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Telekombranche: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Lange Gesichter bei Nokia und Ericsson. Vor noch gar nicht langer Zeit als Wachstumsbranche gefeiert, kommen Telekommunikationsausrüster einfach nicht auf die Beine. Der Aufschwung soll zwar kommen - aber eben nicht mehr in diesem Jahr.

md DÜSSELDORF. Die Telekommunikationsausrüster gehen weiter schweren Zeiten entgegen. Während die Hersteller zaghaft auf das Jahr 2003 setzen, sieht die DG-Bank einen möglichen Aufschwung nicht vor 2004. "Und auch wie es 2004 weiter geht, steht in den Sternen. Derzeit sind wir pessimistisch", sagt Analyst Robert Vinall.

Dabei ist es noch gar nicht lange her, als die Handyhersteller von Erfolg zu Erfolg eilten. Der Telekomindustrie und ihren Ausrüstern wurden glänzende Wachstumschancen prophezeit. Doch das vergangene Jahr zerstörte dann alle Träume. Nach dem Steilflug im Jahr 2000 mit Wachstumsraten von über 50% ist der Weltmarkt für Mobiltelefone im vergangenen Jahr zum ersten Mal gefallen. Ein Minus von 3,2% hat das Marktforschungsunternehmen Gartner Dataquest ermittelt.

Die Börse hat reagiert. Im ersten Quartal des laufenden Jahres sind die Aktien der Anbieter überwiegend gefallen und haben sogar schlechter abgeschnitten als die gebeutelten Halbleiterwerte, wo steigende Preise für Chips leise Hoffnungen auf ein Krisenende schüren. Analysten sind offenbar der Meinung, dass die Erholung der Handybranche später kommen wird als noch vor kurzem erwartet. Damit stehen sie nicht mehr alleine da. Und die aktuellen Prognosen der Hersteller Nokia und Ericsson untermauern die düsteren Aussichten.

Die Skandinavier hatten zwar im letzten Jahr noch eine steile Trendwende nach oben für die zweite Jahreshälfte 2002 vorhergesagt. Vor allem der Start der neuen Mobilgeneration 3G - die jetzt mit einiger Verspätung nicht vor dem Herbst kommen wird - sollte die Durststrecke beenden. Doch jetzt sind die Hersteller sehr unsanft von der Wirklichkeit eingeholt worden.

So galt Nokia bis vor wenigen Tagen noch als Hoffnungsträger. Die Margen seien stabil und die Chance für den Gewinn weiterer Marktanteile hoch, hieß es von Merrill Lynch. Nokia sei das einzig profitable Unternehmen in der Branche, sagten die Analysten.

Doch Ende vergangener Woche sorgte der finnische Konzern für das große Erwachen. Der Telekommunikationsriese senkte seine Umsatzprognose für das laufende Jahr von 15 auf vier bis neun Prozent und löste damit einen Einbruch seines Aktienkurses aus. "Wir erwarten den Aufschwung erst 2003", sagte Nokia-Chef Jorma Ollila. Grund: die verhaltene Investitionsbereitschaft.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Besonders der langersehnte Übergang zum Mobilfunkstandard der dritten Generation wird langsamer als erwartet vor sich gehen. Nach Meinung von Analyst Vinall fehlen aber nicht nur Dienste, die für einen Durchbruch sorgen könnnten. Es mangele außerdem an entsprechenden Geschäftsmodellen. Aber auch die Nachfrage macht Vinall Sorge. "Es wird noch viele Jahre dauern, bis sich eine ausreichende Nachfrage entwickeln wird", sagt er. Und das werde natürlich auch seine Auswirkungen auf die künftigen Geschäftszahlen haben.

Viel enttäuschender noch als das Handygeschäft verlief allerdings die Entwicklung der Netzwerk-Sparte - dem Sorgenkind aller Telekommunikationsausrüster. Voll erwischt hat es da jetzt den schwedischen Konzern Ericsson. Ericsson ist nach der Ausgliederung der Handy-Sparte, die seit vergangenen Oktober zusammen mit Sony betrieben wird, fast ausschließlich vom Netzwerkbereich abhängig. Die Folge: Der Ausrüster hat das erste Quartal nicht nur mit einem Milliardenverlust (Schwedische Kronen) abgeschlossen und schlechter als von Analysten gewirtschaftet. Ericsson-Cef Kurt Hellstrom rechnet auch nicht mit einem Aufschwung in absehbarer Zeit und will insgesamt 20 000 Stellen abbauen.

Während die Konzerne zunächst versuchen, mit wenig optimistischen Prognosen das Schlimmste zu verhindern, werden sich die Aktionäre vorerst also wohl an schlechte Nachrichten gewöhnen müssen.

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