Telekommunikation
Analyse: Mobilcom in der Schwebe

Die Mitarbeiter der Mobilcom AG können aufatmen: Die Einigung zwischen France Télécom und den Gläubigerbanken über den Mobilcom-Schuldenberg zeigt den Weg auf, wie die drohende Insolvenz des Büdelsdorfer Telekommunikationskonzerns abgewendet werden kann.

Beruhigt zurücklehnen können sich die 6 000 Beschäftigten jedoch noch nicht. Gestern war weiterhin offen, ob Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid die Lösung mitträgt. Er müsste einen erheblich niedrigeren Preis für seine Hälfte an Mobilcom akzeptieren, als er bisher gefordert hat.

Dass Mobilcom die Einigung als einen guten Schritt in die richtige Richtung bezeichnet hat, lässt auf guten Willen bei Schmid hoffen. Hoffen - mehr aber auch nicht, denn Mobilcom wird von France Télécom und den Gläubigerbanken nur noch mit 650 Mill. Euro bewertet. Das ist sogar weniger, als Schmid bisher als Preis für seine 50 Prozent an Mobilcom gefordert hat. Zudem wollte der Mobilcom-Gründer Bargeld, keinesfalls Aktien für seinen Anteil haben.

Es gibt jetzt also zwei Szenarien. Im Szenario eins lenkt Schmid ein, akzeptiert das Angebot von Orange-Aktien und verlässt das Unternehmen. Im Szenario zwei blockiert Schmid alles, glaubt weiter, er könne seinen Minderheitsaktionär France Télécom zum Einhalten der gekündigten Verträge zwingen und riskiert die Insolvenz. Zwischen beiden Szenarien können Schmid und France Télécom noch bis zum 31. Juli hin und her lavieren, dann aber werden die 4,7 Mrd. Euro Bankschulden von Mobilcom fällig.

Ein Nebenkriegsschauplatz ist heute die Mobilcom-Aufsichtsratssitzung: Auch wenn der Aufsichtsrat Schmid als Vorstandsvorsitzenden entlässt, kann der immer noch eine Hauptversammlung einberufen und als größter Aktionär einen Vorstand nach seinen Wünschen durchsetzen.

Szenario eins ist die beste Lösung für das Unternehmen: France Télécom übernimmt Mobilcom ganz und verpflichtet sich damit, eine dauerhafte Lösung für die Weiterexistenz des Unternehmens zu finden. Szenario zwei wäre womöglich die bessere Variante für die Franzosen: Ihre bisherigen Investitionen in Mobilcom haben sie abgeschrieben. Bei einer Mobilcom-Pleite blieben die Banken auf ihren Schulden sitzen. France Télécom müsste sich keine Gedanken mehr um die weitere Finanzierung machen. Eine Mobilcom-Pleite wäre für France Télécom also die billigere Variante.

Das bedeutet für Schmid, dass er im Szenario zwei wahrscheinlich alles verliert. Rational gesehen bleibt also auch für Schmid jetzt nur noch Szenario eins.

Wie es dann für Mobilcom weitergeht, ist allerdings unklar. France Télécom würde gerne Mobilcom mit einem der drei anderen kleinen UMTS-Lizenzinhaber, E-Plus, Viag Interkom oder Quam, zusammenbringen. Von ihnen aber will keiner Mobilcom haben, weil die Kunden bei einer solchen Fusion an die bisherigen Netzpartner der Mobilcom - T-Mobile, Vodafone und E-Plus - fallen würden. Mobilcom hat also in seinem angestammten Geschäft als Mobilfunk-Serviceprovider weitaus bessere Chancen als mit UMTS-Lizenz. Wahrscheinlich wird France Télécom also die UMTS-Aktivitäten abspalten. Mobilcom könnte dann mit Hutchison Telecom in Münster, einem Serviceprovider, der ebenfalls zu France Télécom gehört, zusammengeführt werden und weiter leben. Für die UMTS-Sparte allerdings ist eine Lösung nirgends in Sicht: Neue Schulden für den Aufbau des Netzes kann sich France Télécom nicht leisten.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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