabelgeschäfts durch die Telekom befürchten Branchenexperten zudem, dass die Kabelnetztechnik mangels Investitionen auf dem heutigen Technikstand verharrt. Dies könne dem Kartellamt nicht recht sein, hieß es.

Telekom-Chef Ron Sommer hatte zuletzt signalisiert, dass er Nachverhandlungen zum Kabelnetz ablehnt und das Netz eher behalten will. Belastender als der zu erwartende Druck von der Europäischen Union sei die Abstrafung durch die Finanzmärkte, da das angestrebte Schuldenziel nicht eingehalten würde, sagte der Analyst der Bankgesellschaft Berlin, Ralf Hallmann. BHF-Analyst Werner Stäblein rechnet zudem mit einer Belastung des geplanten Börsengangs der Mobilfunk-Tochter T-Mobile. Hallmann kann sich dennoch vorstellen, dass die Telekom die margenträchtigen, aber wachstumsschwachen Kabelnetze in Eigenregie nach einer Ablehnung durch das Kartellamt fortführt, da Verzögerungen beim geplanten Schuldenabbau um ein oder zwei Jahre "nicht entscheidend" seien. Die Telekom habe signalisiert, dass langfristig Schulden von 50 Mrd. ? geplant seien und dies einer Eigenkapitalquote von 40 % entspreche. Für den Markt sei das Erreichen der Marke wichtiger als die Geschwindigkeit, sagte der Analyst. Die Telekom-Aktie lag am Dienstag weitgehend im moderat schwächeren Trend des Gesamtmarktes bei 15,85 ?, was dem Kursniveau von Ende September 2001 entspricht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%