Telekom zieht sich zurück
Call-by-Call-Anbieter müssen Rechnungen selbst eintreiben

Ab sofort wird die Telekom auf Fremd-Rechnungen nur noch die Service-Nummern der jeweiligen Call-by-Call-Anbieter angeben. Die privaten Konkurrenten müssten in Zukunft selbst Ansprechpartner für Beschwerden, Reklamationen und Fragen sein, hieß es.

dpa-afx BONN. Anbieter von Call-by-Call-Verbindungen in Deutschland müssen ihre offenen Rechnungen ab Juli selbst eintreiben und werden deshalb wohl teilweise ihre Preise erhöhen. Die privaten Konkurrenten seien ab kommenden Monat auch selbst Ansprechpartner für Kundenbeschwerden, Reklamationen und Rückfragen zu Gebühren, erklärte die Deutsche Telekom am Donnerstag in Bonn. Der Ex-Monopolist wird künftig nur noch die Gebühren von Call-by-Call-Anbietern aufführen, kassieren und an die Wettbewerber weiterleiten. Für mögliche Streitigkeiten aber steht die Telekom nicht mehr zur Verfügung. Stattdessen druckt sie auf ihre Rechnungen künftig nur noch die Servicenummern der genutzten Call-by-Call-Firmen. Diese schätzen die auf sie zukommende finanzielle Belastung auf einen zweistelligen Millionenbetrag, der wegen der schlechten Lage zum Teil an die Kunden weitergegeben werden müsse.

Bisher hatte die Telekom für die Wettbewerber nicht nur die Gebühren mit auf die Telefonrechnung genommen und kassiert, sondern auch offene Forderungen eingetrieben und Reklamationen bearbeitet. Dies ist nun vorbei. "Die Rechnungshotline der Deutschen Telekom wird ab dem 1. Juli grundsätzlich nur noch Fragen zu Rechnungsbestandteilen der Deutschen Telekom beantworten", teilte das Unternehmen mit. Für dieses Vorgehen gibt es bereits das grüne Licht der Regulierungsbehörde für Telekom und Post. Ein Sprecher der Behörde räumte ein, dadurch kämen auf die Call-by-Call-Anbieter finanzielle Belastungen zukommen. Der entsprechende Beschluss sei aber bereits im März 2000 gefallen. Die Wettbewerber hätten also ausreichend Zeit gehabt, sich darauf vorzubereiten, sagte er der Nachrichtenagentur AFP in Mainz.

Telekom-Konkurrenten erneuern Kitik an der Regelung

Der Branchenverband VATM, in dem die Telekom-Konkurrenten zusammengeschlossen sind, erneuerte seine Kritik an der Regelung. Bei den einzelnen Anbietern seien die von den Kunden nicht gezahlten Beträge oft sehr gering, sagte VATM-Sprecher Benedikt Kind in Berlin. Da lohne es kaum, die Säumigen juristisch zu verfolgen. Andererseits addierten sich die geringen Beträge zu einer gehörigen finanziellen Belastung. Außerdem müssten die Firmen zum 1. Juli ihr Personal für die Rechnungshotlines deutlich erhöhen.

Die Gesamtkosten durch die Änderungen bezifferte Kind für alle Telekom-Anbieter auf einen "zweistelligen Millionenbetrag". Dieser treffe die Branche in einer sowieso schon schwierigen Lage. Im Call-by-Call-Geschäft werde schon jetzt kaum etwas verdient, sagte Kind. Mit den anstehenden Zusatzbelastungen könne dann gar nichts mehr verdient werden. Deshalb werden nach Ansicht Kinds demnächst "einige Unternehmen nicht mehr Call-by-Call anbieten, sondern nur noch Pre-Selection-Verträge". Andere Firmen würden zwar weitermachen. "Aber die müssen dann wohl notgedrungen die Preise erhöhen."

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