Telekomkonzern lockt Anleger mit Rabatten und Treueaktien
KPN wagt sich trotz schwierigen Umfelds an die Börse

Zwischen 4 und 6 Mrd. Euro will der niederländische Telekomkonzern KPN in den kommenden Wochen bei den Anlegern einsammeln. Nach der teuren Übernahme des Mobilfunkanbieters E-Plus und Milliardenausgaben für die neuen UMTS-Lizenzen benötigt das Unternehmen dringend frisches Kapital.

HB FRANKFURT/M. Trotz widriger Marktbedingungen will die niederländische KPN ihren mittlerweile dritten Börsengang wie geplant durchziehen. Finanzvorstand Maarten Henderson hofft, dass die Großemission, die sich auf eine Aktienplatzierung und eine Wandelanleihe verteilt, 4 bis 6 Mrd. Euro in die Kassen des Konzerns spülen wird. Dazu muss Henderson in den kommenden Wochen bis zu 300 Mill. Aktien aus einer Kapitalerhöhung an den Mann bringen, was knapp einem Drittel des gesamten KPN-Grundkapitals entspricht. Damit zählt die Platzierung zu den größten europäischen Börsengängen in diesem Jahr. Privatanleger in den Niederlanden, Deutschland, Italien und Spanien lockt KPN mit einem Rabatt von rund 4 % auf den Ausgabekurs und Treueaktien im Verhältnis eins zu zehn, wenn die Anleger die Aktien mindestens ein Jahr halten.

Doch das Marktumfeld für die Platzierung ist schwierig. Die Investoren stehen den Telekom-Werten nach wie vor kritisch gegenüber. Seit ihrem Höchststand im März hat die KPN-Aktie über zwei Drittel ihres Wertes verloren. Allein in den vergangenen vier Wochen sackte der Kurs um 14 % ab. Aufgrund der Börsenturbulenzen mussten eine ganze Reihe von Telekomkonzernen, darunter die amerikanische Verzizone Wireless und die France-Télécom-Tochter Orange, geplante Börsengänge verschieben. Die spanische Telefónica hält zwar an den Börsenplänen für ihre Mobilfunktochter fest, hat aber das geplante Emissionsvolumen verringert.

KPN ist auf das frische Kapital dringend angewiesen. Die Übernahme des Mobilfunkanbieters E-Plus und die milliardenteuren UMTS-Lizenzen hat der Konzern bislang über Anleihen im Wert von rund 12 Mrd. Euro finanziert. "Jetzt wollen wir unsere Eigenkapitalbasis stärken, um die Bilanzrelationen zu verbessern", erläuterte Henderson. Die aktuelle Verschuldung von KPN bezifferte er auf rund 25 Mrd. Euro, was in etwa der gesamten Marktkapitalisierung des Konzerns entspricht. Neben dem Börsengang hofft Henderson durch den Verkauf nichtstrategischer Beteiligungen, wie dem Anteil von 21 % an der irischen Eircom, Geld in die Kasse zu bekommen. Die Zeichnungsfrist für die KPN-Aktien läuft für Privatanleger noch bis zum 16. November. Den Ausgabekurs will KPN am 18./19. November festlegen. Am 22. November sollen die neuen Aktien dann erstmals gehandelt werden. Da es sich um eine Zweitplatzierung handelt, wird sich der Preis eng am dann aktuellen Kurs orientieren. "Die Anleger können mit einem Abschlag auf den Börsenkurs rechnen, er wird aber nicht all zu hoch ausfallen", erläuterte Henderson. Gestern notierten die KPN-Papiere mit rund 22 Euro. Die Aufteilung des Emissionsvolumens auf Aktien und Wandelanleihen steht noch nicht fest. Details zur Bondplatzierung will KPN am 13. November bekanntgeben. Dann startet auch die Zeichnungsfrist für die Wandelanleihen.

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